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Deutsche Gefechtsstände
Jeleñ- Konewka


Nach dem Ende des 2. Weltkrieges sind auf dem Gebiet Polens viele deutsche Betonbauten geblieben; Bunker, Schutzräume, unterirdische Gänge, die Teile der Abwehrlinien bildeten, Festungsanlagen, Gefechtsstände... Diejenigen, die sich für die Geschichte dieses Krieges interessieren haben sicherlich von dem Oder-Warthe-Bogen oder der Wolfsschanze gehört. Weniger bekannt, aber interessant wegen ihrer Konstruktion und nicht vollständig geklärter Bestimmung sind zwei Anlagegruppen in Jelen und Konewka in der Nähe von Tomaszow Mazowiecki.
Dieser Artikel ist der Meinung der Autoren nach die wahrscheinlichste Interpretation der Entstehung und der Kriegsgeschichte von diesen Objekten, untermauert durch jahrelange Untersuchungen und Analyse zugänglicher Materialien.
In den 30er Jahren hat Deutschland intensiv seine Armee ausgebaut und sie auf den Krieg vorbereitet. Die in damaliger Zeit moderne und starke Armee bildete verzweigte Führungsstrukturen; notwendig war der Bau oder die Anpassung von Objekten, die Gefechtsstandfunktion im Kriegsfall erfüllen sollten. Diese Objekte mussten einige Grundbedingungen erfüllen: sie mussten Sicherheit und ununterbrochene Arbeit der Oberkommando und der Armeestäbe im Falle eines Luftangriffes oder beim Angriff der Spezialkräfte des Feindes bieten, ein hervorragendes Fernsprech-, Telegramm- und Funkverkehrssystem besitzen, günstige Verkehrsanbindungen – Straßen- , Bahn- und Flugverbindungen haben, die leistungsfähige Kommunikation mit Kriegsschauplätzen, Berlin und wichtigen Industriezentren ermöglichen.
Nach der Aggression auf Polen im September 1939 und Übernahme von ihrer Territorien entfernte sich die östliche Grenze der durch Deutsche verwalteten Gebiete weitgehend von Berlin. Deutsche Führung stand vor einem Problem, neue im Hinterland der künftigen Front liegenden Gefechtsstände zu bilden, für den schon damals vorausgesehenen Krieg mit Sowjetunion. Das ergab sich aus der früher formulierten, in “Mein Kampf“ aufgestellten Doktrin, welche die Erlangung des Lebensraumes auf dem Gebiet von Sowjetunion und von ihr abhängiger Grenzgebiete zu einer der wichtigsten Aufgaben Deutschlands setzte. Grundsätzlicher Impuls zum Angriff auf die UdSSR war die Absicht einer territorialen Expansion, das Gewinnen von praktisch unbegrenzter Rohstoffbasis, die unabdingbar zur Erhaltung intensiver wirtschaftlicher Entwicklung Deutschlands und seiner Vorherrschaft in Europa war.
Schon am Ende von 1939 plante man die Bildung drei Gefechtsstände an der Demarkationslinie, die Polen zwischen Deutschland und Sowjetunion verteilte, in der Entfernung von 150 – 250 km von ihr. Das waren: “Anlage Nord“ in Ostpreußen, “Anlage Süd“ in Stepina und Strzyzow (20 km nördlich von Krosno, südöstlicher Teil Polens – Anm.d.Übers.) und zwischen ihnen – “Mitte“ in Jelen und Konewka.
