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Bewetterung

Frischluft unter Tage ist überlebensnotwendig. Oft kam es in der Vergangenheit beim Betrieb der Gruben, leider aber auch in der Gegenwart bei der Begehung alter Grubenbaue zu Unglücksfällen. Früher war mangelnde Bewetterung ein Grund für die Einstellung des Betriebes mancher Grube. Sogenannte "matte Wetter" sorgten dafür, dass die Bergleute nicht an ihren eigentlichen Arbeitsplatz gelangen konnten oder an diesem umkamen. Eine gebräuchliche Abbaumethode - das Feuersetzen - tat ein übriges, denn in den ohnehin schlecht bewetterten Gruben wurde enorm viel Sauerstoff verbraucht.

In manchen Gruben, meist (aber nicht ausschließlich) Steinkohlengruben, bildet sich ein Gemisch aus explosiven Gasen, die sogenannten "schlagenden Wetter".

Die Zuführung von Frischluft in untertägige Systeme bezeichnet man bergmännisch als Bewetterung. Sie kann natürlich oder künstlich erfolgen. Wegen des technischen Aufwandes für eine künstliche Bewetterung war man natürlich bemüht, die natürliche Form der Bewetterung zu nutzen.

natürliche Bewetterung

In den Tiefen, die die von uns besuchten Altbergbaue erreichten, herrscht Sommers wie Winters eine gleichbleibende Temperatur von ca. 8 bis 10 °C. Die Luft, welche sich in den Stollen und Schächten befindet, nimmt natürlich auch diese Temperatur an. Nun ist so ein Bergbausystem ja kein geschlossenes System, es gibt Verbindungen nach draußen. Schächte oder Stollenmundlöcher werden benötigt, um einzufahren oder Material nach draußen zu bringen. Im Erzgebirge, aber auch im Harz sowie weiteren Altbergbaugebieten war es so, dass sich im Tal das Stollenmundloch befand und auf der Anhöhe der Schacht der Grube oder des Grubenfeldes.

Im Winter passiert folgendes:

und im Sommer sieht es so aus:

(Skizzen: Annett)

"Schuld" ist die Physik und das System der kommunizierenden Röhren, was einige sicher noch aus dem Physikunterricht kennen. Im Winter steigt die im Vergleich zur Außenluft warme Luft aus dem Stollensystem nach oben und kalte Luft strömt durch das Mundloch nach innen nach. Im Sommer strömt die kalte und schwere Grubenluft aus dem Stollenmundloch, frische Luft wird durch den Schacht angesaugt.

Natürlich hat man dieses Prinzip ausgenutzt und an günstiger Stelle senkrechte Schächte errichtet - sogenannte Wetterschächte. Damit wurde die Bewetterung der Gruben oder Grubenfelder entscheidend verbessert. Der Nachteil der natürlichen Bewetterung besteht darin, dass es natürlich Wetterlagen gibt, beispielsweise im Frühjahr und im Herbst, wo Innen- und Außentemperatur gleich sind. Dann gibt es faktisch keine natürliche Bewetterung.

künstliche Bewetterung

Schon frühzeitig hat es Versuche gegeben, die Bewetterung von Grubenfeldern mit künstlichen Mitteln zu verbessern. Im Erzgebirge wurde bei Annaberg folgendes Verfahren verwendet (Grube St. Briccius):

(Zeichnung: Doreen Sch.)

Es wurde Wasserkraft benutzt. Von einer oberen Stollensohle wird Wasser durch ein Rohr 6 bis 8 m tief in ein Faß geleitet. Dieses Faß steht in einem Wasserkasten und besitzt unter der Wasseroberfläche seitliche Öffnungen. Das hinabstürzende Wasser komprimiert die Luft im Faß, welche durch eine Lutte (oben in der Zeichnung nach rechts abgehend) vor Ort geleitet wurde. Im angeführten Bergwerk funktionierte das ca. 1250 Meter weit.

Es gab noch andere Verfahren zur künstlichen Bewetterung, bei denen die mechanische Bewegung des Kunstgestänges zum Komprimieren der Luft verwendet wurde (u.a. blasender Harzer Wettersatz).

Die Nutzung von Wasserkraft war im Altbergbau und in der Weiterverarbeitung der Erze allgegenwärtig. Wir werden darüber gesondert berichten.

Seit Beginn des 20. Jahrhunderts werden zur Bewetterung elektrisch betriebene Gebläse verwendet. Frischluft wird über einziehende Wetterschächte angesaugt, in die Grube gedrückt und die verbrauchte Luft aus ausziehenden Wetterschächten wieder aus der Grube gedrückt. Die heute vorgeschriebene Luftmenge von 3 kbm pro Bergmann und Minute ist anders nicht zu erreichen.

Wir danken Doreen für die Erstellung der Zeichnung!

Dieter TD/ Annett 2002

 

 

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