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Team-Delta besuchte die über 2000 Jahre alten Marmorbrüche und Kavernen von Carrara / Italien

Ungefähr 20 km südlich der italienischen Mittelmeerstadt La Spezia findet man ein paar Kilometer landeinwärts inmitten der Apuanischen Alpen die kleine Ortschaft Carrara. Dieses genannte Küstengebirge lag vor Urzeiten unter Wasser. Vor 30 Millionen Jahren schoben sich hier die afrikanische und die europäische Kontinentalplatte übereinander, damit begann eine Rekristallation der Kalkablagerungen.

Nach Jahrmillionen tauchte dann aus der gehobenen Erdkruste ein bis zu 2000 m hohes Gebirgsmassiv auf, welches zu großen Teilen aus Marmor besteht, dem weißen Gold der Toskana. Hier werden heute über 60 unterschiedlich gemaserte und getönte Marmorsorten gewonnen, deren Farbspektrum von Graublau bis Weiß reicht.

Der um Carrara gebrochene Marmor ist sehr hochwertig, er ist im Gegensatz zu anderen Marmorsorten der Welt feinkörniger und bricht deshalb nicht so leicht. Außerdem läßt er sich durch Polieren gut gegen das Eindringen von Wasser versiegeln. Aus diesem Grunde hat sich die Region um Carrara zum Weltzentrum für Marmor entwickelt.

Im ersten Jahrhundert vor Christus beginnt mit der Blütezeit des Römischen Reiches die Geschichte des apuanischen Marmors. Damals, vor über 2000 Jahren, trieben römische Sklaven Eisenkeile in Spalten des Gesteins. Man nutzte auch mit Wasser getränkte Holzkeile, um die Blöcke vom Muttergestein abzusprengen. Dieser Technik bediente man sich bis zur Einführung des Sprengpulvers.

In sehr kurzer Zeit zierte damals Marmor die vielen Tempel, Paläste, Statuen und Grabmäler der Hauptstadt Rom, auch alle bedeutende und reichen Städte des Mittelmeerraumes bedienten sich dieses weißen Materials.

Die Kathedralen von Lucca, Pisa und Florenz wurden ab dem 11. Jahrhundert aus carrarischem Marmor errichtet. Später verbaute man ihn in Genua und Orvieto. In der Renaissance wurde dieser edle Baustoff dann in vielen Fürstentümern Europas wegen seiner hervorragenden Qualität geschätzt.

Der berühmteste Besucher von Carrara war Michelangelo. Von 1517 bis 1519 weilte er oft in den Brüchen, um den besten Marmor für seine Kunstwerke auszusuchen. Zweimal wäre er in dieser Zeit fast um`s Leben gekommen, da er selbst mit in den Steinbrüchen arbeitete, um den Abbau und Transport zu beaufsichtigen. Dabei donnerten tonnenschwere Marmorblöcke den Abhang hinunter und hätten den Künstler beinahe erschlagen.

Damals legte man Holzschienen den abschüssigen Hang hinunter, auf denen man die extrem schweren Blöcke zu Tal brachte. Von oben versuchte man, sie mit starken Hanfseilen zu lenken und zu bremsen. Es war eine gefährliche Arbeit und tödliche Unfälle gab es sehr häufig.
Die bis zu 25 Tonnen schwere Ladung befestigte man in späteren Zeiten auf zwei Holzbalken, die dann wie ein Schlitten ebenfalls auf Holzschienen in`s Tal geschafft wurden. Der Marmor von Carrara erschien im 19. Jahrhundert auf den Märkten der Welt, von England bis Japan, von St. Petersburg bis Südamerika. Im Tal von Collonata wurde 1928 der größte Block gebrochen. Er war 18 Meter lang und 300 Tonnen schwer. Man benötigte ein halbes Jahr, um mit 30 Ochsen diesen Monolithen vom Steinbruch auf Holzplanken bis zum Hafen zu ziehen. Dabei verbrauchte man 70000 Liter Seife, mit der man die Hölzer präparierte. Dieser riesige Block stand als Denkmal für Benito Mussolini 15 Jahre in Rom.

Erst nach dem zweiten Weltkrieg wurde dieses Holzschienensystem, der sogennanten "Lizzatura", zur Verbringung der Blöcke in das Tal durch schwere LKW`s abgelöst.

In unmittelbarer Nähe der vielen Marmorbrüche, die hier die gesamte Bergwelt durchziehen, liegt die kleine Ortschaft Collonata, ein malerisches Dorf der Marmorarbeiter.

Trotz der modernen Technik und schwerem Gerät ist die Arbeit in den Marmorbrüchen nach wie vor durch herunterbrechendes Gestein sehr gefährlich.

