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Befahrung einer Dresdner Stollenanlage aus WK II

Die hier vorgestellte Stollenanlage befindet sich irgendwo im Untergrund von Dresden, ihr Standort wird nicht veröffentlicht. Der genaue Einsatzzweck dieser untertägigen Installation war zunächst völlig unklar. Selbst entsprechende Nachfragen beim Militärhistorischen Museum von Dresden und dem Museum für Stadtgeschichte erbrachten zunächst kein Ergebnis. Über das Militärhistorische Museum Dresden erfolgte dann eine freundliche Weitervermittlung an den "Arbeitskreis für Sächsische Militärgeschichte e.V.", bei dem ich mich an dieser Stelle für die, das Stollensystem betreffenden Informationen, recht herzlich bedanken möchte.

Im WK II befand sich in der Stollenanlage der untertägige Befehlsstand des "Höheren SS- und Polizeiführers Elbe, Standort Dresden". Der Dienstgrad von Herren Ludolf von Alvensleben war SS-Gruppenführer. Zur genauen Kommandostruktur lassen sich leider keine entsprechenden Aussagen eruieren. Der Bau der Anlage erfolgte vermutlich durch Dresdner SS-Pioniere, möglicherweise unter dem Einsatz von Häftlingen.

Von Alvensleben wurde nach dem Krieg von einem polnischen Gericht wegen Kriegsverbrechen in Abwesenheit zum Tode verurteilt. Um sich der drohenden Verhaftung zu entziehen, setzte sich Herr von Alvensleben über die sogenannte "Rattenlinie", die u.a. vom Vatikan mitorganisiert und aufgebaut wurde, nach Argentinien ab. Dort starb er irgendwann unbehelligt eines natürlichen Todes.

In den 50iger Jahren war diese Dresdner Stollenanlage noch begehbar. Augenzeugen sprechen von damals noch vorhandenen Installationsresten der ehemals eingebauten Fernschreib-, Telefon- und Vermittlungstechnik. Es handelte sich damit um eine Art Nachrichtenzentrale, von der nach den furchtbaren Bombenangriffen auf Dresden seitens der Briten und Amerikaner, die Berichte über die schlimmen Zerstörungen der Stadt nach Berlin in die Reichskanzlei erstellt und übermittelt wurden.

Um politischen Diskussionen vorzubeugen: Die nachfolgenden Informationen, die beschreiben, was Dresden Anfang 1945 wiederfahren ist, sind nichts weiter als die geschichtliche Wahrheit! Nicht mehr und nicht weniger!

In der Nacht vom 13. auf den 14. Februar 1945 erfolgte auf das rund 630.000 Einwohner zählende Dresden der schwerste Luftangriff auf eine Stadt im Zweiten Weltkrieg. 773 britische Bomber warfen in zwei Angriffswellen zunächst gewaltige Mengen an Sprengbomben ab. Durch die Zerstörung der Dächer und Fenster konnten die anschließend abgeworfenen etwa 650.000 Brandbomben eine noch größere Wirkung entfalten. Der Feuersturm zerstörte rund 80.000 Wohnungen, die enorme Hitzeeinwirkung deformierte sämtliches Glas in der Innenstadt. Dem britischen Nachtangriff auf die ungeschützte Stadt, die über keinerlei Luftabwehr verfügte, folgte am Tag die Flächenbombardierung durch 311 amerikanische Bomber.

Untenstehendes Foto zeigt einen Blick von der sehr malerisch gelegenen Gaststätte Spitzhaus auf Dresden des Jahres 2001.

Am 15. Februar mußte das bereits vollständig zerstörte und mit schlesischen Flüchtlingen überfüllte Dresden einen weiteren Angriff der US-Luftwaffe überstehen. Weit über 35.000 Zivilisten verloren ihr Leben. Die bis zur Unkenntlichkeit verkohlten Toten lagen noch Tage auf der Straße oder in den Trümmern, ehe die Leichenberge zur Verhinderung von Seuchen verbrannt werden konnten. Da Dresden außerhalb des Kampfgebietes lag und weder über kriegswichtige Verkehrs- noch Industrieanlagen verfügte, waren mit den vom Oberbefehlshaber des britischen Bomberkommandos, Arthur Harris (1892-1984), angeordneten Luftangriffen keinerlei militärische Ziele verbunden.

Unersetzliche historische Gebäude fielen ohne militärische Relevanz in Schutt und Asche. Das berühmteste zerstörte Bauwerk ist wohl die Dresdner Frauenkirche, die sich momentan immer noch in der Phase der Wiedererrichtung befindet. Die Zerstörung Dresdens war der Höhepunkt gezielter Flächenbombardements der Alliierten gegen die deutsche Zivilbevölkerung, um deren Moral zu brechen. Der Nazi-Propaganda bot dagegen das Massaker von Dresden noch einmal die makabere Gelegenheit, an den Durchhaltewillen der Deutschen zu appellieren.

