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Herr Knopp, das Bernsteinzimmer, Bratwurstbuden und Werkzeugverkauf...

Es hatte seinen guten Gund, das sich auf den Seiten von Team Delta sehr wenige Berichte zu Objekten in Deutschland befinden und auch bei diesen die genauen Ortsangaben fehlen. Dieser Grund ist einfach zu beschreiben und kann in den FAQ, aber auch in diversen Artikeln nachgelesen werden.

Jede Veröffentlichung führt naturgemäß zu mehr Bewegung am vorgestellten Objekt. Klar, viele Leser wollen auch in natura sehen, was wir da vorstellen. Ein berechtigter Wunsch, aber damit beginnen die Probleme, denn Anwohner und Jagdpächter haben für Massenaufläufe selten Verständnis. Zumal es in den meisten Fällen nicht beim Massenauflauf bleibt. Mit dem KfZ wird über gesperrte Waldwege direkt bis vors Objekt gefahren, Lagerfeuer erhellen die Nacht, Müll liegt herum. Schon im Normalfall und ohne irgendwelche Besonderheiten gibt es immer wieder Leute, die sich eben nicht an die Regeln halten und die nicht weiter denken als bis zum nächsten Baum.

Ich will auch die Beispiele für diese Behauptungen nicht schuldig bleiben - obwohl sie jeder Leser sicherlich selbst kennt. Begeben wir uns also mal kurz an die FFOWB, nördlicher Mittelabschnitt, weit ab menschlicher Behausungen und wirklich nur was für Freaks, Februar des Jahres 2003:

Das ist ein Panzerwerk der FFOWB. Und die Spuren rechts auf dem Feld stammen von einem Geländewagen. Warum?

Jemand war zu faul, genau diese Strecke zu laufen. Auf dem Weg im oberen Bilddrittel neben dem Baum steht mein Auto... Das waren Polen? Mitnichten:

Diese Filmverpackung lag beim Panzerwerk herum. So gut wie neu.

Nur damit wir uns nicht falsch verstehen... Keinen Menschen stört es in PL, wenn jemand einen Feldweg mit einem PKW befährt. Jedenfalls noch nicht. Noch sind deutsche Umweltschützer auch erst am Anfang der EU- konfirmen Befriedung Polens. Aber keinem Bauern in keinem Land der Welt gefällt es, wenn jemand mit dem PKW über seine Felder gurkt.
Jeder Interessierte an U- Anlagen dürfte in Deutschland ähnliche und gravierendere Fälle kennen. Muß so was wirklich sein??

Aber bei dieser Vermüllung bleibt es nicht. Kurze Zeit nach der Veröffentlichung tauchen neben ernsthaft interessierten Leuten zwei neue Spezies auf: Chaoten und Sammler. Mit beiden beginnt die zielgerichtete Vernichtung des jeweiligen Objektes und beide bedeuten das Ende jerder vernünftigen Beschäftigung mit dem Objekt.

Die Wirkung von Chaoten läßt sich am eindrucksvollsten am Bespiel des Objektes Koralle darstellen. Der sogenannte Nachrichtenbunker als heutiger unterirdischer Hauptteil des Objektes liegt in einem umzäunten Gelände. Einige ausgewählte Ergebnisse der ungebetenen Besuche:

Macht natürlich Sinn: Über der einzigen Tür...

Auch die Tür hat es nicht überstanden.

Der Waschraum - vorher und nachher.

Hinzu kommen Sprengungen an einer vermauerten Tür (sinnlos, weil man auch die andere Seite der Tür bewundern kann - was nur einen sehr niedrigen Orientierungssinn bedingt), heruntergerissene und zerstörte Elektroinstallation, kaputte Zäune und Schlösser, Löcher in Stirnseiten von tragenden Wänden, zerstörte Generatoren, keine einzige ganze Innentür mehr, viele andere Dinge, deren Aufzählung den Rahmen hier sprengen würden.

Natürlich reagieren die für das Objekt Verantwortlichen/ die Besitzer in den meisten Fällen nicht mit Wiederaufbau und Restaurierung. Eine Frage des Geldes, nicht nur bei Privatleuten, sondern auch bei den Städten und Gemeinden, denen die meisten Anlagen gehören. Allein im dargestellten Objekt Koralle hätte die bloße Beseitigung der sinnlosen Zerstörungen der Jahre 1999 bis 2002 ca. 7.000 bis 10.000 Euro an Material gekostet - ohne Grundsicherung, ohne Arbeitszeit. Das kann keiner aufbringen. Ähnliches trifft für die Objekte im Jonastal zu. Auch hier sinnlose Zerstörungen, Müll... Über kurz oder lang endet das naturgemäß und folgerichtig in Beton oder mit der totalen Zerstörung bzw. Beseitigung der Objekte.

Dann haben wir noch die Gruppe der Sammler. Die "retten" noch in den Anlagen vorhandene Gegenstände vor der Vernichtung, indem sie dafür sorgen, daß zahlungskräftige Kunden sich um Restaurierung und Erhalt kümmern können. Es gibt keine Schätzungen darüber, wie viele Dinge auf diese Art und Weise in privaten Kanälen zur ganz privaten Bereicherung Einzelner verschwinden. Turbopumpen der V2, Flugzeuginstrumente, Schalter der ME 262, Waffen und Munition, alte Kirchenarchive, Akten... Unbeschadet der rechtlichen Lage: Ich spreche hier nicht von einem einzelnen Schalter, der im Weg herumlag, auf den der nächste draufgetreten wäre und der jetzt einen Ehrenplatz auf dem Schreibtisch des "Finders" hat. Das ist auch nicht rechtens, aber immerhin nachvollziehbar. Ich spreche von regelrechten geplanten Raubzügen durch einzelne Objekte mit dem Ziel, möglichst viel herauszuholen und zu Geld zu machen. Ohne Rücksicht auf Verluste und mit einem gehörigen Maß an krimineller Energie. Natürlich ist dieser Personenkreis in den meisten Fällen nicht unbedingt auf Infos aus dem Internet oder den Medien angewiesen... Gedankenanregung für primitivere Spezies dieser Gattung ist es allemal.

