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Besuch der Stollenanlage am Piccolo Lagazuoi / Monte Piano

Im ersten Weltkrieg war die Umgebung von Cortina d'Ampezzo sehr stark umkämpft, und es finden sich dort in den Dolomiten noch sehr viele Überreste aus jenen Tagen, als österreichische Kaiserjäger und italienische Alpini sich dort erbitterte Kämpfe lieferten. Dies ist ja eigentlich nichts grundlegend Unbekanntes, und fast jeder hat schon von diesen sinnlosen Gefechten mit ihren hohen Verlusten um ein kleines Stückchen Gipfel gehört. Was den meisten aber nicht bekannt ist, ist die Tatsache, daß die zwischen 1914 und 1918 angelegten, sehr umfangreichen Stollenanlagen noch heute vorhanden sind und mit etwas alpiner Begeisterung auch begutachtet werden können. Als Beispiele sind in diesem Bericht die Umgebung des Falzarego-Paß und des Monte Piano aufgeführt.

Piccolo Lagazuoi

Der Piccolo Lagazuoi befindet sich am Falzarego-Paß und ist mit dem Fahrzeug gut von Cortina d'Ampezzo aus zu erreichen (Übernachtungsmöglichkeiten). Auf der Paßhöhe befinden sich neben einem Parkplatz und dem für Touristen notwendigen Kiosk auch noch die Talstation einer Gondel, mittels welcher die etwas Fußkranken auf den Gipfel des Piccolo Lagazuoi in 2752 Metern befördert werden können. Im Winter kann man dort dem Vergnügen des alpinen Skisports nachgehen.

Am Piccolo Lagazuoi besteht nun die Möglichkeit, über eine Stollenanlage aus dem ersten Weltkrieg, welche sich durch den gesamten Berg hindurchzieht, den Gipfel zu erreichen. Die Anlage (italienisch) beginnt auf etwa 2300 Metern und endet unterhalb des Gipfels in etwa 2700 Metern Höhe. Die Stollen sind in den blanken Fels geschlagen worden, und es gibt immer wieder kleinere Kavernen, in welchen die Soldaten damals untergebracht waren.

Auch die Beobachtungs- und Schießscharten aus dieser Zeit sind noch vorhanden, so daß durch diese “Zugänge”, welche sich mitten in der senkrechten Felswand befinden, sich dem Besucher ein grandioser Ausblick über das Tal bietet. Auch auf der ehemaligen östereichischen Seite der Front befinden sich entsprechende Stollen, mit denen zum einen versucht wurde, sich gegenseitig zu unterminieren, zum anderen dem Nachschub und der Verteidigung einen gewissen Schutz zu bieten. In einem der Stollen in der Umgebung (2600 Meter Höhe), welcher zu einer Geschützbatterie ausgebaut wurde, befindet sich sogar noch ein vollständiges 75 mm-Gebirgsgeschütz, welches begutachtet werden kann. Nachfolgend ein paar Impressionen von den Stollen am Piccolo Lagazuoi.

Monte Piano

Der Monte Piano befindet sich in der direkten Umgebung der drei Zinnen und kann vom Parkplatz oberhalb des Misurina-Sees erreicht werden. Der Berg wurde als “Freilicht-Museum” mit einigen Schildern und Erklärungen versehen, so daß der Bergwanderer auch ohne entsprechende Pläne aus vergangenen Tagen die alten Stellungen und Tunnels finden kann. Aus diesem Grund sind in dieser Umgebung natürlich auch sehr viele “Bergfreunde” anzutreffen, wobei die wenigsten sich in die engen Stollen und Gänge, die ebenfalls dort angelegt wurden, wagen. Die Tunnels sind auch teilweise in einem sehr schlechten Zustand, da die Abstützbalken aus Holz zum größten Teil total verfault sind und so ein Nachfallen von Geröll zu befürchten ist. Nachfolgend nochmals ein paar Bilder aus dieser Gegend.

Ehemalige betonierte Stellungen/Laufgräben und Zugänge/Stollen von MG-Kaverne und Unterkunft

Zur Ausrüstung sollten in dieser Gegend entsprechend festes Schuhwerk, ein Helm und eine Taschenlampe mit Ersatzbatterien ausreichend sein. Wer nicht unbedingt möchte, daß seine heilige Berghose wie nach einem Schlammbad aussieht, dem sei auch noch etwas “Wasserabweisendes” empfohlen.

Allemal also mit Sicherheit eine Bergtour, welche sich vom Herkömmlichen unterscheidet ...

Jochen

 

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