Folgender Artikel stammt aus der seriösen und meistgelesenen Tageszeitung Sachsens, der SÄCHSISCHEN ZEITUNG. Er wurde im Frühjahr des Jahres 2001 veröffentlicht und gibt die entsprechende Leserzuschrift eines Zeitzeugen wieder, der die damaligen Geschehnisse miterlebte:

Doch nun zurück von der vergangenen Geschichte der Kriegsereignisse zur eigentlichen vorzustellenden Stollenanlage im Dresdner Untergrund. Untenstehendes Bild zeigt eines der ehemaligen Stollenmundlöcher. Man erkennt deutlich die Holzschalung zur Verwahrung des Mundloches. Bergauswärts befindet sich hinter der Schalung ein sehr massiver Stahlbetonverschluß im Stollen.

Diese Stollenanlage war für uns nur kurzzeitig befahrbar, mittlerweile wurde der Eingang wieder ordnungsgemäß mittels einer starken Stahlbetonwand bergmännisch verwahrt. In einigen Eingangsbereichen der ehemaligen Stollenmundlöcher konnte man noch sehr gut den konstruktiven Aufbau von sogenannten Dämpfungskammern studieren, die die Druckwelle einer nahen Bombendetonation während eines Bombenangriffes in den Hohlgängen mindern sollten. Im Inneren der Anlage befanden sich noch sehr viele Einbauten aus Ziegelmauerwerk, wie nachstehendes Bild zeigt.

Für Dresdner Verhältnisse ist diese untertägige Anlage unerwartet groß. Im Fels existieren zwei relativ lange Stollen, von denen seitliche Kammern in das Gestein getrieben wurden. Interessant ist der Firstausbau mittels bogenförmigen Ziegelmauerwerk an etlichen Stellen innerhalb der langen Stollen, wie die die folgenden beiden Bilder veranschaulichen. Teilweise sind die Firste aus unbekannten Gründen rußgeschwärzt.

Nachstehendes Bild zeigt ein weiteres ehemaliges Stollenmundloch, auch hier befindet sich hinter der Holzverschalung ein mächtiger Stahlbetonverbau. Diese alte Anlage ist aus verständlichen Gründen entsprechend gesichert, da an einigen Stellen akute Verbruchgefahr besteht. In Kopfhöhe der Person existiert im Beton eine schmale Einflugöffnung für Fledermäuse, die offenbar in den Stollen ihr neues Domizil gefunden haben.

Auf den folgenden beiden Fotos ist der bergseitig gelegene, hintere Parallelstollen mit einem der vielen Querschläge zu sehen. Welche Funktion das Ziegelmauerwerk in den Querschlägen genau hatte, läßt sich leider aufgrund des großen Zerstörungsgrades der Ausmauerung nicht mehr zuordnen. Nach mir vorliegenden Informationen wurden nach Kriegsende seitens der ortsansässigen Bevölkerung sehr große Mengen an Ziegeln aus dem Stollensystem gebrochen und abtransportiert. Man versuchte damit aus Ermangelung an Baumaterial die gravierensten Kriegsschäden provisorisch zu reparieren.

Da diese Anlage seit längerer Zeit nicht mehr betreten wurde, findet man auf der Stollensohle an einigen Stellen oft ein interessant geformtes und unzerstörtes Geflecht von Schimmelpilzen. In diesem Fall begann der Pilzwuchs auf dem alten Holzstück in Bildmitte.

Auf dem untenstehenden Bild ist ein geplanter Querschlag in Richtung Berginneres zu sehen. An dieser Stelle befinden sich noch die zur Auffahrung eines neuen Stollens benötigten Sprenglöcher im Fels. Offenbar verzichtete man dann aber auf einen weiteren Stollenvortrieb und errichtete in diesem Bereich einen Stützausbau aus Ziegelmauerwerk.

Das folgende Bild zeigt einen weiteren Bereich des hinteren Parallelstollens. Zur Firstsicherung wurden in diesem Streckenabschnitt zwei gut sichtbare Stahlbetonstreben eingebracht. Im vorderen Bildabschnitt ist eine massive Störung im sonst kompakten Fels erkennbar.

Ob der nachstehende Schriftzug wirklich auf die US-Marins zurückgeht, die auf einem Bunkertourismus-Trip waren, darf entschieden angezweifelt werden. Hier handelt es sich mit Sicherheit nur um einen "Dummen-Jungen-Streich"...

