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Recht und Gesetz

 

Wenn wir als Interessierte an unterirdischen Anlagen über Recht sprechen, geht es meist nur um eine Sache: Das Verhältnis zu den Archäologen und den Denkmalsschutzbehörden, kurz: zur Staatsgewalt. Auf dieser Seite möchte ich meine Haltung zum Problem darstellen.

Die betrifft zuerst das Teilgebiet unterirdische Anlagen aus den Weltkriegen. Archäologen erheben den Anspruch, hierfür zuständig zu sein. Das ist erst einmal eine feine Sache, schließlich würde das Erhalt und Schutz der Anlagen bedeuten. Wer sich in Deutschland umschaut stellt jedoch fest, das keinesfalls am Erhalt der Anlagen gearbeitet wird. Ganz im Gegenteil. Anlagen zerfallen langsam, werden bewußt durch größere oder kleinere “Eingriffe” irgendwelcher Experten zerstört oder einfach zugemauert, zugesprengt, zugeschwemmt oder zubetoniert ihrem Schicksal überlassen. Auch die jährlichen Veröffentlichungen sprechen dafür, das historische Forschungen zu diesen Themen in Masse nur noch von Privatpersonen und Vereinen betrieben wird. Unsere Haltung ist unmißverständlich: Entweder man ist zuständig - dann möge man die entsprechenden Bauten als Kulturdenkmale ausweisen - mit allen daraus entstehenden Verpflichtungen zum Erhalt, wie sie jeder Privatmann auch zu erfüllen hat. Oder man ist nicht zuständig - dann soll man sich ruhig verhalten und Forschungen von Privatpersonen und Vereinen sowie deren Bemühungen zum Erhalt nicht verhindern. Einen Mittelweg dazu gibt es nicht.

Da hätten wir die Archive - Dreh- und Angelpunkt historischer Forschung. In jedem Archiv ist man auf die Unterstützung der dortigen Mitarbeiter angewiesen, denn sie kennen die Systemtik der Bestände und meist auch den ungefähren Inhalt am Besten. Die Bandbreite für die Unterstützung von privaten Forschungsarbeiten reicht von großer Hilfe bis gar keine Hilfe - um es nicht Behinderung zu nennen. Wobei scheinbar die Regel gilt: Je kleiner das Archiv, desto bessere Unterstützung wird gegeben.

Dann hätten wir da die Suche nach Militaria allgemein. Der Verfasser ist insbesondere auf dem Gebiet der Erforschung von Munition und Bewaffnung tätig. Dazu ist ab und an auch Sondeneinsatz notwendig. Um nichts archäologisch bedeutsames zu zerstören, habe ich mich mehrfach an das Landesamt für Archäologie in Dresden gewandt und die Suche mit genauen Angaben bekanntgegeben. Und die Bitte geäußert, man möge mir mitteilen, ob da aus Sicht der Archäologie Funde erwartet werden, die eine Suche im Bereich nicht zulassen könnten. Es erfolgte auf alle Anfragen keine Reaktion. Warum auch? Stößt der Munitionssucher doch mal auf archäologish bedeutsames, kann man ihn ja immer noch bestrafen. So geht das nicht. Solche Haltung bietet weder Rechtssicherheit für den Einzelnen noch kann ich sie als gerecht empfinden. Es gibt im Boden nicht nur archäologische Befunde. Auch Archäologie muß diese Tatsache akzeptieren. Es muß ein Konsens zwischen allen Interessen gefunden werden.

Sucherlaubnis: Wir sind mit unserem Hobby nicht allein auf der Welt. Irgendwann kommt jeder von uns auch mit archäologischen Objekten in Berührung. Die “gehören” nicht den Archäologen, aber diese haben natürlich ein berechtigtes Interesse daran zu erfahren, wo etwas gefunden wurde und was das war. Kein Archäologe sieht es gern, wenn ein paar WK- Sucher auftauchen und durch einfaches Graben an einer bedeutsamen Stelle die Ergebnisse jahrelanger Arbeit zunichte machen - um des Nachweises willen, daß doch grundsätzlich der Zünder B in der Muna X gesetzt wurde. Gegenseitige Rücksichtnahme wäre also angebracht. Leider sieht es - jedenfalls derzeit - in den meisten Bundesländern damit eher schlecht aus. Wer es irgendwie kann, sollte sich dennoch mit den Landesdenkmalämtern versuchen zu verständigen. Sinnlose Zerstörung gibt es eigentlich auch an anderer Stelle genug.

Eine Sucherlaubnis ist für den Sucher WK II dennoch ebenso verzichtbar wie für den Sucher, der sich mit der Suche am Strand befaßt. Wozu soll das gut sein - außer für die Kassen von lizensierten Vereinen archäologischer Sondengänger, die sicher das Recht erhalten werden, die Schulungen zum Erwerb der Erlaubnis durchzuführen?

Zum Schluß einiges zum Thema Schatzsuche. Darunter verstehe ich hier die Suche nach Besitztümern, die ab ca. 1800 vergraben wurden. Teils sind die ursprünglichen Besitzer noch zu ermitteln. Die rechtliche Lage ist hier absolut unklar. Nicht, weil es keine rechtlichen Bestimmungen hierzu gibt, sondern weil die Handhabung nicht nachvollziehbar ist. Die Vorgänge um den zweiten Wettiner Schatzfund seien als Beispiel genannt. Bislang konnte mir noch keiner sagen, auf welcher Grundlage dem Finder denn nun eine Strafanzeige droht....

Nicht verschwiegen werden soll allerdings auch, das es scheinbar eine erhebliche Diskrepanz zwischen Worten und tatsächlichen Handlungen einiger (vor allem archäologisch interessierter) Sondengänger gibt. Während in öffentlichen Forem darüber geredet wird, das man eigentlich nur in der gestörten Pflugschicht sucht und eigentlich auch dort nur mit Genehmigung, finden sich ab und an auch Beiträge wie:

“Geschrieben von Eric on 21. September 1999 um 12:45:42:
Moin Männer
war am Samstag auf einer burgruine fern aller zvilisation. Über all nur Löcher. Es gibt viel zu viele mit Sonde . wenn das so weiter geht ist in 10jahren nichts mehr in der Erde . Man sollte keine Werbung mehr machen schon gar nicht im internet

Wörtlich übernommen aus einem Sondengänger- Forum.
So weit verbreitet scheinen die öffentlich vertretenen Grundsätze also nicht zu sein...

Problematisch bei den Betrachtungen zu Recht und Gesetz ist die Einordnung des immer häufiger anzutreffenden Vandalismus. Egal, ob es sich um historischen Bergbau, Anlagen WK II oder moderne Schutzbunker handelt: Innerhalb kurzer Zeit nach Öffnung oder Bekanntwerden der Anlage sind die ersten Zerstörungen zu beobachten, Schriften wie "Ausgang" werden an die Mauern geschmiert. Monate später ist meist nichts mehr von den Einbauten vorhanden, die Anlage ist zugemüllt und ortsfeste Dinge sind zerstört. Das Problem ist wohl nicht mehr durch Aufklärung, sonder nur noch mit Rechtssprechung und Schadenersatzforderungen in den Griff zu bekommen.

 

Dieter TD 2002


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