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Die MAGINOTLINIE

Im Internet sind sehr viele Publikationen über die Maginotlinie aufzufinden. Aus diesem Grund wird diese französische Befestigungslinie auf den Team-Delta-Seiten nur in sehr knapper Form behandelt. Die nachstehend geschichtlichen Darstellungen erfüllen daher nicht den Anspruch auf Vollständigkeit.

Auf den entsprechenden Unterseiten werden zur Veranschaulichung folgende Festungswerke vorgestellt:

Ein kurzer Überblick zur Geschichte der Maginotlinie:

Im Januar 1930 beschloß die französische Nationalversammlung zur Grenzsicherung den Bau der Befestigungslinie und bewilligte die dazu notwendigen Gelder in einer Höhe von 2900 Millionen Francs.

Man entschied sich statt einer kompletten Modernisierung der französischen Streitkräfte für die Errichtung dieser gigantischen Verteidigungslinie, da trotz der gewaltigen Größe der geplanten Anlagen die 2900 Millionen Francs nur 5 bis 6% der damaligen gesamten jährlichen französischen Militärausgaben darstellten.

Von Minister de Lasteyrie wurde damals angegeben, daß der Aufbau der Maginot-Linie 7x billiger sei, als die geschätzten finanziellen Ausgaben zur Modernisierung der französischen Armee. Mit den von der Nationalversammlung genehmigten 2900 Millionen Francs hätte man nur wenige Einheiten mit Panzern und Flugzeugen ausstatten können, zumal sich diese Waffensysteme im Vergleich zu den deutschen Pendants Anfang der 40iger Jahre bereits als veraltet erwiesen hätten.

Die Befestigungslinie wurde von den damaligen Medien nach dem zu dieser Zeit amtierenden Kriegsminister, André Maginot , benannt. Andrè Maginot erblickte 1877 in Paris das Licht der Welt und war später weder Soldat noch Festungsbauingenieur. Er war Jurist und hoher Beamter und hatte bereits sehr früh eine politische Laufbahn eingeschlagen.

Aufgrund seiner Verdienste während des Ersten Weltkrieges betraute man ihn mit wichtigen ministeriellen Ämtern. Im November 1929 wurde er zum Kriegsminister ernannt. Dieses Amt übte er bis zu seinem Tod am 07. Januar 1932 aus. Er erlebte also die Vollendung der Maginotlinie nicht mehr.

Maginots einziger Verdienst zur Errichtung der Maginotlinie war nur sein Ende 1929 dem Parlament unterbreitetes Finanzierungsprojekt zur geplanten Verteidigungslinie. Der eigentliche Initiator des Bauvorhabens war dagegen Paul Painlevè, von 1924 bis 1929 Kriegsminister zur Zeit des Blocks der Linken und später in der nationalen Union von Poincarè.

Laut Planung sollten die wichtigsten Arbeiten bis 1943 abgeschlossen werden. Durch die Machtergreifung der Nazis und den durch Adolf Hitler aufgekündigten Locarnopakt wurden die Arbeiten ab 1935 stark forciert. Zeitweise waren mehr als 100 Baufirmen mit über 20 000 Beschäftigten gleichzeitig tätig. Trotzdem war die Maginotlinie bei weitem noch nicht fertiggestellt, als Frankreich und England am 03. September 1939 Deutschland den Krieg erklärten. In einigen geographischen Abschnitten hatte man sogar erst kurz zuvor mit den Bauausführungen begonnen.

Während der Besetzung Frankreichs durch die deutsche Wehrmacht kam es dann zu schweren Kämpfen an der Maginotlinie. Hier sei das Drama um das Festungswerk La Fertè vom 19. Mai 1940 erwähnt, wo durch den Beschuß deutscher Artillerie und dem danach erfolgenden Angriff der deutschen Infanterie alle 107 Mann des Festungswerkes mit dem Kommandanten, Oberleutnant Bourguignon, ums Leben kamen.

Sie starben trotz Gasmasken hauptsächlich durch die bei den Sprengeingriffen der deutschen Infanterie entstandenen giftigen Gase, die das Hohlgangsystem ausfüllten. La Fertè war das einzige Festungswerk der Maginotlinie, welches zusammen mit seiner Besatzung unterging.

Nach dem Waffenstillstand vom 25. Juni 1940 zog dann das deutsche Militär kampflos in die Maginotlinie ein. Als zu Kriegsende sich die deutsche Niederlage abzeichnet, sprengte das deutsche Militär beim Rückzug viele Kasematten und andere Einrichtungen. Etliche dieser Bauwerke blieben daher bis heute Ruinen.

Als nach dem Krieg 1950 Frankreich der NATO beitrat, gewann die Maginotlinie aufgrund des Kalten Krieges mit dem Ostblock wieder an Bedeutung. Von 1950 bis 1955 wurde die Verteidigungslinie mit einem gewaltigen Aufwand an vielen Stellen wieder aufgebaut und renoviert. Die dazu nötigen finanziellen Mittel stammten aus deutschen Reparationszahlungen, sowie vermutlich aus Amerika.

Ganze Bunker und viele Kilometer der Hohlgangsysteme wurden neu betoniert, Generatoranlagen, Fahrstühle und viele andere Einrichtungen repariert. Man demontierte sogar die Mehrzahl der bis zu 256 t schweren Panzerdrehtürme und verbrachte sie zur Instandsetzung zu den Herstellerfirmen. Danach wurden sie wieder in den entsprechenden Kampfwerken installiert. Alle großen Werke, etliche Kasematten, Beobachtungsbunker etc. waren danach wieder vollständig kampfbereit.

Bis 1967 / 68, in manchen Abschnitten sogar bis 1972, wurden die Festungswerke von Pioniereinheiten und Zivilpersonal betrieben und für den möglichen Ernstfall unterhalten. Den Großteil der Maginot-Werke wurde vom französischen Militär aber im Zeitraum von 1968 bis 1970 aufgegeben, da die Maginotlinie aus konstruktiven Gründen keinem Nuklearangriff standhalten konnte.

Kleinere Werke, Kasematten, Beobachtungsbunker etc. wurden vom Militär z.B. den ehemaligen Besitzern der Geländeabschnitte zum Kauf angeboten. Die großen Artilleriewerke verblieben aber im Besitz der Armee. Es begann in vielen Werken eine Phase der Verwüstung. Profis und Amateure plünderten große Teile der Einrichtungen, es wurde randaliert und damit vieles unwiederbringlich zerstört.

Zum Glück gründeten sich in den 70iger Jahren etliche Vereine, die es sich zum Ziel gesetzt hatten, etliche Festungswerke, wie z.B. Fermont, Schoenenbourg, Hackenberg, Four à Chaux, Michelsberg, Galgenberg etc. museal aufzuarbeiten und der interessierten Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

Als Komplettsystem konnte die Maginotlinie natürlich nicht erhalten werden, viele Werke verfallen weiter. Der Besuch der von den Vereinen betriebenen und mühevoll restaurierten Festungswerke lohnt sich für Geschichtsinteressierte aber in jedem Falle, da man sich hier ein hervorragendes Gesamtbild von der Komplexität der früheren Maginotlinie machen kann.

© PeMü 03/2004

Quellenangaben:

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