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UNTERTAGEFOTOGRAFIE


Einige Tips für interessierte Fotoamateure, wie man untertage größere Räumlichkeiten ausreichend ausgeleuchtet fotografieren kann. Ich arbeite mit diesem Verfahren seit 1984 und habe bereits damals in den Karsthöhlen der rumänischen Westkarpaten sehr gute Ergebnisse erzielt. Seit der Vorstellung dieses Verfahrens auf den TD-Seiten fotografieren nun auch sehr viele Mitstreiter der "Untertageszene" mit großem Erfolg nach dieser Methode.

Üblicherweise benutzt man in unterirdischen Anlagen ein Blitzlicht. Untenstehend ein Beispielfoto, welches die Probleme der Blitzlichtfotografie sehr anschaulich deutlich macht. Das Bild wurde mit einer Spiegelreflekamera, welche mit einem 800er (ASA) AGFA-Film und einem externen Blitzgerät mit einer Leitzahl 30 bestückt war, aufgenommen. Man sieht deutlich, daß dieses Foto im Nahbereich blitzlichtypisch überbelichtet ist, dagegen im mittleren Entfernungsbereich die Belichtung stimmt und bei weit entfernten Motiven eine entsprechende Ausleuchtung nicht mehr gegeben ist.

Blitz mit Leitzahl 30, 800-er Film, Belichtungszeit 1/125s / Blende 5,6

Das zweite Beispielfoto, welches auch weit hinten im Stollen liegende Details noch hervorragend zeigt, ist nach einem anderen, einfachen Verfahren völlig ohne Blitz entstanden. Dieses Verfahren ist für alle Kameras nutzbar, die über die Funktion Dauerbelichtung verfügen und an denen die Blendenwerte manuell eingestellt werden können.

Belichtungszeit mit Halogen-Strahler rund 90 s / 800er Film / Blende 5,6

Als Kamera benutze ich eine rein mechanisch verschlußgesteuerte Spiegelreflexkamera vom Typ Praktica PLC 2 (ehemaliges und hervorragendes DDR-Produkt), welche sich aufgrund von fehlenden Elektronik-Komponenten (nur elektrische Innenlichtmessung, Anzeige mit Drehspulinstrument) und einem sehr robusten Aluminium-Gehäuse im harten Outdoor-Einsatz hervorragend bewährt hat. Moderne "Touristen"-Siegelreflex-Kameras mit ihren Plastikgehäusen und der nässe-empfindlichen Steuerelektronik sind für alte, staub- und feuchtebehaftete Stollenanlagen nur bedingt geeignet.

Das Aufnahmeverfahren ist eigentlich relativ einfach, erfordert jedoch etwas Fingerspitzengefühl bei der Abschätzung der erforderlichen Belichtungszeit. Früher benutzte ich für diese Aufnahmen ausschließlich 800er Filme, bin aber mittlerweile wieder zu 200er bzw. 100er Filmmaterial übergegangen, da bei dieser geringeren Empfindlichkeit der Film nicht so sensibel auf Überbelichtungen durch nachfolgend beschriebenen Halogenstrahler reagiert. Weiterhin ist das Korn bei diesem Filmmaterial feiner und normale Außenaufnahmen bei Geländebegehungen sind somit ohne Filmwechsel besser möglich.

Die Kamera wird auf ein Stativ montiert, der Verschluß auf Dauerbelichtung voreingestellt. Zum Auslösen des Verschlußes verwende ich einen Drahtauslöser, damit die Kamera mechanisch von etwaigen Erschütterungen entkoppelt wird. Bei neueren Geräten kann die Verschlußauslösung über die mitgelieferte IR- Fernbedienung geschehen oder man muß die Auslösetaste der Kamera benutzen. Ich empfehle die Blende 5,6 für die manuelle Einstellung des Blendenwertes, da ich damit die besten Erfahrungen gemacht habe. Selbstverständlich sind auch andere Blendeneinstellungen möglich. Ein weiteres Öffnen der Blende macht aber keinen Sinn, da dadurch die Tiefenschärfe rapide schlechter wird.

