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Artilleriewerk MÈTRICH (A 17)

Mètrich ist das drittgrößte Werk der Maginotlinie. Es liegt ca. 10 km ostnordöstlich der Stadt Thionville auf einem gesperrten und bewachten Militärgelände der französischen Armee. Dieses große Artilleriewerk besitzt zwei große Eingangsbunker (Munitionseingang und Mannschaftseingang), sowie sechs Artillerie-, zwei Infanterie- und zwei Beobachtungsbunker. In den genannten Kampfbunkern waren sieben 7,5 cm Kanonen, zwei 13,5 cm Haubitzen und vier 8,1 cm Granatwerfer installiert.

Mit dieser beträchtlichen Feuerkraft sperrte man das Tal der Mosel, zwei der vier Granatwerfer konnten konnten zusätzlich das Kannertal bestreichen. Aufgrund dieser mächtigen Artillerie griff hier die deutsche Wehrmacht nicht an, es gab um das Artilleriewerk Mètrich keine Kämpfe. Die Besatzung betrug ca. 800 Mann des 167. RIF und des 151. RAP, davon 26 Offiziere. Der Kommandant des Werkes hieß Major Lauga.

Die untertägige Ausdehnung des Hohlgangsystems ist ebenfalls gewaltig. Um vom Munitionseingang bis zum Bunker 5 (ein 8,1 cm Drehturm, zwei GFM-Kuppeln) zu gelangen, ist ein Fußmarsch von ca. 1,4 km notwendig. Während der Besetzung der Maginotlinie durch die Deutschen wurde im Hohlgang- und Kammersystem von Mètrich sogar eine unterirdische Fabrik sowie Büros eingerichtet.

Nach 1945 erfolgte durch die französische Armee eine Instandsetzung des kompletten Werkes, später mußte es aber aus geologischen Gründen aufgegeben werden. Hier befinden sich Gipsschichten im Gestein, welche durch eindringendes Wasser quellen und dabei die betonierte Sohle des Hohlgangsystems an vielen Stellen sehr stark aufwölben und letztendlich regelrecht zum bersten bringen. Zusätzlich werden dabei Tragpfeiler und Mauern zerstört und es droht in bestimmten Bereichen akute Einsturzgefahr. Bereits während des Auffahrens und Ausbaues des Hohlgangsystems war dieser geologische Aspekt ein großes Problem.

Ab 1980 wurde einigen Maginot-Vereinen vom französischen Militär erlaubt, etliche Teile der Installationen zu musealen Ausstellungszwecken zu demontieren. Hierbei handelte es sich um Dieselgeneratoren, Flaschenzüge, Maschinentelegrafen, 7,5 cm Geschützrohre, 8,1 cm Granatwerfer, Loren der elektrischen Festungsbahn und viele andere Einrichtungsgegenstände.

Des weiteren plünderten illegale Befahrer das Werk, welche u.a. die kupferne Oberleitung der Festungsbahn entfernten. Aus diesem Grund hat im September 1997 die französische Armee zur Schadensbegrenzung die Eingangsbunker, sowie die Kampfbunker 1, 3, 8 und 15 durch eine Pioniereinheit zuschütten lassen.

Nun einige ausgewählte Impressionen aus diesem sehr interessanten Werk:

Das Artilleriewerk Mètrich liegt auf streng bewachtem Militärgelände. Alle Zufahrtsmöglichkeiten sind durch Schrankenanlagen mit entsprechender Beschilderung gesperrt.

Eine Besonderheit des Werkes ist der Bunker 14, der an einem schrägen Hang eines Hügels liegt und drei GFM-Kuppeln besitzt. Die mittlere Kuppel ist mit nur zwei Scharten ausgerüstet und diente als Infanteriebeobachter. Auf obigem Bild ist die südliche der drei GFM-Kuppeln zu sehen, die beiden anderen Panzerkuppeln befinden sich links, wenige Meter entfernt. Früher hatte man von hier einen weiten Blick über das freie, umliegende Gelände. Heute befindet sich der Bunker 14 im dichten Strauchwerk, umgeben von Bäumen.

Der große Bunker des Munitionseinganges liegt ebenfalls an einem Berghang. Er besitzt eine Scharte für Zwillings-MG und 3,7 cm PAK, sowie zwei GFM-Kuppeln. Vor dem Bauwerk ist der durch die Pioniereinheit aufgeschüttete Erdwall erkennbar. In diesem Bunker gibt es wie im Mannschaftseingang aufgrund der vorhandenen Überdeckung keinen Schacht, der Zugang zum Hohlgangsystem erfolgt söhlig.

