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Wasserfall (C-2)

Bei ganz oberflächlicher Betrachtung könnte man die Geschichte der Wasserfall genannten Rakete recht kurz beschreiben: Entwicklungsbeginn 1942 auf der Basis eines Flakzielgerätes, 1944 erste praktische Versuche, Anfang 1945 Tests eingestellt, da zu teuer und zu kleine Ladung.

Doch das wird dieser Waffe nicht gerecht, die Amerikaner sahen in [3] immerhin die Notwendigkeit, sich über fünf A4- Seiten zur Wasserfall zu äußern. Man war der Meinung, die C2 ist nie über das Experimentalstadium hinausgekommen (was nach amerikanischer zeitgenössischer Meinung vor allem an den Mängeln der Fernsteuerung lag), aber man würde bei intensiveren Studium jede Menge Erkenntnisse zu Raketen erlangen, die Überschallgeschwindigkeit erreichen. Folgerichtig wurde die Wasserfall zum direkten Vorgänger der amerikanischen Fla- Rakete "Nike".

Die Wasserfall wurde ursprünglich als Boden- Luft- Rakete konzipiert und sollte als solche mobil von Starttischen aus gegen Bomberverbände Verwendung finden. Die Amerikaner sahen zwei wesentliche Nachteile dieses Konzeptes:

Auffällig an der C2 ist die Ähnlichkeit mit der Rakete A4 - und das nicht nur äußerlich:

Die grundlegenden technischen Daten. Die Angaben beziehen sich auf die Version W 5, an der ursprünglich gearbeitet wurde.

Ursprüngliches Ziel der Entwicklung war es, Luftziele in bis zu 18 km Höhe und 36 km vom Abschußpunkt zu vernichten. Dabei konnten Manöver geflogen werden, die die C2 bis 4,4 g belasten. Es wurden Geschwindigkeiten bis 770 m/s erreicht. Das Abschußgewicht lag bei 3,5 Tonnen, am Ziel waren es immerhin noch ca. 1,5 Tonnen.

Aufbau:

Die Raketenform ist nicht dadurch gefunden worden, dass man eine V2 verkleinerte. Die sogenannten Göttinger Dokumente (hier: UM 6013) aus 02/ 45 weisen nach, das mindestens sechs verschiedene Formen im Windkanal getestet wurden, um eine optimale Form zu erhalten.

Der Kopf der Rakete enthält neben dem Zielsuchgerät auch den Gefechtskopf. Dieser bestand aus 100 kg Sprengstoff unterschiedlicher Zusammensetzung und wurde elektrisch gezündet. Er sollte ein feindliches Flugzeug zerstören, indem er bis zu 40 m vom Ziel entfernt zur Explosion gebracht wird.
Es folgt ein kugelförmiger Stickstofftank. Er enthält 65 kg Stickstoff unter 200 atü Druck. Der Stickstoff wurde zur Treibstofförderung verwendet. Hierzu wird der Druck auf 30 atü reduziert.
Dahinter ist ein Tank angeordnet, der 400 bis 450 kg Visol enthält. Die Angaben schwanken in den Quellen, ebenso wie die Angaben zur Zusammensetzung. Visol war ein recht variabler Treibstoff, die typische Zusammensetzung bestand bei den Versuchen aus 40% Alkohol (Isopropyl), 40% Visol, 2% Wasser und 18% eines Stoffgemisches zur Sicherstellung einer gleichmäßigen Verbrennung. Es fanden auch Versuche statt, bei denen Visol durch modifizierten Dieselkraftstoff ersetzt wurde. Für Versuche in der Boden - Boden- Version wurde zumeist das Gemisch HAP 871 verwendet (40% Visol, 30% Benzin, 17,5% Anillin, 12,5% Brezkatechin).
Der nachfolgende Tank enthält 1500 kg Salbei. Die Mischung bestand aus 90% Salpetersäure (3% Wasseranteil) und 10% Schwefelsäure. Diese wurde hinzugefügt, um die Korrosion der Stahlhülle des Tanks in Grenzen zu halten.
Das Heck der C2 besteht aus dem eigentlichen Motor, den aerodynamischen Rudern und den Strahlrudern.

