Zum Shop Zum Fotoalbum von TD Zum Wiki fürs Unterirdische

 

Historische Bergbaumaße

Beim Stöbern in alten Dokumenten tauchen oft Maße auf, die nichts mit dem heute verwendeten metrischen System (Einführung in Deutschland: 1870) zu tun haben. Deshalb an dieser Stelle der Versuch einer Zusammenfassung. Versuch, da die Maße nicht einheitlich angewendet wurden und sowohl zwischen den Regionen als auch in diesen selbst schwankten. Ein Lachter betrug beispielsweise in Freiberg 2,04 m, in Johanngeorgenstadt nur 1,98 m. 1830 wurde durch das Oberbergamt Freiberg bestimmt, daß es künftig in Sachsen 2,00 m zu betragen habe. Die hier verwendeten Begriffe stammen aus Sachsen und dem Harz. Metrische Angaben sind gerundet und müssen nicht im Detail den Verhältnissen in jeder Region entsprechen.

Lachter

Das war die Grundeinheit im Bergbau und von Bedeutung auch für die Bemessung von Grubenfeldern. Wie oben bereits beschrieben, wurde der Sächsische Lachter 1830 mit genau 2,00 Meter festgelegt. Rössler merkt nach [1] an, der Lachter sei "3 1/2 Ellen lang, wird in 80 Zoll eingetheilet". 1 Elle sind zwei Fuß und 1 Fuß sind 12 Zoll - unabhängig, wie der konkrete Wert der Elle angesetzt wurde.
Wie auch immer, wir merken uns:

1 Lachter = rund 2 Meter

Elle, Fuß, Zoll, Linie & Co

Neben dem Lachter wurden auch die sonst im jeweiligen Land verwendeten Maßeinheiten benutzt. Man muß also sehr genau hinschauen, wo die Unterlagen herstammen, die man gerade in der Hand hat.

Eine Linie als kleinstes Maß sind überall in Europa ca. 2 mm. In Preußen waren es beispielsweise 2,2 mm, im Hannoverschen 2,2558 mm.

Der Zoll besteht aus 12 Linien und geht auf den Begriff der Daumenbreite zurück. Je nach Land und Region also zwischen 2,62 cm und 2,70 cm.

Ein Fuß sind - wie oben bereits beschrieben - 12 Zoll. Also zwischen 31,44 cm und 32,4 cm.

Dann haben wir die Elle. Eigentlich sind das 2 Fuß, also rund 57 cm.

12 Ellen ergeben eine Fahrt, das waren rund 6,8 m. Die Fahrt wird auch als Leiter bezeichnet.

Daneben gibt es noch den Begriff des Klafters. Er geht zurück auf die Spannweite der ausgebreiteten Arme. 1 Klafter sind 6 Fuß und damit ungefähr 1,88 m. Zwei Klafter sind eine Ruthe, also 3,77 m. Davon abgeleitet ist auch der Begriff Morgen. Das sind seit 1816 beispielsweise in Preußen 2.553 qm = 180 Quadratruthen und bezeichnet die Fläche, die ein Bauer an einem Vormittag pflügt. 1 Hufe besteht aus 30 Morgen.
In der Welt des Bergbaus wurden noch viele weitere Begriffe gebraucht, so Bret, Kräpel, Querhand, Querfinger.... 1 Kräpel sind übrigens 1/8 Lachter und damit rund 25 cm.

Fundgrube, Wehr und Lehn

Im historischen Bergrecht ging es darum, die Fundstellen nach Auffinden eines Erzganges dem einzelnen Nutzern zuzuschreiben, Wie das konkret vor sich ging, darauf werden wir noch in einem anderen Beitrag zurückkommen. Bis ca. 1500 fanden dabei die Begriffe Lehn und Wehr Verwendung. Entsprechend dem technischen Stand des Bergbaus wurden damit Felder an der Erdoberfläche gekennzeichnet. Ein Lehn ist 7 x 7 Lachter groß, also rund 14 x 14 Meter. Ein Wehr entspricht ca. 28 x 28 m.

Wehr und Lehn wurden mit größerem Umfang des Bergbaus ab ca. 1550 durch den Begriff der Fundgrube abgelöst. Vom Fundpunkt des Erzes aus ist die Fundgrube im Streichen jeweils 21 Lachter lang und 3,5 Lachter beidseits des Ganges breit. Das entspricht also jeweils ca. 42 m im Streichen und 14 m beidseits des Erzganges. Das bedeutet, die Fundgrube folgt dem Gang von der Auffindestelle des Erzes ins Erdinnere. Um auch größere Fundstellen ausbeuten zu können, konnte man die sogenannten Maaßen in beliebiger Anzahl dazukaufen. Sie entsprachen 28 x 7 Lachter, also ca. 56 x 14 Meter. Reststücke eines Grubenfeldes, die zwischen den Maaßen übrigblieben, hießen übrigens Überschaar oder Oberschaar.

Bitte denkt bei der Anwendung der o.g. Zirka- Werte immer daran: Wir wollten Euch einen kleinen Überblick geben, welche Relation das historische Maß hat. Dazu haben wir auf Beispiele aus Sachsen, Preußen, dem Hannoverschen etc. zurückgegriffen. Wer es auf den cm genau wissen möchte, muß den Historiker oder Archäologen seiner Region befragen!

(c) Dieter/ Annett 10/2002

 

 

Index mit Frames