Hitler war von der Angst um sein Leben besessen. Er mied Flugzeuge und reiste mit einem gepanzerten, speziell für ihn vorbereiteten Wagen oder mit persönlichem Sonderzug, über dessen Sicherheit Elitetruppen des RSHA, der SS und der Flugabwehr hüteten. Im Moment des Polenangriffes bildeten den Wagensatz dieses den Decknamen “Amerika“ tragenden Zuges zwei Lokomotiven, gepanzerter Flugabwehrwaggon mit einer Flakbatterie 2 cm, bedient von 20 Soldaten, Gepäckwaggon, Stabswaggon mit einer Funkzentrale, Führerwaggon, Geleitwaggon, zwei Speisewaggons, zwei Gästewaggons (Gäste, Ärzte, Adjutanten, Ministeriumsbeamten), Waschwaggon, zwei Schlafwaggons, Pressewaggon und Gepäckwaggon mit einer Flugabwehrstelle. Andere, durch die Deutschen im Krieg genutzten Sonderzüge waren: der Zug von Göring – “Asien“, von Keitl – “Afrika“, von Himmler – “Befehlzug Himmler“ oder “Heinrich“, von Ribbentrop – “Westfalen“, Oberkommando der Wehrmacht – “Atlas“. Die Stabszüge erfüllen seit dem Kriegsbeginn eine wichtige Rolle im deutschen Führungssystem – Gefechtsstände wurden so entworfen, dass man dem ganzen, aus 10-15 Waggons bestehenden Waggonzug Sicherheit bot. Die einfachste Lösung bildeten natürlich Schutzanlagen aus Beton oder die in Gesteine errichteten Tunnel, die so einen Satz fassen konnten und ein Minimum am Arbeitskomfort für Stabsoffiziere und Zugpersonal leisteten. Die Entscheidung vom Bau der Gefechtsstände in Jelen und Konewka ist vermutlich im Oktober 1939 beim Hitlers Besuch in der Residenz des polnischen Präsidenten in Spala getroffen worden. Diese Stelle war den deutschen Würdenträgern nicht fremd, weil in den Spala umliegenden Wälder Göring vor dem Krieg Jagten machte, hier weilte auch der Reichsaußenminister von Ribbentrop mit einem Besuch. Der mitten in den Wäldern, am Fluß Pilica gelegene Ferienort Spala gefiel den Deutschen. Schon im Frühherbst 1939 begann man mit Vorbereitungsarbeiten für den Bau von 2 Komplexen der Betonschutzanlagen. Sie sollten Schutz dem in Spala stationierten Stab der Armee “Mitte“ beim deutschen Angriff auf die UdSSR gewähren. Die Anlagen erhielten einen allgemeinen Decknamen “Anlage Mitte“.

JELEN

Den Bau des Komplexes in Jelen legte man in einem ca. 5 km südöstlich von Tomaszow Mazowiecki gelegenen Wald fest, zwischen der Straße und der Bahnlinie Tomaszow – Opoczno. Einen Zwillingskomplex baute man 2,5 km nördlich von Spala – im Ort Konewka. Er liegt bei einem Anschlußgleis, das eine große Sägemühle in Konewka mit der Bahnlinie Spala – Tomaszow Mazowiecki verbindet. Einfluss auf die Ortsbestimmung, außer der Nähe des elitären, aus der Vorkriegszeit stammenden Ferienortes Spala hatte recht gut entwickeltes Straßennetz, was in Polen der Vorkriegszeit selten war, günstige Bahnverbindungen mit Schlesien und frisch in Besitz genommene Wirtschaftsbasis – Zentrales Industriegebiet (ein in der Vorkriegszeit in Polen gebautes Industriegebiet ca. 100 km südlich von Warszawa/Warschau mit u.a. zahlreichen Waffenfabriken – Anm.d. Übers.). Nicht zu verachten waren auch örtliche Rohstoffvorräte und sie verarbeitende Betriebe: Sägemühlen, die bei dem Bau von Betonkonstruktionen unabdingbare Verschalungsbretter produzierten, Ziegeleien, Sand- und Kiesgruben (obwohl man Basaltbetonzuschlagstoff vermutlich aus Sudeten bezog), die näheren Zementwerke und auch die Möglichkeit, das Wasser der Pilica zu beanspruchen.