Der Motor selbst wurde von EMW Karlshagen entwickelt und basiert ebenfalls auf den bei der A4 angewendetem Prinzip. Je nach verwendeter Visol- Mischung beträgt das Einspritzverhältnis in die Brennkammer 5:1 bis 8:1. Über 41 Sekunden wird ein Schub von ca. 8000 kp erzeugt, die Geschwindigkeit des austretenden Gasstrahles lag bei ca. 1850 m/s. Der Motor konnte auf drei Arten abgeschaltet werden: Verbrauch des Treibstoffes, Ausschalten durch Kontrollsignal, Ausschalten bei vorher einstellbarer Geschwindigkeit.

Kontrollsystem:

Wie schon erwähnt, erforderte die Steuerung der Wasserfall eine erhebliche Ausrüstung am Boden. Es wurde in Masse ein optisches Zielführungsverfahren verwendet, was die Anwendungsmöglichkeiten natürlich erheblich begrenzte - immerhin mußten gleichzeitig die C2 und das Ziel beobachtet werden. Zur Signalübermittlung wurden als Sender ein "Kehl" (FuG 230) und als Empfänger ein "Straßburg" (FuG 203) verwendet. Wir werden diese beiden zur Fernsteuerung oft verwendeten Geräte in gesonderten Berichten vorstellen. Es sind Versuche bekannt, die Fernsteuerung über Radarfernlenkung zu realisieren.
Die Fernsteuersignale werden in der Wasserfall mit den Signalen des Drei- Ebenen- Kreisels gemischt, um die Flugstabilität zu sichern. Ebenfalls automatisch erfolgt die Anpassung der Ruderbewegungen an das Geschoßgewicht, um ein Überschreiten der zulässigen 4,4 g Belastung bei Flugmanövern zu verhindern.

Die geplante Monatsproduktion im Rahmen des Jägerprogramms wurde mit 5.000 Stück angegeben. Zur Massenproduktion (vorgesehen bei Arado und Hentschel) kam es jedoch nicht mehr, das Projekt wurde am 26.02.45 eingestellt. Das Prinzip hat sich jedoch bewährt, bei einem ersten Einsatz im Januar 45 wurden rund 50 feindliche Bomber abgeschossen.

Während der Entwicklungszeit fanden auch Versuche statt, die Wasserfall als Boden - Boden- Rakte zu verwenden. Hierzu wurden die Abmessungen verkleinert, der Gefechtskopf auf 200 bis 300 kg vergrößert und andere Flügelformen (Basis A4b) getestet. Zusätzliche Pulverraketen wurden angebracht, um auch bei der Boden - Boden- Anwendung Überschallgeschwindigkeit zu erreichen - man hätte die Rakete erst ankommen hören, nachdem sie schon eingeschlagen war (Kleine Wasserfall). Alle diese Anwendungen sind nicht mehr zur Serienreife geführt worden.
Ebenfalls auf der Basis der C2 sollte das sogenannte Raketengeschütz 1000 entwickelt werden. Die normale Wasserfall sollte auf dem Behelfslafettenkreuz 3741 montiert werden. Auch hier blieb es bei Reißbrettentwürfen.

 

Dieter TD/ Annett (Literatur- Recherche)

Literatur:

[1] Nowarra, "Die deutsche Luftrüstung 1933 - 1945", Bernard&Graefe
[2] Lusar, "Die deutschen Waffen und Geheimwaffen des 2. Weltkrieges und ihre Weiterentwicklung", Lehmanns- Verlag
[3] OP 1666, "German explosive Ordnance Vol. 1". Diesem Werk ist auch das Bild entnommen.

[4] Hahn, "Waffen und Geheimwaffen des deutschen Heeres 1933 - 1945", Bernard&Graefe

 

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