Im Jahre 1876 begann man außerdem mit dem Bau einer Marmorbahn in Normalspur, um das Material bis an das nahe Mittelmeer zur Verladung auf bereitstehende Schiffe zu bringen. Diese Bahn verband die Marmorbecken mit der italienischen Staatsbahnlinie und dem Verladehafen.1890 beendete man den 2. Bauabschnitt, der bis in 455 Meter Höhe führte. Insgesamt entstand ein 30 Kilometer langes Schienennetz mit 15 Tunnels und 16 Brücken. Nach dem 2. Weltkrieg wurde die Bahn dann stillgelegt, weil mit schweren LKW der Transport preiswerter zu bewerkstelligen war.

Im 18. Jahrhundert war es ein großer Rückschritt, in der Abbautechnik das Sprengpulver einzuführen. Durch die Detonationen entstanden zu viele kleine und stark zerklüftete Blöcke, außerdem produzierte man mit dieser Methode riesige Mengen an Abfall und Geröll, auch wurden die angrenzenden Gesteinsschichten zu stark beschädigt. Deswegen führte man 1895 das Drahtseil zum Abtrennen der Blöcke ein und verzichtete auf Sprengungen. Mit Zusatz von Wasser und Sand zerschnitt ab diesem Zeitpunkt der Spiraldraht den Marmor.

Auch diese Technologie ist mittlerweile überholt. In den alten Steinbrüchen sieht man noch an vielen Stellen die verrosteten Umlenkrollen in den Marmorwänden. Seit den siebziger Jahren verwendet man nun das Diamantseil. Heutzutage sind außerdem viele moderne Maschinen mit
Diamantketten und Diamantsägen im Einsatz.

Die Kavernen von Carrara

Ein Großteil des Marmors wird unterirdisch in riesigen Kavernen gebrochen. Diese gigantischen Hohlräume im Felsmassiv waren nun das Ziel von Team-Delta.

Es gibt kein offizielles Museum, so daß man als Interessierter selbst über die sehr schlechten, eigentlich nur den Lastwagen vorbehaltenen Asphalt- und Schotterpisten in die Marmorbrüche fahren muß. Zwar stehen Überall Verbotsschilder, Besucher werden aber größtenteils toleriert. Man sollte aber bei der Anfahrt große Vorsicht walten lassen, denn die italienischen Fahrer steuern ihre riesigen LKW, beladen mit tonnenschweren Marmorblöcken, entsprechend ihrem südländischen Temperament im halsbrecherischen Tempo die steilen Serpentinen in`s Tal.

Überall stehen im Gewirr der Schotterpisten von schießwütigen Italienern durchlöcherte Schilder, die den Weg in die entsprechenden Marmorbrüche weisen. Durch ein Sonderzeichen wird auch vor Sprengungen gewarnt, mit denen man durchaus rechnen muß.

Dieses Autowrack am Rande einer steilen Piste ist ein Beispiel dafür, daß man sich in einem gefährlichen Terrain bewegt. An vielen Stellen rollen durch Abbauarbeiten größere Felsbrocken und grobes Marmorgeröll in die Tiefe.

Rechts und links der Piste öffnen sich die riesigen Marmorbrüche in den Hängen des Tales. Neben der Straße ist dann ein relativ unscheinbarer Steinbruch zu sehen. Nachdem man einige dürftige Absperrungen hinter alten Steingebäuden überwunden hat, steht man vor einem ca. 40 m tiefen, rechteckigem Abgrund. Hier im alten Eisenbahntunnel von Ravaccione hat man damals begonnen, den Berg von innen auszuhöhlen.Tief unten sieht man die Marmorarbeiter schuften, ein großer Tieflader fährt durch große quadratische Portale zu weiteren Kavernen im Felsmassiv.

Durch die Verwendung der Drahtseilsägen sind die senkrechten Wände des Bruches, bis auf die Struktur der gewonnenen Blöcke, völlig glatt. An einer der Wände führt die etwas verwegene Stahlkonstruktion eines Personenaufzuges für die Arbeiter nach unten, der schnellsten Zugangsmöglichkeit zur Steinbruchsohle. Gut sichtbar ist hoch oben in einer anderen Marmorwand eine mehrere Meter große Denkschrift eingemeißelt, die offenbar an einen furchtbaren Felssturz erinnern soll, da in dem italienischen Text das Wort "Inferno", gefolgt von einer Jahreszahl, zu entziffern ist.

Der Blick in den oben beschriebenen Marmorbruch. Auf der linken Seite ist die Tragkonstruktion des Personenaufzuges zu sehen. Die Absicherung mit Geländern an den Abbruchkanten ist sehr dürftig. Besucher sollten also Vorsicht walten lassen.

