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Altbergbau auf Marienglas


Die hier im Bild vorgestellte Altbergbauanlage befindet sich irgendwo in Europa. Der genaue Standort wird aus verständlichen Gründen auch auf Anfrage nicht bekannt gegeben, es werden demzufolge zum Schutz dieser Anlage auch keine Fotos des Mundloches veröffentlicht. Die Befahrung dieses alten Grubengebäudes erfolgte auf die freundliche Einladung einer bestimmten Gruppierung, deren Namensnennung im Zusammenhang mit dieser Altbergbauanlage ebenfalls nicht erfolgen kann. Ich möchte mich bei dieser Gruppierung recht herzlich für die Ermöglichung der Teilnahme an dieser sehr interessanten Befahrung bedanken.

Die noch gut fahrbaren Stollen sind schon etliche hundert Jahre alt und wurden auf Marienglas angelegt. Bei Marienglas handelt es sich um durchsichtige Gipskristalle, diese besondere Kristallform wird auch als Selenit bezeichnet. Marienglas entsteht, wenn in einem natürlichen oder künstlichen Hohlraum im Gebirge, der mit einer gesättigten Gipslösung gefüllt ist, Calciumsulfat auskristallisiert. Diese Gipslösung muß sich sehr lange Zeit ungestört in diesem Hohlraum befinden, es dürfen keinerlei Strömungen in der Flüssigkeit auftreten. Meist ist dann nach Ablauf von großen Zeiträumen die gesamte Höhlung mit schönen, stabförmigen Kristallen oder durchsichtigen Plättchen (Marienglas) ausgefüllt.

Reine Gipskristalle sind von bezaubernder Schönheit und lassen sich außerdem leicht bearbeiten. Sie haben lediglich eine Härte von 2 nach Mohs und sind ideal spaltbar, in dünnen Platten völlig durchsichtig und reflektieren wegen des auf den Spaltflächen sichtbaren Perlmuttglanzes hervorragend einfallendes Licht. Marienglas ist bereits seit der Antike bekannt. Laut Plinius soll bereits Apelles den "zerpochten" Stein als Überzug seiner Gemälde benutzt haben. Dieses Mineral war dann im Mittelalter bestens geeignet, Altäre, Kronleuchter und Gemälde zu verzieren, die von brennenden Kerzen beleuchtet wurden. Man verwendete es auch als Glasscheibenersatz vor Marienbildern und in Reliquien-Behältern. Richtiges Glas war im Mittelalter noch sehr ungleichmäßig und voller Luftbläschen, so daß diese Kristalle bevorzugt wurden. Wegen dieses Verwendungszweckes nannte man das Mineral schließlich MARIENGLAS. Im älteren Sprachgebrauch waren spätige Gipskristalle unter dem Namen "Fraueneis" bekannt. Diese ältere Bezeichnung für Marienglas geht ursprünglich auf die Reinheit und Jungfräulichkeit einer Frau zurück.

Es wird stellenweise auch angeführt, daß die ersten Kirchenfenster aus Ermangelung von richtigem Glas mit Marienglas realisiert wurden. Aufgrund der Anlaugung dieses Materials durch das im Laufe der Zeit einwirkende Regenwasser und der dadurch resultierenden Erblindung derartiger Fenster darf diese Aussage aber bezweifelt werden.

Das Mundloch der hier vorgestellten Anlage wurde durch die zuständige Bergsicherung entsprechend verwahrt und gegen unbefugtes Eindringen ordnungsgemäß gesichert. Die Abbaue in dieser Stollenanlage sind sehr niedrig, hauptsächlich kann man die Strecken nur kriechend befahren. Für alle diese Mühen entschädigen aber die im bläulich-weißen LED-Licht des verwendeten Geleuchts geheimnisvoll glitzernden Marienglaskristalle. An vielen Stellen sieht man noch jahrhundertealte, originale Schlägelspuren der damaligen Bergleute im Fels. Wie dieser Abbau vonstatten geht, werden wir demnächst darstellen.

Die Abbaue sind sehr niedrig, wie dieser enge Schlupf veranschaulicht. Es existieren in dieser alten Grube noch engere Passagen, durch die nur noch sehr schlanke Menschen passen.

Über sehr niedrige Kriechgänge gelangt man in etwas größere Abbaue. Die Person verdeutlicht sehr gut die beengten Platzverhältnisse.

Eine etwas größere Weitung in diesem alten Grubensystem.

Dieser Altbergbau konnte mit einer Ausnahme nur kriechend befahren werden.

Ein größerer Abbau, in dem das Marienglas fast vollständig abgebaut wurde. Der in der Mitte des Bildes erkennbare, stehengelassene kleine Pfeiler diente der Firstsicherung.

Marienglas in der Firste. Im Schein des LED-Geleuchts glitzerten die Kristalle geheimnisvoll. Leider haben in dieser Grube an etlichen Stellen illegale Mineraliensucher beim gedankenlosen Herausbrechen von Kristallen großen Schaden angerichtet.

Das auf obigen Bild präsentierte Marienglasplättchen, welches auf der Sohle gefunden wurde, verdeutlicht sehr gut die bemerkenswerte Transparenz dieses Minerals.

FAZIT DIESER BEFAHRUNG: Derartige bergbaugeschichtlich interessante Grubenanlagen müssen unbedingt geschützt werden und der Nachwelt als technisches Denkmal erhalten bleiben. Leider haben in der heutigen Zeit auch in diesem alten Abbau illegale Mineraliensucher ohne Rücksicht auf die verursachten Zerstörungen im noch erhaltenen Kristallgefüge viele große Marienglasstücke bedenkenlos aus der Firste geschlagen. Diesen primitiven Leuten ist offenbar absolut nicht klar, daß sich auch künftige Generationen von Forschern in den vorgefundenen Grubensystemen über die Geschichte des Bergbaues vergangener Tage informieren möchten.

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