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Flüssigkeitsgedämpfter Magnetkompaß des Jagdflugzeuges Me109

An dieser Stelle soll im Beispiel einer der Magnetkompasse kurz vorgestellt werden, die damals u.a. auch auf der in Großenhain befindlichen Kompensationsscheibe einer entsprechenden magnetischen Justierung unterzogen wurden.

Die Magnetkompaßanlage der Me 109 setzte sich aus zwei Komponenten zusammen: Dem eigentlichen Mutterkompaß und dem sogenannten Führer- Tochter- Kompaß.

Der Mutterkompaß, welcher weiter unten näher vorgestellt wird, war in der Me 109 hinter dem Pilotensitz im mittleren Rumpfteil der Maschine installiert. Die Richtungsinformationen der Kompaßrose wurden in dieser Baugruppe elektrisch abgegriffen und an den im Armaturenbrett des Flugzeuges eingebauten Führer- Tochter- Kompaß übertragen, der als eigentliches Anzeigeinstrument diente.

Seitenansicht des Mutterkompaß. Die eigentliche Kompensationseinrichtung des Gerätes ist bei diesem Exemplar nicht mehr vorhanden. Man sieht deutlich die drei abgefrästen Befestigungen auf der Oberseite der Baugruppe, die die Kompensationseinheit trugen. In der Mitte ist die Elektromechanik zur Wandlung der Richtungsinformationen der Kompaßrose in ein elektrisches Signal zu erkennen.

Der hier vorgestellte Mutterkompaß wurde von der Berliner Firma PATIN entwickelt und hergestellt. Er fand in vielen Flugzeugen der Deutschen Luftwaffe Verwendung, so z.B. in der schon erwähnten Me 109, FW 190, He 111, Ju 88 etc. Es handelt sich hierbei nicht um einen Kreiselkompaß! Bei diesen Maschinen wurde dieser Magnetkompaß meist im hinteren Bereich des Flugzeugrumpfes eingebaut.

Besagte Firma PATIN produzierte vorrangig Magnet- und Kreiselkompasse sowie Kurssteueranlagen.

Der eigentliche Kompaß ist flüssigkeitsgedämpft, weiterhin ist diese zentrale Baugruppe zusätzlich vollkardanisch im Gehäuse montiert, welches aus einem nichtmagnetischem Werkstoff hergestellt wurde.

Leider ist bei dem vorgestellten Exemplar die magnetische Kompensationseinrichtung nicht mehr vorhanden. Die vorgesehenen Fixierungen wurden vermutlich noch während des Krieges fachmännisch aus unbekanntem Grund abgefräst. Oberhalb der Baugruppe befanden sich auf den drei Trägern zwei zusammengefügte Scheiben aus dem damals gebräuchlichem Kunststoff Bakelit. Diese übereinanderliegenden Scheiben waren drehbar und hatten einen ungefähren Durchmesser von 4 cm.

Aufsicht auf den Mutterkompaß. Die erkennbaren Spiralfedern dienen zum weiteren mechanischen Entkoppeln der Kompaßeinheit von den Vibrationen der Flugzeugzelle. Sie wurden ebenfalls aus einer nichtmagnetischen Legierung hergestellt. In dem kleinen runden Sichtfenster sind Teile der Kompaßrose sichtbar.

Die magnetische Kompensation erfolgte durch das Einschieben von Magnetstiften in die drehbare Bakelit-Scheibe. Damit erzeugte man ein zusätzliches magnetisches Korrekturfeld, welches durch die Flugzeugzelle, die etliche Bestandteile aus Eisenmaterial enthielt, notwendig war. Diese Arbeiten wurden u. a. auch auf der im Beitrag über den Flugplatz Großenhain genannten rotierbaren Kompensationsscheibe, auf der man das gesamte Flugzeug plazieren konnte, durchgeführt.

Nach den erfolgten Justierungsarbeiten zeigte der Bordkompaß dann unabhängig von der horizontalen Lage des Flugzeugrumpfes im Raum die exakte Nordrichtung an.

Abschließend gilt mein besonderer Dank dem kompetenten Experten, der hier namentlich nicht genannt werden möchte, für die Ermöglichung von Aufnahmen des oben vorgestellten Magnetkompasses aus seiner privaten Sammlung.

Die nachfolgenden Fotos vom kompletten Mutterkompass wurden durch Mike von lostplaces zur Verfügung gestellt, bei dem wir uns herzlich bedanken!


PeMü

Bei Fragen, Kritik und weiteren Tipps bitte Mail an: Peter

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