Mit dem Bau begann man im Frühfrühling 1940 als Investition der Chemischen Werke Askania, die als Tarnung für viele in Deutschland gebauten Geheimobjekte mit besonderer Militärbedeutung diente. Anfänglich beschäftigte man auf der Baustelle ca. 1300 Personen, überwiegend Deutsche aus der Gegend von Wien, Breslau und Nordrhein (obwohl bei den Hilfsarbeiten und beim Transport eine geringe Zahl Polen aus Pommern gearbeitet hat) – Quartier haben sie im Schulhaus im Dorf Bialobrzegi (2 km von Jelen entfernt) und in den Baracken in Tomaszow Mazowiecki bezogen. Zur Baustelle wurden sie mit den Bussen gefahren. Bis zur Baustelle führte man aus Tomaszow eine Stromleitung zu (bis zum Bunker in Bialobrzegi war das Freileitungslinie, weiter verlief unterirdisches Stromzuführungskabel), man baute von der Bahnstation Jelen ein Anschlußgleis, man umzäunte mit dem Drahtnetz oder dem Stacheldraht das Gebiet mit der Fläche von ca. 200 ha. Man begann mit den Fundamentgräben, die von 4 bis 15 m (?) in die Tiefe reichten. Die Bauarbeiten wurden in großer Eile durchgeführt, und auf die Baustelle kamen viele mechanische Geräte: Pumpen, Belüftungssysteme, stationäre Dieselmotoren, Stromgeneratoren und auch Werkzeugmaschinen. Auf dem ganzen Gebiet wurde ein kompliziertes, weit verteiltes Kanalisationsnetz angelegt. Aus Tomaszow in Richtung Jelen und Konewka wurden auf einem Tieffahrgestellanhänger mit 24 Rädern halbkreisförmige Elemente der Stahlbewehrung transportiert. Das dauerte vom April bis Oktober 1940. Die Pläne sahen in Jelen den Bau von einem 350 m langen Schutztunnel aus Stahlbeton, im Querschnitt in der Spitzbogenform, der am Fundament die Breite von 15 m und die Höhe von 9 m hatte. Entlang dem ganzen Tunnel verlief ein Korridor mit Höhe von 6 m, in dem zwischen den Betonbahnsteigen das Bahngleis gebaut wurde, welches das Einfahren des ganzen Wagensatzes ermöglichte. Der Tunnel hatte die Form von einer milden nach links abbiegenden Kurve, nur sein Endteil (ca. 80 m) war gerade. Neben dem Haupttunnel befand sich ein kleinerer Korridor, der in eine Reihe der verbundenen und mit gasdichten Schleusen versehenen Zimmer verteilt wurde. Neben der “Bahnschutzanlage“ begann man in der Hälfte ihrer Länge mit dem Bau von zwei verbundenen Objekten, die das Kesselhaus und das Kraftwerk (mit Dieselmotoren angetriebene Stromgeneratoren) beherbergen sollten. Den Kraftwerkkomplex verbanden mit dem Bahntunnel drei parallele unterirdische Belüftungs- und Anlagekanäle. Wie sich ein Zeuge erinnert – beim Kanalbau stürzte die Betondecke zusammen und begrub unter sich 14 Arbeiter. Der Zeuge bestimmte genaues Datum dieses Ereignisses – das war am 11 März 1940. Neben dem Kraftwerk situierte man einen zylindrischen Stahlbehälter für flüssige Brennstoffe mit dem Volumen vom 50 m3 , ein Stück weiter ein kleines durchbrochenes Betonobjekt mit dichtem Unterteil, in dem die Rohrüberreste erhalten blieben (ein Kühler vom Technologiewasser?). Hinter dem Kesselhaus erbaute man einen frei stehenden Schornstein, der mit dem Kesselhaus mit Kanälen aus Marmor verbunden ist. Neben dem Hinterteil des Bahntunnels baute man ein Betonobjekt, in dem vermutlich eine Wasseraufbereitungsanlage, ein Pumpwerk und Behälter vom Wasser, das den unteren Objektteil füllte verbarg. Auf dem Gebiet befanden sich auch zwei Feuerlöschbecken, ein Tiefbrunnen und Kanalisationssammelkanal mit einem Pumpwerk und Abwasser- und Wasserabführung in den 1 km entfernten Bach. Außer dem schon erwähnten Brunnen wurde eine Wasserentnahme (Tiefbrunnen in einem Betonschutzraum) in Bialobrzegi gebaut und mit Jelen mithilfe von einer 2 km langen Rohrleitung verbunden. Das Gebiet wurde mit mindestens zwei Reihen Stacheldraht und Drahtnetz umzäunt. Mache Zeugen berichten von drei Sicherheitszonen und Minenfeldern, die Zugang zum Objekt versperrten. Auf dem Bahntunnel sah man Stahlelemente zur Befestigung von Tarnnetzen voraus, die Zeugen erzählen von den auf dem Tunnel wachsenden Wacholdersträuchern und den zu den Stahlbalken befestigten Bäumen, von denen heutzutage nur morsche Stämme blieben. Zusätzlich beim hinteren Teil des Schutzbunkers ergänzte man den fehlenden Waldteil durch in Betonblumentüpfe gesetzte große Bäume. Auf den Decken anderer großen Objekte baute man mit Dachpappe bedeckte Satteldächer, die der feindlichen Luftaufklärung suggerieren sollten, das es sich um Bauernhöfe (z.B. Scheunen) handelt.

