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Die ehemalige Giftgasfabrik ORGACID in Halle/Ammendorf


Ammendorf in Halle/Saale (Sachsen-Anhalt) ,hat ein giftiges Geheimnis. Lost. Der Blasen an Gliedmaßen und inneren Organen hervorrufende, langsam tödlich wirkende chemische Kampfstoff wurde hier während des so genannten Dritten Reiches produziert.

Ich zitiere hier auszugsweise aus dem Artikel „Gras drüber“ aus der Zeitschrift DER SPIEGEL – Ausgabe 3/95 Seite 64 (mit freundl. Genehmigung)


...Bis 1942 hatte in Ammendorf eine Gesellschaft mit Namen "Orgacid" den Kampfstoff S-Lost ("Senfgas") produziert, neben einem Werk in der Lueneburger Heide war Ammendorf der groesste Giftgashersteller in Deutschland. Nach Kriegsende vernichtete die Rote Armee, was sich aus den Giftbehaeltern der Orgacid GmbH noch absaugen liess. Ein Versuch, die Anlage mit den acht ins Erdreich vergrabenen Zisternen zu sprengen, scheiterte jedoch...

...So pumpten DDR-Techniker auch spaeter immer wieder Rueckstaende hoch, 1953 und 1954 beispielsweise 66,5 Tonnen reinen Kampfstoffs, einer Verbindung aus Chlor, Schwefel und dem Kunststoffvorprodukt Ethylen, sowie 900 Kubikmeter lostverseuchtes Grundwasser. Und selbst 1990 wurden noch an die 30 Tonnen Giftreste hochgespuelt. Laengst hatte sich das Zeug mit im Untergrund zirkulierenden Wasservorraeten vermischt...

...Wieviel Gift insgesamt versickert ist, blieb unerforscht. Auch die Anzahl sowie die Lage der Senfgasspeicher im Boden ist bis heute unbekannt; Bauplaene des Orgacid-Werks sind verschollen. Sicher ist nur, dass die Lostproduktion (insgesamt etwa 26 000 Tonnen) einst durch unterirdische Rohre in eine nahegelegene Abfuellstation mit Gleisanschluss gepumpt und dort auf Granaten und Bomben gezogen wurde...

...Nach Kriegsende erkrankten in Ammendorf Arbeiter, Passanten klagten oft ueber beissende Abluft aus der verkrauteten Truemmerhalde. Daraufhin riegelten DDR- Stellen das Areal hermetisch ab: Rund um die Uhr scheuchte die Volkspolizei neugierige Anwohner davon. Das Orgacid-Terrain, verfuegten DDR-Obere 1957, solle "auf 50 Jahre als Baugelaende gesperrt" bleiben...

...Die Kommune entschied sich fuer die Billigloesung: Die alten Lostbecken sollen lediglich mit Betonplatten und einer duennen Erdschicht zugedeckt werden. Darueber kann dann Gras wachsen...

...Lediglich in die Zisterne 6 kommt ein Stutzen, der die "gefahrlose Entnahme von Luftproben gewaehrleistet". Man kann ja nie wissen...

Zitat Ende

Quelle: DER SPIEGEL, 3/95, Seite 64


Restbebauung des Geländes


...lieber nicht reinschauen...


Ernstzunehmen !!!


die nördliche Ansicht des Geländes mit den Zisternen und Bunkern...


nochmals aus Norden


östliche Ansicht – so richtig mag oberhalb nichts wachsen.....


alter Kanaleinstieg...


Fundamentreste und rechts daneben der obige Kanaleinstieg


...nach stolpern über selbige freigelegt – verdeckelte steinalte Rohrleitungen....


...noch eine...


südöstliche Ansicht – mit vielbefahrener Straße...und auch nur Grasbewuchs...die Wölbung in der linken Bildmitte – darunter befindet sich ein doppelwandiger gefließter Produktions – Bunker – der in den 90`ger Jahren geöffnet und soweit wie möglich dekontaminiert wurde...


nördöstliche Ansicht – mit Pfeilen gekennzeichnet der separat gesicherte Bereich der Probenentnahmestelle...


südliche Ansicht mit der alten Gleisanbindung...


...interessanter Kanalverschluß auf einem Parkplatz der auf dem ehem. Werkgelände errichtet wurde...


westliche Ansicht mit ehem. Gleisanbindung

Abschließend sei noch gesagt - auch heute 2003 stinkt es bei feuchten oder Regenwetter aus einem teilkanalisierten und abgedeckten Graben noch bestialisch...........

W. Friebe

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