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Mittelformatkamera KIEV 88

Manchmal reicht es nicht aus, "nur" im normalen Kleinbildformat zu fotografieren. Bei Landschaftsaufnahmen oder solchen, die extrem vergrößert werden sollen, stoßen auch excellente Kleinbildgeräte an ihre Grenzen. Dann hilft nur eins: der Griff zur Mittelformatkamera. Ich benutze in solchen Fällen eine russische KIEV 88. Es handelt sich um den Nachbau einer Hasselblad.

In der KIEV 88 werden Rollfilme zu Bildern im Format 6x6 cm verarbeitet (normaler Rollfilm 120). Profifilmmaterial gibt es in Hülle und Fülle, nur eben nicht an jeder Tankstelle und vor allem nicht in einer Sorte: billig :-) Die benötigten Magazine sind eine große Schwachstelle der KIEV. Auf gar keinen Fall sollte man sich auf die mechanischen Komponenten der Filmtransporteinrichtung verlassen. Hier geschieht noch alles rein mechanisch. Wer saubere Bildabstände haben möchte, muß das Kontrollfenster nutzen.

Auch sonst setzt man in der KIEV eher auf mechanische Schlicht heit denn auf Elektronik. Die Belichtungszeiten im Bereich von 1/1000 s und 1/2 s sowie B werden rein mechanisch gebildet und per Hand eingestellt. Filmtransport und Spannen des Verschlusses erfolgen ebenso per Hand wie die Scharfeinstellung oder die Blendeneinstellung. Das hat zur Folge, dass man schon das 1 x 1 der Fotografie beherrschen sollte, will man zu guten Fotos kommen. Aber: Wenn man es geschafft hat, alle Einstellungen richtig stimmen und man dann auch noch das eigentliche Motiv wiederfindet gibt es Aufnahmen in absoluter Schärfe und Farbbrillanz. Dafür sorgt u.a. ein Volnar 2,8/ 80 russischer Produktion. Das entspricht in etwa der Normalbrennweite. Ein MIR 26 W 3,5/ 45 arbeitet bei mir als Weitwinkel.

Neben einem Lichtschachtsucher gibt es die Möglichkeit, ein TTL- Prisma zur seitenrichtigen Betrachtung der Szenerie und zur schnellen Bestimmung der Belichtungszeiten einzusetzen. Das ist auch die einzigste Stelle in der Kamera, wo elektrischer Strom fließt und zwei LED die richtige Belichtungskombination signalisieren (neben dem Blitzsynchronkontakt).

Es besteht die Möglichkeit, ein Blitzgerät anzuschließen - über einen ganz normalen Mittenkontakt.

Fazit: Sicher keine Kamera für alle Tage und alle Gelegenheiten. Für Landschaftsaufnahmen und Sachen, die zu Postern verarbeitet werden sollen: ideal. Nichts für Leute, die sich bislang auf Elektronik verlassen haben. Die KIEV 88 ist robust und zuverlässig, sieht man vom Filmtransport ab. Dazu bedarf sie gewisser Pflege, denn auch die robustesten Zahnräder wollen (vorsichtig und mit den richtigen Mitteln!) geölt werden und verkraften keinen Sand. Nach Abnahme des Filmmagazins liegt der Verschlußvorhang frei, der keinen Druck verkraftet. Die Kamera sollte man deshalb nur mit angesetztem Magazin transportieren.

Ich fotografiere gern mit dieser eigentlich von vorgestern stammenden Technik :-) Leider kann ich im Netz keine Beispielfotos veröffentlichen, die die Qualität verdeutlichen.

(c) by Dieter TD 2002

 

 

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