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Ausprobiert: Garmin etrex legend

Wieder mal ein Testbericht aus dem Ausrüstungsbereich: Dieses Mal haben wir das GPS- Gerät etrex legend von Garmin unter die Lupe genommen. Und ausnahmsweise das Fazit gleich vorab: Das Gerät ist nur eingeschränkt zu empfehlen. Schuld daran sind nicht die technischen Funktionen – die sind größtenteils in Ordnung. Schuld daran ist eine nicht bis in letzte durchdachte Umsetzung eigentlich gut gemeinter technischer Innovationen. Mitverantwortlich für diese Einschätzung sind auch hochteure, aber dafür nur eingeschränkt nutzbare Software sowie die bekannt hochpreisigen Zubehörteile.

Das Gerät kommt erst einmal als Winzling daher. 11,2 (H) x 5,1 (B) x 3,1 (T) cm und ca. 150 Gramm Gewicht mit Batterie sollte man es überall mit hinnehmen können. Das Gehäuse soll wasserdicht nach IPX7 sein – also gegen das Eindringen von Wasser bei 30- minütigem Untertauchen in einem Meter Tiefe schützen. Das stand allerdings auch bei der Beschreibung des GPS III Plus des gleichen Herstellers und hat sich nicht als wahr erwiesen, wie wir schmerzlich feststellen mußten. Wie das beim etrex legend sein wird, wird sich erst im Laufe der Nutzungszeit herausstellen...

Die mechanische Verarbeitung des Gerätes macht einen sehr guten Eindruck. Es gibt keine grazilen Bauelemente oder Abdeckungen. Ein umlaufender weicher Kunststoff sorgt für Griffsicherheit.

Das Gerät wird mit zwei Batterien oder Akkus des Typs R6 betrieben. Nutzbar sind alle handelsüblichen Akkutypen. Batterien sollen nach Herstellerangaben bis zu 18 Stunden halten – wenn man den Stromsparmodus aktiviert. Dadurch wird die Anzahl der Positionsbestimmungen pro Zeiteinheit herabgesetzt. Wir haben diese 18 Stunden nie erreicht. Realistisch sollten bei Batterienutzung 8 bis maximal 14 Stunden und bei Akkunutzung je nach Typ und Kapazität 6 bis 12 Stunden zu sein. Darauf sollte man sich bei längeren Touren einstellen, was Ersatz für aufgebrauchte Stromquellen betrifft. Häufige Benutzung der Beleuchtung reduziert die Batteriestandzeit erheblich.

Als Antenne muß man die eingebaute Flachantenne nutzen. Eine Anschluß für eine Außenantenne gibt es nicht. Das schränkt den Verwendungsbereich im KfZ etwas ein, dafür ist eine Schwachstelle der alten Geräte nicht mehr vorhanden. Die eingebaute Antenne überzeugt in den Empfangsleistungen nicht vollständig. Besonders in bewaldetem Gebiet zeigten sich im direkten Verlgeich zum GPS III Plus erhebliche Schwächen. Nicht nur einmal mußten wir feststellen, daß ein Empfang in bewaldetem Gebiet nicht möglich war. Meist gerade dann, wenn man eine genaue Position brauchte oder eine solche abspeichern wollte. Erst nach minutenlangem Herumliegen an einer ausgewählten Stelle bequemte sich der etrex zum mehr schlechten Empfang von ein oder zwei Sats. Lückenloses Tracking ist so natürlich nicht möglich. Das geht heute auch anders. Ein SkyTraq100+ (GPS-Maus bluetooth mit Skytraq-Chipset zum Parallelempfang von 54 Sats) lieferte unter diesen Bedingungen in der Hemdtasche steckend (!) noch brauchbare 6 Sats. Wir werden dieses Gerät noch vorstellen.

Zur Verdeutlichung habe ich ein kleines Experiment gestartet. An einer sehr empfangsungünstigen Stelle:

habe ich etrex und SkyTraq zum Kaltstart gezwungen und dann 5 Minuten gewartet, was sich tut. Das Ergebnis:

ist eindeutig und läßt eigentlich keine Fragen mehr offen. Während der etrex nichts gefunden hat, empfängt die GPS-Maus immerhin noch 4 Satelliten in brauchbarer Qualität.

Auf Grund der waagerechten Orientierung der eingebauten Antenne wird die maximale Empfangsleistung nur erreicht, wenn das Gerät auch waagerecht gehalten wird. Tracking mit freien Händen also eingestecktem/umgehängten Gerät) wird unter schwierigen Empfangsverhältnissen nicht gelingen bzw. die Genauigkeit leidet erheblich. Hieraus ergeben sich auch Einschränkungen bei der Verwendung beispielsweise im Kajak. Liegt das Gerät auf dem Deck, hat es die beste Empfangsleistung, man kann es aber nicht ablesen – was man gerade für die Annäherung an Gefahrenstellen aber tun sollte. Stellt man es senkrecht, kann es abgelesen werden, hat aber eine schlechtere Empfangsleistung. Irgendwie scheint die technische Witerentwicklung in Bezug auf die Empfangsleistungen am etrex vorbeigegangen zu sein.