Im Haupthohlgang unmittelbar am Hauptmunitionslager M1 wurde die betonierte Sohle mit dem Schmalspurgleis durch die geologische Besonderheit um über 1 m angehoben und aufgebrochen.

Ungefähr 800 m vom Munitionseingang befindet sich der Zugang zu einem Schacht mit zwei installierten Aufzügen sowie einem Treppenhaus, welches zu einer Zwischensohle führt, die ca. 30 m über dem Niveau des Hohlgangsystems liegt. Hierbei handelt es sich um eine bauliche Besonderheit. Auf dem Bild ist der Beginn der Treppe auf der Zwischensohle erkennbar. Von dieser Zwischensohle sind die beiden Kampfbunker 08 und 11 über weitere, nach oben führende Schächte zu erreichen.

Links sind die beiden Aufzüge auf der Zwischensohle zu sehen, hinter diesen beiden Aufzügen geht es nach links zu dem Schacht, der unter dem Bunker 11 liegt. Über diesen Schacht mit einem Treppenhaus und einem weiteren installierten Aufzug (zum Personal- und Munitionstransport) gelangt man in den 35 m über der Zwischensohle liegenden Kampfbunker.

Dieser schmale Hohlgang führt zum Schacht unter dem Bunker 11. An der Firste ist die Schienenkonstruktion für die Laufkatze zum Transport der Munitionskassetten zu erkennen.

Links ist die Treppenführung, rechts der zerstörte Rest der Aufzugsanlage auf der Sohle des Schachtes unter Bunker 11 zu sehen. Oben im Aufzugskorb gibt es ebenfalls eine Schiene für die Laufkatze, so daß die Munitionskassetten problemlos in das Kampfwerk transportiert werden konnten.

Der Blick in die untere Etage des Kampfbunkers 11. Hier befindet sich die schwere Hebelmechanik zum Ausfahren des Panzerdrehturmes. Der Bunker 11 ist mit diesem 13,5 cm Turm, einer GFM-Kuppel und einer Granatwerferkuppel ausgestattet.

Auf diesem Bild ist die Hebelkonstuktion deutlich zu erkennen. Der Elektromotor zum Ausfahren des Turmes wurde leider demontiert. Am Ende der Hebelkonstruktion hängt ein schweres Gegengewicht in einem kleinen Schacht.

Dieses Foto zeigt das von oben fotografierte, im Schacht hängende Gegengewicht.

In der Etage über dem Raum mit dem Hebelsystem befindet sich die Bedienmechanik zum Ausrichten des Geschützdrehturmes mit Handrädern, Kurbeln und Winkelanzeige. Da die ca. 6 stündige Befahrung des Artilleriewerkes Mètrich von mir allein erfolgte, kann hier leider keine Person als Größenvergleich präsentiert werden.

Eine Detailaufnahme der Bedienmechanik.

Auf diesem massiven Stahlelement ruht das komplette Gewicht des Drehturmes. Durch die geöffnete Bodenplatte kann man in den darunterliegenden Raum mit der Hebelmechanik sehen.

Ein weiteres Detail der Bedienmechanik des Drehturmes mit einem noch unversehrten Schaltkasten.

Hier ein Bild, welches direkt nach oben fotografiert wurde. Über diese Stahlleiter gelangt man in die eigentliche Panzerkuppel, wo sich die beiden Haubitzen befinden.

Der Panzerdrehturm ist mit zwei 13,5 cm Haubitzen ausgestattet. Das Foto zeigt die rechte Haubitze. Die Verschlüsse beider Waffen fehlen, sie sind daher nicht mehr feuerbereit. Im Panzerdrehturm des benachbarten Bunkers 08 sind dagegen zwei 7,5 cm Granatwerfer installiert. Bunker 08 besitzt weiterhin zwei GFM-Kuppeln, zwei Scharten für Zwillings-MG und 3,7 cm PAK (nur in einer Scharte) und zwei GFM-Kuppeln.

Im Kampfbunker findet man an einigen Installationsteilen Kalkversinterungen, die im Laufe der Jahrzehnte durch Auswaschung des Beton entstanden.

Über die Treppe im Schacht unter Bunker 11 geht es wieder auf die Zwischensohle, die 35 m tiefer liegt.

Auf der Zwischensohle gibt es noch sehr interessante Reste der ehemaligen Werksverkabelung.

