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Die Entwicklung der Bombenthesen

Zum Verständnis einiger Aussagen in der Arbeit von Dr. Karlsch ist es notwendig, einen Blick in die Vorgeschichte der Thesen zur Entwicklung der deutschen Atomwaffen im Dritten Reich zu werfen.

Harald Fäth dürfte im Jahre 1996 der Erste gewesen sein, der im Buch "1945 - Thüringens Manhatten Projekt" die nachfolgend stark verkürzt dargestellten Thesen im deutschen Raum öffentlich machte:

Nachfolgend wurde diese Gedanken von verschiedenen Autoren aufgenommen und in verschiedene Richtungen weiterentwickelt. Es kamen die ersten Behauptungen von Atombombenexplosionen auf dem Truppenübungsplatz Ohrdruf in die Öffentlichkeit. Verfechter dieser Behauptungen waren u.a. Thomas Mehner (diverse Bücher zur deutschen Atombombe) und Georg Friedrich ("Hitlers Siegeswaffen"). Beide Autoren stützen sich auf eine vom Österreicher Lachner in Umlauf gebrachte Aussage, Deutschland hätte zum Kriegsende sogenannte "kleine Atomwaffen" besessen, vergleichbar mit heutigen taktischen Atomwaffen. Handfeste Beweise fehlen bis heute.

Nach Mehner soll es sich bei dem Grundbaustoff der "kleinen Bombe" um ca. 100 bis 200 g 239Pu handeln. Das liegt weit unter der heute angenommenen kritischen Masse, die irgendwo um 10 kg angenommen wird. [1]

Kritische Masse bezeichnet in der Kernphysik die Mindestmasse eines aus einem spaltbaren Isotop bestehenden Objektes, ab der die effektive Neutronenproduktion eine Kettenreaktion der Kernspaltung aufrechterhalten kann. Bei jeder Kernspaltung entsteht dabei im Mittel mindestens ein Neutron, das eine neue Kernspaltung verursacht, während die anderen Neutronen das Objekt verlassen können. Die kritische Masse hängt damit auch von der Dichte, und der Form des Objektes ab. Je höher die Dichte, desto geringer ist die kritische Masse. Die geringste kritische Masse hat ein Objekt, wenn es kugelförmig ist. Befindet sich innerhalb des Objektes ein Neutronenabsorber, dann vergrößert sich die kritische Masse. Ist das Objekt von einem Neutronenreflektor (meistens Beryllium) umgeben, verringert sie sich. [2]

Die kritische Masse ist somit ein dynamischer Wert, der von diversen Faktoren abhängig ist. Sie kann verringert werden durch:

Alles zusammengenommen wird heute offiziell ein unterer Grenzwert um die 1 kg 239Pu angenommen [3] Genauere Werte sind in einer Zeit des Terrorismus nicht zu erhalten.

Mehner behauptet nun, im Dritten Reich hätte man einen Wert von 100 bis 200 g erreicht. Daraus sind die sogenannten kleine Bomben entstanden. Es interessiert ihn nicht, daß selbst bei "nur" einem Kilo riesige Auslöser vorhanden sein müssen. [Mayer/Mehner, Hitler und die Bombe, Studienausgabe, Kopp- Verlag 2002, ISBN 3-930219-43-3, Seite 115 ff.] Solche Waffe(n) habe man auch auf dem Truppenübungsplatz in Ohrdruf - hier speziell im sogenannten Dreieck - getestet.

Das Problem dabei: Mehner hat nicht nachgerechnet. Der Hintergrund ist folgender: Die vollständige Spaltung von 1 kg Pu239 bringt ein TNT-Äquivalent von ungefähr 19 kt. Mehr geht nicht. Die berühmten 100 oder 200 g Pu-239, die immer aufgeführt werden, können also irgendwas zwischen 1,9 und 3,8 kt leisten - einen Wirkungsgrad von 100% vorausgesetzt. Nehmen wir an, jemandem wäre ein Wirkungsgrad von (nur) 5% gelungen, kommen wir auf rund 100 Tonnen (!) TNT-Äquivalent. Mehner behauptet also allen ernstes, jemand habe in den letzten Kriegstagen eine Explosion in der Stärke von ca. 100 Tonnen TNT veranstaltet und keiner hats gemerkt. Ja, ich weiß, der Wirkungsgrad lag ja nur bei einem Prozent, mehr hat man nicht hinbekommen. Und? Das sind immer noch mindestens rund 20 Tonnen TNT. Das sind 20.000 kg Sprengstoff. Das hat keiner weiter gesehen und gehört? Das hatte keine Folgen für die im Karstsystem des Truppenübungsplatzes befindlichen Hohlräume? Damit werde ich mich in weiteren Beiträgen auseinandersetzen.

Um solche kleine Bomben zu bauen, muß ich erst mal eine große gezündet haben, um zu sehen, ob es mit meinen mathematischen Modellen und technischen Möglichkeiten überhaupt geht. Das haben die Amerikaner mit dem Trinity- Test realisiert, der genau dieser komplexen Bauweise geschuldet war. Dann muß ich immer kleinere bauen, testen, wieder neue bauen... Es ist ein weiter Weg von 10 kg zu 100 g. Wir reden hier nicht mehr vom Aufeinanderlegen von Uranwürfeln, bis es blau leuchtet und man besser die Tür von außen zumacht. Von den Testreihen, die bis zu 100 g notwendig gewesen wären, ist nichts bekannt und nichts nachzuweisen. Es ist nicht mal der deutsche Test einer "großen" Pu-Bombe vom Nagasaki-Typ nachzuweisen.

Jetzt kommt Herr Dr. Karlsch ins Spiel. Auch er behauptet, es habe auf dem Truppenübungsplatz Ohrdruf zwei Kernwaffentests gegeben [Karlsch, Hitlers Bombe, DVA 2005, ISBN 3-421-05809-1, Seiten 209 ff]. Er läßt letztlich offen, was da eigentlich gezündet worden sei. Das wurde erst in einigen Nachfolgeveröffentlichungen eindeutiger beschrieben.

Dr. Karlsch ist damit für den unbedarften Leser die Erfindung der eierlegenden Wollmilchsau gelungen, die alle bekannten Vorbehalte bedient:

Was von der Beweisführung konkret zu halten ist, werden wir in weiteren Artikeln im Detail beleuchten.

© Dieter TD 12/2007

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