All diese Dinge sind ein offenes Geheimnis und das nicht erst seit gestern. Sie haben zur Folge, das es einen Wettlauf mit der Zeit gibt, was die Dokumentation der noch vorhandenen Rudimente betrifft. Die Stellen, die eigentlich dafür zuständig sind, haben längst damit aufgehört, in den meisten Fällen nicht einmal begonnen. Die Privatpersonen, die das jetzt tun, verwenden vergleichsweise große Teile ihres Einkommens, um zu Erkenntnissen zu kommen - in den manchen Fällen ohne irgendwelche Unterstützung der eigentlich zuständigen Behörden.

Das ist der Stand der Dinge im Deutschland des Jahres 2003. Der war auch Herrn Guido Knopp bekannt, als er am 27.03.03 und 01.04.03 im ZDF zum Bernsteinzimmer spekulierte/ spekulieren ließ. Herr Knopp ist nicht irgendwer, er ist promovierter Historiker und Leiter der Redaktion Zeitgeschichte beim ZDF. Er weiß, was passiert, wenn er wie weiland Jelzin vor einem Millionenpublikum kundtut: "Da könnte das Bernsteinzimmer sein" und dabei konkrete Ortsangaben macht. Für die Erkenntnis brauchte er nicht weit laufen, die Dokumentation von Hosny/ Fitzke "Das letzte Führerhauptquartier" lief 92 in seiner Redaktion. Welche Szenen sich danach in Verbindung mit der Jelzin- Aussage: "Da ist das Bernsteinzimmer" im Jonastal abspielten, dürfte jedem Leser bekannt sein. In Remdt/ Wermusch "Rätsel Jonastal" findet sich ja noch das Bild des Toilettenhäuschens vor Stollen 1 bis 12...

Nun ist ein weiteres Objekt von der Bernsteinzimmer- Hysterie betroffen. Schwalbe V und die Möglichkeit zu vernünftiger Arbeit dort wurden Einschaltquoten, Buchabsatz und dem eigenen Bekanntheitsgrad geopfert. Oder noch deutlicher: Was in freiwilliger Übereinkunft für (fast) alle größeren Webseiten zur Thematik gilt, gilt für das große ZDF und Herrn Knopp noch lange nicht. Ein promovierter Historiker und ein mit Zwangsabgaben finanzierter öffentlich- rechtlicher Sender (also eigentlich nicht auf dergleichen Sensationsjournalismus angewiesen, sondern einem Auftrag verpflichtet) schaffen die Grundlagen für die Vernichtung eines Objektes, an dem noch jede Menge Forschungsarbeit zu leisten ist. Und entziehen hierbei gleichzeitig die Grundlagen für diese Arbeit. Man braucht nirgends mehr nach dem Objekt zu fragen, egal wie viele Jahre man sich schon damit befaßt - man wird als Schatzsucher abgestempelt. Auch den örtlichen Vereinen und Interessengruppen sowie der stets um Aufklärung, Zusammenarbeit und Offenheit bemühten Stadt Berga hat Herr Knopp damit wohl einen Bärendienst erwiesen.
Ich stelle ganz einfach mal folgende These in den Raum: Es wird sich so entwickeln, wie im Jonastal. In jeder Hinsicht. Schweigende, genervte Anwohner, Löcher an unsinnigen Stellen, Schmierereien an und in Stollen, durchgeflexte Gitter, aufgebrochene Tür der 12, Umweltschützer, die die Revolution proben, eine Stadt, die Geld nicht für Forschung, sondern für Verkehrssicherung ausgibt.... Und keinen Deut an Erkenntnis mehr.

Um keine falschen Eindrücke zu hinterlassen: Die Dokumentation war handwerklich wirklich gut gemacht. Inhaltlich fanden sich sehr wohl erhebliche Fehler und Lücken. Was auch gefehlt hat, waren Wertungen. So tauchte erneut der Sohn von Wyst auf - unkommentiert, nicht hinterfragt, unreflektiert.

Was soll man dagegen tun? Ich habe überlegt, ob man nicht doch mehr deutsche Objekte konkret vorstellen sollte - wohl wissend, was das zur Folge hat - und die sich daraus ergebenden persönlichen Vorteile nutzen sollte. Und auch ohne das etwas zum Objekt geklärt ist. Andere tun das ja auch.

Wir bleiben unserer Linie treu: Keine Veröffentlichung von konkreten Standorten und ernsthaften Fakten zu Dingen, deren Erforschung noch nicht weitgehend abgeschlossen ist bzw. an denen andere noch mit einem riesigen Aufwand arbeiten. Keine Veröffentlichungen, nach denen Schatzsucher und Chaoten in Massen in das Objekt einfallen, die den schon durch andere Einflüsse bedingten Wettlauf mit der Zeit weiter forcieren.

Ich habe mit Harry telefoniert und wir sind uns einig: Die beste Reaktion wäre wohl das Aufstellen einer Bratwurstbude und eines Werkzeugverleihs auf der Wiese am Objektzugang. Der Umsatz ist dank Herrn Knopp gesichert...

© Dieter TD 04/2003

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