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Hier geht es um Sprengstoffe mit fürchterlicher Zerstörungskraft....

Wir lesen in dem unter dem Pseudonym Friedrich Georg geschriebenen Buch "Hitlers Siegeswaffen, Band 1: Luftwaffe und Marine - Geheime Nuklearwaffen des Dritten Reiches und ihre Trägerwaffen" (Jung- Verlagsgesellschaft, ISBN 3-935095-02-3, 1. Auflage November 2000) auf Seite 83:

"Es dürfte sich dabei um den heute noch geheimnisumwitterten Supersprengstoff "Myrol" gehandelt haben. Dieser Stoff wurde von der Fa Degussa in Frankfurt entwickelt, nachdem die Fa. IG Farben hier bereits Vorarbeit geleistet hatte. Es handelt sich um eine Salpetersaure Methylverbindung, die vielfach wirksamer als das deutsche "Hexogen" sein sollte, das bereits für damalige Verhältnisse ein "Wundermittel" darstellte. Nach englischen Gefangenen- Berichten hätten die IG Farben bei Wien einen Versuch im Freien durchgeführt, um die Kraft des neuen Flüssigsprengstoffes festzustellen. Dazu sei in die Mitte eines Bleiwürfels von 12 Tonnen Gewicht ein Loch gebohrt worden. In die entstandene Höhlung habe man einen Kubikzentimeter des neuen Sprengstoffes gegeben, diese dann mit Sand verfüllt und mit flüssigem Blei verschlossen. Mit dieser Bleiblockprobe nach dem System Trauzl (84) sollte die freigesetzte Energie nach nach der Verzerrung des Bleiwürfels gemessen werden. Der Bleiblock explodierte jedoch bei dem Test und tötete einige Zuschauer (85, 86)."

Es geht dann weiter mit der Fragestellung, welche Zerstörungskraft wohl eine mit 4,4 Tonnen dieses Stoffes gefüllte Waffe hätte.

Randziffer 84 bezieht sich auf Hahn, Waffen und Geheimwaffen des deutschen Heeres 1933 - 45, die anderen beiden Randziffern auf Irving und Hogg, hier allerdings nur auf die Zeugenaussagen.

Versuchen wir es zuerst mal mit Logik und der Beantwortung der Frage, was hier eigentlich gesprengt worden sein soll. 12 Tonnen Blei.... Das ist ein Würfel mit einer Kantenlänge von etwas über einem Meter! Jeder, der sich einigermaßen mit Sprengstoffen auskennt weiß, was passiert, wenn ich in diesem Block eine Probe von 10 Gramm Sprengstoff mit einer 2- Gramm- Kapsel zünde. Egal mit welchem heute bekannten Stoff: Es passiert nix. Jedenfalls nichts von außen feststellbares. Der Block wackelt nicht mal. Innen wird der Bohrkanal durch Materialverdichtung aufgeweitet. Wegen des Mißverhältnisses von Bohrkanal zu Außenwandstärke schlägt die Verformung auch nicht nach außen durch.

Das hilft uns also nicht weiter. Die Ursache ist aber schnell gefunden: Georg hat Hahn (Waffen und Geheimwaffen des deutschen Heeres 1933 bis 1945, ISBN 3-7637-5915-8) richtig zitiert, aber nicht gelesen oder nicht verstehen wollen. Dort stehen auf Seite 217 die richtigen Daten und auch die Entwicklungslinie ist dargestellt. Es wäre also auch ohne teure und schwer zu beschaffende Literatur festzustellen gewesen, was sich hinter einem Test nach Trauzl wirklich verbirgt. Es ist ein allgemein anerkannter Test zur Beurteilung der Brisanz von Sprengstoffen. Dazu wird kein Würfel verwendet, sondern ein Zylinder mit den Abmessungen 200 mm x 200 mm. Der wiegt dann auch nicht 12 Tonnen, sondern 7,1 kg. In diesen Block wird an er Unterseite eine Bohrung von 125 mm Tiefe und 25 mm Durchmesser eingebracht. Dorthin kommen nicht 1 ccm, sondern 10 Gramm des zu beurteilenden Sprengstoffes. Die Bohrung wird nicht vergossen, sondern mit Quarzsand verdämmt. Gezündet wird mit einer 2 Gramm- Kapsel. Der entstehende Hohlraum im Blei (Aufbauchung) dient der Beurteilung der Leistung des Sprengstoffes. TNT bringt 373 ccm, Hexal 76/4/20 785 ccm und Myrol je nach Mischung um 870 ccm. Hexal liegt übrigens im Bereich eines Ersatzsprengstoffes, den sich jeder Idiot aus drei Grundstoffen ohne Chemiekenntnisse selbst "zusammenbasteln" kann.

Damit ist auch klar, dass es sich bei Myrol keinesfalls um einen Wundersprengstoff handelt. Es ist ein Ersatzsprengstoff, der mit Modifikationen als plastischer Sprengstoff Verwendung finden sollte. Die deutsche Patentnummer lautet 91319. Mit einem Energiegehalt von fast dem doppelten von TNT und einer Detonationsgeschwindigkeit von 8300 m/s sollte Myrol auch Awendung im Raketenantrieb finden. Zur Serienfertigung (geplant in Schlesien und nicht bei Degussa, sondern bei IG Farben) oder einer ernsthaften Anwendung kam es jedoch bis Kriegsende nicht mehr.

Zum Vergleich: ONC (Octanitrocuban) als wirkungsvollster heutiger herkömmlicher Sprengstoff bringt bei 6000 °C Detonationstemperatur und einem Druck von 300.000 kg/ ccm und 10.000 m/s Detonationsgeschwindigkeit.

Es gibt also kein Geheimnis um Myrol. Und schon gar nicht handelte es sich um ein Wundermittel.

 

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