Der Bildschirm (in Graustufen) ist mit ca. 3 x 5,3 cm sichtbarer Fläche nicht sonderlich groß ausgefallen, aber dafür in bewährter Garmin-Manier in vielen Varianten einstellbar. Es gibt 5 Hauptseiten:

Satellitenseite mit Statusanzeige Sat und Standort
Kartenseite mit der veränderbaren Kartendarstellung
Navigationsseite
Reisecomputer mit Darstellung der Informationen zur Tour
Hauptmenü zur Anwahl diverser Funktionen

Der Bildschirm ist immer senkrecht orientiert.

Während sich die Naviseite, das Hauptmenü und der Reisecomputer sehr gut ablesen lassen, sind die dargestellten Schriften der anderen Seiten generell zu klein geraten – auch Normalsichtige können diese Informationen bei normaler Armhaltung schlecht ablesen. Kommen noch ungünstige Außenlichtverhältnisse dazu, verschlechtert sich die Möglichkeit zur Ablesung der Infos weiter.

Auf der Kartenseite tauchen – auch garmintypisch – die Ortsnamen der gerade befahrenen Orte sonstwo auf. Sonstwo ist meist außerhalb des Bildschirmbereiches auch bei kleineren Zoomfaktoren. Man muß scrollen, um zu ergründen, wo man gerade ist. Wenn überhaupt ein Ortsname angezeigt wird. Auch das nervt erheblich, besonders wenn man im KfZ unterwegs ist. Dafür wird man allerdings durch vielfältige Möglichkeiten der Kartendarstellung entschädigt. Neben der Steuerung der Anzeige von Wegepunkten und Kursaufzeichnungen gibt es hier die Möglichkeit der Einstellung der Schriftgrößen für die verschiedensten dargestellten Objekte.
Anstelle der eingespeicherten Grundkarte können Karten aus Map-Source-Quellen verwendet werden. Wir haben die Topo Deutschland, Tschechien und Polen getestet und werden diese in einem gesonderten Bericht vorstellen. Der etrex legend hat 8 MB internen Speicher. Das ist bei längeren Touren nicht sonderlich viel – man stößt sehr schnell an die Speichergrenze. Mindestens das doppelte an Speicher hätte gut getan, zumal durch einen besonderen Schutz der Map-Source-Quellen auch keine Möglichkeit gegeben ist, unterwegs mal eben schnell Daten vom Laptop nachzuladen, wenn man die Karten am heimischen PC bearbeitet. Man kann schon... Aber wenn der heimische PC wegen Defekt getauscht werden muß, kann man dort beispielsweise die Topo Deutschland nicht mehr installieren... Kein Ruhmesblatt für 190 Euro-Software, die eigentlich für den Freizeitbereich entwickelt wurde!

An Bedienelementen gibt es einen Multifunktionsstick auf der Oberseite des Gerätes sowie 5 Drucktaster (3 an der linken, 2 an der rechten Seite).
Die Anordnung der Bedienelemente haben wir nicht als optimal empfunden. Um den Stick zu erreichen, greift der Rechtshänder über das Display und verdeckt es dabei teilweise. Bei normaler Handhaltung wird bei Drücken der seitlichen Taster obendrein meist automatisch ein Taster der gegenüberliegenden Seite gedrückt. Das nervt besonders dann, wenn man neben der GPS-Bedienung noch etwas anderes zu tun hat.

Die Menüführung ist haklig und nicht in jedem Punkt selbsterklärend. Die schon erwähnte geringe Schriftgröße bewirkt ein übriges. Wie sonst ist es zu erklären, daß selbst geübte GPS-Nutzer für das Löschen eines Wegepunktes in die Bedienungsanleitung sehen müssen? Folgende Schritte sind dazu notwendig: Ins Hauptmenü gehen – Suchen klicken – Wegpunkte klicken – alphabetisch klicken – Wegepunkt auswählen und klicken (bei größerer Anzahl Wp's im Gerät über Zwischenschritt) – nach oben scrollen und das winzige Symbol neben dem Kreuz auswählen und anklicken – Wegepunkt löschen auswählen – Löschen bestätigen. Und schon ist er weg. Um mit einem Satz aus der bekannten Werbung zu enden: „Normal ist das nicht...“ Besonders die Sache mit dem winzigen Symbol neben dem Kreuz vergißt man schnell.

In der Summe führt das oben Geschriebene dazu, daß das Gerät eben nicht uneingeschränkt empfohlen werden kann. Es mag sicher Menschen und Anwendungsfälle geben, bei denen die Schwachpunkte nicht sonderlich ins Gewicht fallen. Bei geplanter universeller Anwendung wirken sie zumindest störend. Und ich stehe auf dem Standpunkt, daß so etwas bei einem Gerät des Marktführers nicht in solcher Anzahl vorkommen sollte. Teure Software und Zubehörteile tun ein übriges – zum Beispiel Datenkabel/Stromversorgungskabel für rund 40 Euro. Nur zur Erinnerung: das waren mal 80 Mark!

© Team Delta, 06/2005

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