KONEWKA

Ein Zwillingskomplex in Konewka bestand aus ähnlichen Objekten, die ein bisschen anders gegenüber dem Schutztunnel standen. Der einzige wesentliche Unterschied war, dass der Tunnel um 40 m länger und gerade in seiner ganzen Länge war. Solche Bahntunnel mit ähnlicher Bauweise errichteten Deutsche in jener Zeit in Nordfrankreich und in Österreich.
Wichtig war die Sicherung der äußeren Zone der Anlagen. Insofern in Jelen keine festen Anlagen existierten als in der Nähe von Konewka gelungen ist, einen nach dem Krieg gesprengten Vierschießschartenbunker zu finden, der den Objekten in Stepina ähnelt, und 10 – 12 km nordwestlich von Konewka im Ort Skrzynki befindet sich ein Komplex der Luftschutzräume, gebaut vermutlich in der gleichen Zeit wie in Konewka. Zwischen den Bunkern befinden sich Postamente und Fundamente aus Beton, die hier von dem Vorhandensein der technischen Einrichtungen zeugen. Alle diese Tatsachen lassen vermuten, dass der Komplex in Jelen eine Ersatzfunktion für Konewka erfüllte. Vermutlich schon im Herbst 1940 war das Objekt zur Aufnahme und Bedienung des Stabszuges fähig, obwohl der Bau noch nicht vollendet war. Mal soll nicht vergessen, dass die Stabszüge die Bunker nur im Fall einer direkten Gefahr eines Feindangriffes beanspruchen sollten. Die deutschen Offiziere wollten ihre Pflichten in einer angenehmer Umgebung als die Betonwände des Bunkers erfüllen. Die Stabszüge stationierten oft auf den Anschlußgleisen im Wald oder kleinen Stationen, die sorgfältig gegen die Möglichkeit, vor der Luftaufklärung erkannt zu werden getarnt wurden. Damalige russische Luftwaffe war übrigens überholt und durch die von Stalin in den 30er Jahren im Führungskader durchgeführten Säuberungsaktionen desorganisiert.
Es ist bekannt, dass in der Nähe von Spala der Stab der Armee “Mitte“ in den Jahren 1940-41 stationierte, dort befand sich auch der Wehrmachtstab in General Gouvernement, unter der Führung zuerst von General Blaskowitz, dann von General Graf von Gienanth; Vermutlich weilte auch in Spala Hitler vor dem Angriff auf die Sowjetunion, es gibt jedoch keine direkten Informationen über den Aufenthalt der Stabszüge in Jelen oder Konewka.
Die Bedeutung der “Anlage Mitte“ ist nach dem deutschen Angriff auf UdSSR im Juni 1941 geringer geworden. Der schnelle Vormarsch der deutschen Truppen hinter sich zurückziehender Roten Armee verringerte schon in den ersten Kriegstagen sowieso geringe Angriffmöglichkeit seitens russischer Luftwaffe, es ergab sich aber die Notwendigkeit, dass die Stabs der sich nach Osten entfernenden Frontlinie folgten. Ein anderer die Nutzbarkeit der Anlage begrenzender Faktor war der im Herbst 1940 begonnene Bau der FHQ “Wolfsschanze“ in Ostpreußen in der Nähe von Rastenburg. Dort befand sich auch Oberkommando der Wehrmacht und eine Fernmeldeanschlußstelle, und in den masurischen Wäldern entstanden schnell die Quartiere weiterer Waffengattungen – in Mauerwald am Przystansee entstanden die Bunker der Oberkommado des Heeres, in Passessern die Quartier des Reichsführers Heinrich Himmler, Göring baute die Luftwaffequartier in Britenheide in der Pilskaheide. Überdies richtete in Nikolaiken Abwehr ihre Zentrale mit der Abteilug “Fremde Heeren Ost“ ein (in einer Festung aus dem XIX. Jh in Lotzen), und in dem Palast der Familie Lehndorf in Gr. Sternort hatte der Außenminister Joachim von Ribbentrop seine Residenz. Je nach wachsender Konzentration des deutschen Führungssystems in Masuren schrumpfte die Funktion der “Anlage Mitte“ zu einem zweitrangigen Ersatzgefechtsstand. Am Ende 1941 bildete man in der Nähe von Spala die Schullager für freiwillige Hilfstruppen, die von den Bewohnern der von Deutschen eroberten Gebiete einberufen wurden (überwiegend Ukrainer, Kosaken, Menschen aus Armenien und Georgien, Russen, Turkmenen). Die Kampftruppen trugen die Bezeichnung Freiwilligen-Verbände, die in Wehrmacht oder in der Polizei dienenden Hilfstruppen – SS-Hilfswillige (Hiwis).