Als Leuchtmittel verwende ich einen Halogen-Handstrahler PL-838, welcher z.B. bei Conrad-Electronic für rund 80 DM bestellt werden kann. Diese Lampe ist auch auf den entsprechenden Team-Delta-Ausrüstungsseiten in einem Testbericht beschrieben. Sie ist mit einem wiederaufladbaren, wartungsfreien Blei-Gel-Akku 6V / 4 Ah ausgerüstet, welcher bei voller Lichtleistung (10 W) für rund 1 Stunde Dauerbetrieb ausreicht. Mit Dimmfunktion (50 % Helligkeit) verlängert sich die Leuchtdauer auf rund 3 Stunden. Die zu hoch angegebenen Werksangaben (2,5 h / 5 h) sind leider nicht zutreffend. Hauptvorteil dieser Lampe ist die Focussierbarkeit des Lichtstrahles, womit sie sich hervorragend für die Nutzung als Fotoleuchte eignet.

Zurück zu dem Aufnahmeverfahren: Nach dem Auslösen der Dauerbelichtung wird die untertägige Örtlichkeit rasterförmig mit dem Halogenstrahler ausgeleuchte. Ich bleibe dazu grundsätzlich hinter dem Stativ stehen, beleuchte alles von diesem Punkt aus, damit auch interessante Schattenrisse entstehen, die das spätere Foto viel aussagekräftiger erscheinen lassen. Dabei sollte man den Nahbereich, um Überbelichtungen zu vermeiden, mit einem breitgefächerten Leuchtkegel nur kurz ausleuchten. Weit entfernte Stollenbereiche werden von mir mit zu einem Spot focussiertem Lichtstrahl länger beleuchtet. Beherrscht man dann nach einiger Erfahrung diese beschriebenen Punkte, so erzielt man über alle Entfernungsbereiche eine gleichmäßig belichtete Fotografie.

Für die Belichtungszeit kann man leider keinen definierten Wert vorgeben, je nach Größe der unterirdischen Anlage bewegt sie sich zwischen 30 s und 5 min. Meistens ist 1 min ausreichend. Hier ist also Probieren angesagt!!!! Man wird trotzdem selbst überrascht sein, welche guten Ergebnisse sich mit diesem sehr einfachen Verfahren erzielen lassen. Die Nachteile möchte ich aber auch nicht verschweigen: Es ist relativ umständlich zu handhaben und auch sehr zeitaufwendig, weiterhin muß man immer ein sehr sperriges Stativ zusätzlich zur üblichen Ausrüstung mitführen. Aufgrund der gelblichen Farbtemperatur des Halogenlichtes zeigen die späteren Papierbilder einen warmen Farbton. Falls das nicht gewünscht wird, kann man nach entsprechenden Hinweisen für das Fotolabor eine erfolgreiche Farbkorrektur beim Ausbelichten der Positivbilder durchführen lassen.

Dieses Verfahren ist auch auf moderne Digitalkameras übertragbar, die über entsprechende Einstellmöglichkeiten verfügen. Die erzielten Ergebnisse sind bei diesen Geräten ebenfalls hervorragend. Eine Beschreibung erfolgt in einem gesonderten Beitrag.

Versuche, auf den Halogenstrahler zu verzichten und die Ausleuchtung mit einem Blitzgerät bei Dauerbelichtung vorzunehmen, indem man die Anlage abläuft und je nach Größe des untertägigen Systems rund 10 bis 40 mal blitzt, erbrachten nicht die gewünschte und angestrebte Bildqualität. Weiterhin waren auf dem späteren Bild trotz aller Vorsicht sehr oft Lichtreflexe der kleinen Lampe zu sehen, mit der man seinen eigenen Weg in der Dunkelheit beleuchtete.

(c) PeMü

Beide Fotos Copyright PeMü!!

Über neue Hinweise, andere Tips und Kritik wäre ich sehr dankbar. In diesem Fall bitte eine Mail an: peter@team-delta.de

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