Der im Raum der Maschinenanlage für den Aufzug befindliche Schaltschrank wurde leider stark geplündert.

Interessante und noch vorhandene Drehspulinstrumente (Volts, Ampères) in einem Schaltschrank. Leider sind die Deckgläser eingeschlagen und die Zeiger zerstört. Des weiteren sieht man noch einen Drehschalter mit 5 Schaltstufen und eine eingesteckte Sicherung. Der rechte Sicherungsplatz ist dagegen leer.

Von der Zwischensohle gelangt man wieder über diese teilweise zerstörte Treppe auf das Niveau des eigentlichen Hohlgangsystems, welches 65 m unter den Kampfbunkern 08 und 11 liegt. Auf der kleinen, eingebauten Schwarz / Weiß-Aufnahme ist der Bahnhofsbereich D zu sehen, der sich ebenfalls direkt unter den Bunkern 08 und 11 befindet. Auch hier sind schwere Schäden durch die sich hebende Sohle entstanden.

In der Kaserne das gleiche Bild. Die betonierten Sohlen sind teilweise mehr als 1,5 m angehoben und geborsten. Auf den ersten Blick hat man hier den Eindruck von schweren Sprengeingriffen, es waren aber nur die Kräfte der Natur am Werk.

Der Blick in den von Vandalen zerstörten Umformerraum gegenüber dem Kasernenbereich. Hier herrscht eine sehr hohe Luftfeuchtigkeit, so daß das Bild leicht dunstig wirkt.

Ein Detail aus dem Umformerraum. Bis Mitter der 80iger Jahre war diese Warmwasseraufbereitung noch intakt, dann wurde sie durch hirnlose Randalierer zerstört.

Neben dem Bereich des Kraftwerkes finden sich in separaten Kavernen riesige Tanks. Da sie aber fast mit den Wänden abschließen, war ein aussagekräftiges Foto aus perspektivischen Gründen völlig unmöglich. Die oben gezeigten Tanks für je 1500 Liter ließen sich dagegen fotografieren.

Der Blick auf die Reste eines SCGM-Motors (Motor Nr. 3) mit 6 Zylindern und 230 PS. Der angeflanschte Generator wurde fast vollständig demontiert.

Eine andere Perspektive auf den Motor Nr. 3. Im Kraftwerk waren insgesamt vier identische Motoren zur autonomen Stromversorgung installiert. Auf dem kleinen, eingebauten Bild ist das im Bildhintergrund erkennbare Leistungsmeßgerät zu sehen.

Der Durchgang zur benachbarten Kraftwerkskaverne.

Auf diesem Bild sind die Reste von weiteren elektrischen Schaltanlagen im Kraftwerksbereich zu erkennen.

Ein Blick auf Motor Nr. 1 (links) und Motor Nr. 2 (im Bildhintergrund). Die Numerierungen der Motoren sind an den massiven Gehäusen noch erkennbar.

Ein interessantes Konstruktionsdetail der Frischluftzuführung für die SCGM-Motoren in der Kraftwerkskaverne.

Weitere Reste von geplünderten und zerstörten Schaltkästen in der Kraftwerkskaverne. Links im Vordergrund (nur teilweise erkennbar) ein demontierter Generator.

Der Blick in die östliche Kaverne des riesigen Hauptmunitionslagers M1. Es besitzt insgesamt sechs, nach links führende Querhallen. Aufgrund der hohen Luftfeuchtigkeit wirkt auch dieses Foto leicht dunstig. Von 1986 bis 1987 versuchte man sich hier kurzzeitig in der Champignonzucht.

Abschließend ein Bild von den durch die geologischen Einflüsse zerstörten Sohlenbereichen an der Einfahrt zum Hauptmunitionslager M1.

FAZIT: Das Artilleriewerk MÈTRICH (A17) ist ein wirklich sehr interessantes Werk mit etlichen baulichen Besonderheiten. Leider reichte die zur Verfügung stehende Zeit von ca. 6 Stunden bei weitem nicht aus, um alle Teile dieses gewaltigen untertägigen Komplexes zu studieren. Allen Interessierten muß von einer Befahrung aber abgeraten werden, da das Artilleriewerk Mètrich auf französischem Militärgelände liegt, welches noch streng bewacht wird (eigene Erfahrung).

Zum Schluß noch einen ganz besonderen Dank an Andreas Fahrner und Michael Thiele für die wertvollen Insidertipps und Hinweise bei der Planung der Maginot-Touren!!

© PeMü (Text und alle Fotos) 03/2004

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