Im 1943 unterlag die Situation Deutschlands einer weitgehenden Verschlechterung; die Stalingrad-Niederlage, das Frontanhalten in Kaukasus, ohne die Erdölquellen im Kaspischen Meer zu erreichen, andererseits der Beginn im August 1942 der Massenluftangriffe durch die englische und amerikanische Luftwaffe auf die deutschen Industriezentren schwächte beträchtlich die Möglichkeiten deutscher Wirtschaft. Die Produktion ist drastisch zurückgegangen. Um die Verluste zu begrenzen begann man laut der Entscheidung des Reichswirtschaftsministers Albert Speer die Fabriken außerhalb der Reichweite der alliierten Luftkräfte zu verlegen, ins Reichsinnere und in die besetzten Gebiete, in die Bergwerke, speziell errichteten Bergstollen oder in die fieberhaft gebauten unterirdischen Fabriken. Man benutzte auch Objekte, die nach Anpassung den Schutz der Fertigungsstraßen gegen Luftangriffe boten. Solche Objekte waren u.a. die riesigen Bunker in Jelen und Konewka. Auf der Liste der Codezeichen vom 6 Juli 1944 (der sog. Geilenberg-Plan), welche die Verlagerung der Rüstungsindustriebetriebe in die unterirdische Anlagen betrafen tritt ein Deckname “Goldamsel“ auf, der “Reichsbahntunnel Tomazew“ bestimmt. Ähnlich unter der Nummer 2006 gibt es in dieser Dokumentation “Goldamsel“ unterbracht anstelle von “Reichsbahntunnel Tomaczew“. In einer Unterlage vom 4 August 1944, welche die Verlegung der Industrie in die Tunnel betrifft, tritt dagegen unter der Nummer 28: Deckname und Ort: “Führerzugtunnel Tomaschew, nordöstlich Litzmannstadt – Goldamsel“, genutzte Fläche 2.800 m2 , Firma: “Bruim GmbH. Warschau, Erzeugnis: Verladungsgeräte, Anmerkungen: verlegen am 23 Juni 1944“. Bereits im 1943 fuhren in die Tunnel immer öfter Güterzüge ein. Die Wagensätze, die ca. 35-38 Waggons zählten enthielten oft Eisenbahnkesselwagen. Unter hiesigen Bewohnern tauchten verschiedene, oft phantasievolle Erzählungen von der Produktion in den Bunkern auf. Man erwähnte die Herstellung von rückstoßfreien Mehrlaufgeschützen, Munition, Elementen der V1 und V2, chemischen Waffen, synthetischen Treibstoffen ...
Jedoch betreffen die ersten glaubwürdigen Zeugenberichte erst 1944 – in ihnen stand, dass ... man in den Komplexen in Jelen und Konewka Abteilungen der Daimler-Benz-Filiale in Tomaszow bildete. Hier gab es Werke, wo man Flugzeugmotoren demontierte und Ersatzteile gewann, dazu kam ein Lager mit diesen Ersatzteilen. Vermutlich wurden sie dort auch instandgesetzt. Die Motoren und ihre Teile wurden mit Zügen geliefert. Vor der Einfahrt auf das Gebiet wurde die polnische Zugmannschaft durch eine deutsche ersetzt. Bei Entladung wurden die russischen Kriegsgefangenen beschäftigt, sie verrichteten auch die Schwerstarbeiten; sie wuschen und putzten die gebrachten Motoren, dann zerlegten sie in Teile und transportierten ins Lager. Im Lager, zu dem die Russen keinen Eingang hatten arbeiteten Zwangsarbeiter aus Tomaszow und der Gegend – sie legten die geputzten und sortierten Teile in die auf den Rampen stehenden Regale. Außerhalb des Bunkers befanden sich die Motorerprobungsstellen. Die Arbeiten wurden durch Deutsche geleitet, und das Objekt bewachten zahlreiche Wachposten. Laut eines von Zugen wurden auch die Flugzeugmotoren von BMW instandgesetzt. Im Oktober 1944 wurde die ganze Betriebsausrüstung demontiert und mit einem Bahntransport mit den Kriegsgefangenen und einem Teil der Arbeiter in unbekannter Richtung ausgefahren.