Nachdem die Arbeiter gegen Abend ihren Arbeitstag beendet hatten und mit dem Personenaufzug aus dem Bruch ausfuhren, begaben wir uns wieder mit dem Fahrzeug in das Tal hinunter. Wir vermuteten dort noch große Stollen, die in das Innere des soeben von oben besichtigten Marmorbruches führen könnten. Und wir hatten Glück...... [Anmerkung von Dieter: Es gibt Bunkerbekloppte, die können es an keiner Stelle der Welt lassen :-))]

Nach einem kurzen Fußmarsch über die an dieser Stelle mit Marmorgeröll verschütteten Straße gelangen wir an eine Engstelle des Tales. Die Piste endet hier plötzlich unter großen Marmorblöcken. Da hoch über uns in einem anderen Bruch weiterhin gearbeitet wird, rollen auch jetzt noch grobe Felsbrocken polternd die steilen Hänge hinunter. Man sollte also sehr vorsichtig sein.

Wir stehen nun vor mehreren sehr großen Tunnelportalen, vor denen Reste der früher verwendeten Stahlseile zum Abtrennen der Blöcke hängen. Hinter den Eingängen verbergen sich hohe Kavernen, die teilweise unter Wasser stehen. Offenbar mußte man hier den weiteren Abbau nach einem schweren Wassereinbruch aufgeben. Mehrere große rechteckige Stollen führen weiter in das Innere des Marmormassives.

Die Dimensionen der Eingänge zu den Kavernen sind beachtlich. Vor dem Portal sind noch Reste der alten Stahlseile zum Schneiden des Marmors zu erkennen.

Dieser gewaltige Hohlraum steht teilweise tief unter Wasser. An vielen Stellen führen weitere Tunnel in das Felsmassiv.

Ein anderer Tunnel führt uns zur Sohle des vorhin von oben besichtigten Bruches. Der Boden in den Stollen ist glatt und wirkt wie poliert. Unter einem riesigen Felsportal steht ein gewaltiger Tieflader, dessen Räder mehr als übermannshoch sind. Heute gewährleistet den Arbeitern schweres Gerät ein Maximum an Effizienz beim Abbau des Marmors. Doch trotz der hochentwickelten Hilfsmittel bleibt die Arbeit in den Steinbrüchen nach wie vor gefährlich. Tödliche Arbeitsunfälle sind auch in der heutigen Zeit keine Seltenheit.

Weitere seitliche Durchgänge gewähren Zugang zu anderen in der Dunkelheit des Felsmassives liegenden, gigantischen Hallen. Sie sind so extrem hoch, daß der Schein des Halogenstrahlers nicht den First dieses mächtigen Hohlraumes erreicht.

Dieses gewaltige Portal führt weiter in das Innere des Berges. Die Räder dieses schweren Tiefladers sind mehr als übermannshoch.

Der optische Eindruck dieser gewaltigen Tunnel ist überwältigend. Selbst ein 28er Weitwinkelobjektiv ist nicht in der Lage, die Dimensionen zu erfassen.

Es ist ein überwältigender Anblick, wenn das letzte Tageslicht durch gewaltige Fensteröffnungen in großer Höhe schräg in die Dunkelheit dieser gigantischen Hohlräume bricht.

Die Menschen haben im Laufe der Zeit hier wirklich überragendes geleistet. Zum Beispiel reichte Anfang des 19. Jahrhunderts trotz der vielfältigen Gefahren der Lohn eines Steinbrucharbeiters nicht aus, um eine Familie zu ernähren. Erst mit der einsetzenden Industrialisierung gegen Ende des 19. Jahrhunderts verbesserte sich die Arbeitseffektivität stark und die soziale Situation der Arbeiter wurde etwas erträglicher.

Irgendwann betritt man dann durch ein weiteres riesiges Portal die Sohle des Bruches. Hoch oben befindet sich an der senkrechten Marmorwand die Plattform des Personenaufzuges. Es ist kühl hier unten, rechteckige Löcher mit den geschätzten Abmessungen von 2 x 3 Metern stehen tief unter Wasser, welches in einem grünlichen Farbton schimmert.

Dieses Foto zeigt den Blick auf die Sohle des Bruches, wenig später beendete ein Wächter die Besichtigungstour......;-(

Hoch oben an der senkrechten Marmorwand befindet sich die Plattform des Personenaufzuges.

Von der Steinbruchsohle führen noch mehrere quadratische Stollen tief in das Innere des Berges. Leider war es nicht mehr möglich, diese Gänge weiter zu verfolgen, denn die Besichtigungstour wurde jäh beendet, als sich plötzlich aus der Finsternis die Gestalt eines italienischen Wächters schälte. Er war sichtlich überrascht, hier unten einen mit mehreren Lampen und Fotoapparaten bewaffneten Touristen zu erblicken........:-)

Bei dem nun beginnenden italienischen Wortschwall, der mit graziösen Gesten untermalt wurde, konnte ich mir ein Schmunzeln nicht verkneifen......
Nach einer kurzen Diskussion mußte dann also der geordnete Rückzug angetreten werden.............

Ein Besuch des Gebietes um Carrara ist trotzdem allen Interessierten und Toskana-Reisenden zu empfehlen.

© by PeMü 01

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