Auf dem vorletzten Foto ist rechts von der Person ein bergauswärts führender, betonierter Installationskanal zu sehen. Hierdurch wurden möglicherweise Teile der Medienversorung für diese Stollen realisiert. Vermutlicherweise befanden sich in diesem Bereich der Anlage Übergabepunkte für Trink- und Brauchwasserleitungen, Elektrizitätskabel etc. Die Mauerreste auf der rechten Seite könnten auf derartige Installationen zurückzuführen sein. Wie weiter oben bereits erwähnt, sprechen frühere Befahrungsberichte aus den 50iger Jahren von damals noch teilweise vorhandenen Fernsprech- und Vermittlungseinbauten. Es ist auch von Schaltschränken mit Rangierverteilern für große Fernsprechkabel die Rede.

Als letzte Impression noch ein Blick in den längsten Stollen dieser untertägigen Anlage. Leider ist die als Größenvergleich im mittleren Bereich des Stollens auf der rechten Seite stehende Person nur schlecht zu erkennen.

Abschließend möchte ich mich bei einer bestimmten sächsischen Gruppe, deren namentliche Nennung hier aus verständlichen Gründen nicht erfolgen kann, ebenfalls recht herzlich für die sehr gute Zusammenarbeit bei dieser Befahrung bedanken.

PeMü

Alle Fotos Copyright PeMü!!

ANMERKUNGEN ZUR DRESDNER STOLLENANLAGE

Für die nachfolgend veröffentlichten Anmerkungen und Informationen zum Beitrag über die Dresdner Stollenanlage bedanke ich mich recht herzlich bei den beiden Mitgliedern der "Fachgruppe Höhlen- und Karstforschung Dresden e.V.", Herren Dipl-Ing. Herbert Müller und seiner Frau.

Herr Herbert Müller wurde Anfang der 40iger Jahre geboren (Daten aus Personenschutzgründen nicht veröffentlicht). Ihm sind die furchtbaren Ereignisse der Bombardierung Dresdens von 1945 in Erinnerung geblieben, da er genau zu diesem Zeitpunkt seinen Geburtstag unweit der Stadt in Radebeul feierte. Zu jedem nachfolgenden Geburtstag wurde im Kreise der Familie von diesen Ereignissen erzählt. Herr Müller ist diesem Tag also besonders verbunden.

Ein Bekannter von Herren Müller war 1945 Feuerwehrmann in Dresden. Bei diesem schweren Bombenangriff am besagten 13. Februar 1945 flüchtete er mit vielen anderen in die Keller des Polizeigebäudes an der Elbe. Dieses Gebäude steht heute noch neben der Residenz des Ministerpräsidenten von Sachsen. Als die Stahlschutzklappen der Kellerfenster durch die lodernden Brände zu heiß wurden, wollte man das Gebäude verlassen. Dies war aufgrund der Feuer aber nicht möglich. So telefonierte man von diesem Gebäude aus mit der im obigen Beitrag beschriebenen Diensstelle in dieser Dresdner Stollenanlage, um von da eine Übersichtsmeldung zum brennenden Dresden zu erhalten.

Desweiteren ergaben von Herren Müller durchgeführte geschichtliche Recherchen folgende Informationen: Oberhalb des Objektes bestand eine MG-Stellung, welche eine wichtige Straße von Dresden unter Beschuß halten konnte. Aus geschichtlicher Sicht ist noch zu erwähnen, daß im Umfeld dieser Stollenanlage Geschützstellungen existieren, die noch aus dem Napoleon-Krieg von 1813 stammen.

Weiterhin spielte der im Norden von Dresden auf einem Höhenzug liegende "Verlobungsturm" als strategischer Beobachtungspunkt während des Krieges für Dresden eine besondere Rolle. Das Bauwerk wurde 1892 aus Holz als Aussichtsturm für Spaziergänger errichtet. Nach einer Erneuerung um 1900 erfolgte wegen Baufälligkeit der Abbruch. 1912 entwarf der Stadtbaumeister Erlwein das neue Wunderwerk: zwei von gegenüberliegenden Seiten beginnende Wendeltreppen trafen sich oben an einem Punkt. Daher war er auch als Verlobungsturm bekannt. Mit 105 Metern über dem Elbspiegel bot er eine herrliche, weitumfassende Fernsicht.

Dieses schöne Bauwerk ist heute eine Betonruine, da er am 07. Mai 1945 gegen 17:20 Uhr aus angeblich militärischen Gründen wegen des nahenden Feindes durch die SS gesprengt wurde.

Obiges von Herren Müller im Jahr 1977 aufgenommene Schwarz-Weiß-Foto zeigt die gesprengten Überreste des Turmes auf dem Wolfshügel im ehemaligen König-Albert-Park (heute der Südteil der Dresdner Heide, etwa zwischen Fischhausstraße und Mordgrundbrücke). Die Rekonstruktionszeichnung des Bauwerkes wurde ebenfalls von Herren Müller persönlich erstellt.

PeMü / Herbert Müller

Foto und Zeichnung Copyright Herbert Müller (Privatarchiv)


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