FINALE

Nach dem Kriegsende wurden alle Objekte durch die polnische Armee übernommen, der Komplex in Konewka gehört bis heute zu einer in Glinnik stationierten Luftwaffeeinheit, er wird jedoch nicht benutzt. Das Gebiet ist umzäunt und wird bewacht – aus diesem Grunde blieben in den Objekten viele originale Baudetails erhalten. In den Bunkern von Jelen hatten seit den 60er Jahren bis 1993 die Lagerräume der Fischzentrale ihren Platz, heutzutage stehen die Objekte verlassen, sie sind devastiert und es werden die Reste der hier noch vor kurzem vorhandenen Installationen gestohlen.
Die Geheimnisse der Spaler Bunker – “Görings Bunker“ wie man sie genannt hat erwecken seit dem Krieg bis heute viele Emotionen. Ihnen wurden einige zehn Artikel in der Presse gewidmet, hier wurden einige Fernseh- und Radioreportagen aufgenommen, und unter hiesigen Bewohnern kreisen phantasievolle Erzählungen von den Anlagen. Man spricht von den unterirdischen Stockwerken und den Radsatzsenken, die die Einfahrt und das Senken des vollen Wagensatzes auf eine untere Ebene ermöglichen sollten, von einem Jelen und Konewka verbindenden Tunnel, in dem ganze Züge fuhren, von den unterirdischen Produktionshallen und den Kraftstoffbehältern. Die Aufmerksamkeit erweckt große Zahl der hydraulischen Geräte, Behälter, Wasserentnahmen, Reste der Rohrleitungen und Kanalisation...
Viele Personen versuchten, mit verschiedenem Erfolg aber mit großem Engagement die Rätsel aufzuklären. In den 60er Jahren versuchten die Taucher vom Klub “Tryton“ aus Lodz den mit Wasser gefüllten technischen Kanal zwischen dem Bahntunnel und dem Kraftwerk in Konewka zu passieren. Im Weg stand eine Stahltür, die von der nächsten Mannschaft nicht festgestellt wurde; auch sie passierte den Kanal wegen der fehlenden Sicht im verschlämmten Wasser nicht ...
Am Ende der 60er Jahre interessierte sich für den Komplex der Lodziaer Explorationsklub “Labirynt“, angeregt durch Informationen des Gründers und des ersten Vorsitzenden des Klubs – Krzysztof “Hrabia“ Kosel. In Jelen erschienen “die Bunkermenschen“, denen die Fischzentrale ermöglichte, das Lager in einem der ihr gehörenden Objekte zu bilden. Die Klubmitglieder richteten dort Gerätelager, Kantine, Feldküche ein, in den Bunker stellte man vor der näheren Militäreinheit übergebene Etagebetten und Tische, man führte Strom zu und richtete Beleuchtung ein. Das Lager bildete für Klubmitglieder eine Basis zur Erforschung der Objekte in Jelen.
Ein der Geheimnisse des Bahntunnels war der fehlende kleine Abschnitt des entlang dem Bunker verlaufenden Korridors. Dieser Korridor endete an einer Stelle mit einer Betonwand, um nach 12 m weiter von der gleichen Wand zu beginnen und in Richtung Tunnelende zu verlaufen. Das sah so aus, als betonierte man einen Teil von ihm ein. Das suggerierte, dass man hier den Eingang in die unterirdischen Stockwerke des Bunkers getarnt hat. Von den Stockwerken kreisten unzählige Eingeborenenerzählungen, die durch die Untersuchungen der um das Gebäude herum kreisenden Radiästheten untermauert wurden. In Einsatz kamen Pendelhammer, Widiametallbohrer, Sprengstoffe. Der Beton erwies sich jedoch als hart. Man höhlte ein 2,5 m tiefes Loch aus, aber die massive Wand aus Stahlbeton reichte noch weiter. Die Bunkermenschen gaben auf – es fehlte an genügend langen und harten Bohrern zur Arbeitfortsetzung. Dann begann man mit einem unter den Bunker führenden Graben an seinen Außenwänden. Am Anfang holte ein Bagger die Erde aus, dann arbeitete man mit der Hand. An der Bunkerwand bis zur Tiefe von ca. 1,6 m erstreckte sich eine das Fundament umgebene Ziegelmauer, und noch tiefer 40 cm dicke Betonstreifenfundament. Unter dem Bunkerboden holte man einen einige Meter langen Gang aus, der sich am Ende gabelte. Bei der Ausführung von zwei Gängen von beiden Bunkerseiten stieß man nicht auf Existenzspuren von unterirdischen Stockwerken.
In 1990 versuchten die Klubmitglieder, das Wasser aus den Instalationskanälen und dem zweistöckigen Abwassersammler auszupumpen. Zwei einige Stunden lang arbeitende Motorpumpen der Feuerwehr brachten es nur zustande, den Wasserspiegel kaum mehr als einen Meter zu senken, und nach dem Pumpenende erhöhte sich der Wasserspiegel innerhalb von wenigen Stunden zum Anfangsstand. Später machte man auch den Abschnitt des Abwassersystems, der die obere Ebene des Abwassersammlers mit dem ein Kilometer weiter verlaufenden Bach oder Entwässerungskanal verband durchlässig – weitere Versuche, das Wasser auszupumpen wurden nicht unternommen, denn es fehlten Möglichkeiten, genügend leistungsfähige Pumpen zu holen. Es gab auch einige Tauchversuche in dem Sammler in Jelen und dem Instalationskanal in Konewka. Bei einem von diesen Versuchen, gerade in Konewka ist es dem Klubtaucher gelungen, den überschwemmten Instalationskanal aus dem Kraftwerk in der Nähe des Bahntunnels zu passieren. Er schlug 55 m unter Wasser, aber der Schlamm, Nullsicht und das Fehlen an voller Sicherung erlaubten ihm nicht, weiter zu waten. Tauchversuche in dem ähnlichen Kanal in Jelen wurden nicht unternommen, weil die Arbeiter der Fischzentrale einige zehn Jahre die Salzlake aus den Heringfässern in den Kanal ausgossen. Bis heute fand sich kein Wagehals, der im noch nach Heringen stinkenden Wasser tauchen würde.
Eingeladen vom Klub, im Rahmen der Diplomarbeiten führten die Schüler der Lodzaier Techniken für Geodäsie und Bauwesen bis jetzt in Polen nicht existierende Geodäsiekarten der Komplexe in Jelen und Konewka aus und machten Vermessungen und erste technische Zeichnungen der Objekte. Zur Zeit entsteht in Form von Zeichnungen und Fotos ein ausführliches Verzeichnis der dort vorhandenen Objekte.
“Görings Bunker“, die seit über 50 Jahren in den Wäldern von Spala stehen wuchsen in die Landschaft der Erholungs- und Feriengebiete zwischen Sulejower Haff und Spala. Heute brauchen sie keine Tarnnetze – mit Moos bewachsene Schutzanlagen kann man zwischen den Bäumen schwer merken. Obwohl es nicht bekannt ist, dass diese Bunker jeweils von Göring besucht worden sind ziehen ihre Geheimnisse an jedem sonnigen Tag viele Besucher an. Schade nur, dass die Objekte in Jelen nicht mal provisorisch gegen vorgehende Devastation gesichert sind, Beton übersteht noch Jahrzehnte, aber jedes Stahl-, Holz- oder Ziegelstück wird aus dem Bunkerinneren systematisch ausgerissen (in der letzten Zeit riß man einen Teil der einzig völlig erhaltenen Panzertür aus) ...
Immerhin bleiben viele Fragen über die Vergangenheit dieser Objekte unbeantwortet. Wenn jemand von den Lesern welche die Geschichte der Objekte in Jelen und Konewka betreffenden Fakten kennt bitten wir um Kontaktaufnahme mit dem Lodziaer Exporationsklub “Labirynt“, über die Redaktion.

Juliusz Szymañski
Mariusz K. Sawicki
Krzysztof Pietrzak

Übersetzung: Andrzej Mazul- Guty


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