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Das Schloß Fürstenstein in Niederschlesien (Polen)

EINE FÜR HITLER GEPLANTE UND UNVOLLENDETE RESIDENZ


Das hier vorgestellte Bauwerk befindet sich wenige Kilometer nördlich der niederschlesischen Stadt Waldenburg (Walbrzych) im heutigen Polen. Der polnische Name des nach dem Krieg umbenannten Schloßes Fürstenstein ist KSIAZ.

In den Jahren 1288 - 1291 erbaute Bolko I., Herzog von Schlesien, die alte Burg Fürstenstein. In den folgenden Jahrhunderten war diese Anlage in viele Kriegswirren verwickelt, was darin gipfelte, daß nach dem Dreißigjährigen Krieg (1618 - 1648) die gesamten Befestigungsanlagen des Schloßes geschliffen wurden.

Danach erweiterte Conrad Ernst Maximilian von Hochberg, dessen Familie seit 1509 das Schloß bewohnte und es im Jahre 1605 für 72 000 Taler kaufte, das Bauwerk um den gewaltigen Barockflügel. Weiterhin wurden etliche Wirtschaftsgebäude neu errichtet.

Zwischen 1908 - 1923 wurden im Stil der Neurenaissance der West- und der Nordflügel angebaut. Der Westflügel ist von zwei mächtigen Türmen flankiert. Dem eigentlichen Schloßturm wurde eine Renaissance-Haube aufgesetzt, wodurch er eine Höhe von 47 m erreichte. Damals erhielten auch die Schloßterrassen ihr heutiges Aussehen. Es handelte sich dabei um die letzten umfangreichen Erweiterungen vor dem 2. Weltkrieg.

 

Folgendes Bild zeigt einen Blick in den wunderschönen Maximiliansaal des Schloßes. Er wurde im Zuge der Sanierung der Schloßinnenräume, die ab 1960 begann, mit künstlerischem Können liebevoll restauriert. Dieser Saal dient heutzutage u.a. auch als Konzertsaal. Das zweite und dritte Obergeschoß des Schloßes sind im Zustand von 1945 verblieben. Als 1945 die Truppen der Roten Armee kamen, plünderten sie das Schloß vollkommen aus. Das Parkett wurde herausgerissen, die kostbare Inneneinrichtung zerstört und die berühmten Gartenterrassen verwüstet. Auch das Mausoleum und andere Gebäude des Schloßkomplexes wurden ausgeplündert.

Hans Heinrich VII. von Hochberg siedelte 1932 nach England über und bekam dort die englische Staatsangehörigkeit. Er trat daraufhin in die englische Armee ein. Sein Bruder Alexander kämpfte dagegen in den polnischen Streitkräften gegen Hitlerdeutschland.

Daraufhin wurde 1941 das Schloß Fürstenstein, das einst als "schlesische Perle" bezeichnet wurde, mit der Begründung des Verrates am Vaterland von den deutschen Behörden beschlagnahmt. Verantwortlich für diese Maßnahme war ein Staatssekretär Meißner. Das Bauwerk wurde dem Gauleiter Karl Hanke unterstellt, aber später als Ausweichstelle der Reichsbahndirektion Breslau zugewiesen. Die Reichsbahndirektion mußte aber nach heftigen Auseinandersetzungen mit Staatssekretär Meißner und der Organisation Todt ihre Büros bald wieder aufgeben.

Im Jahre 1943 erschien dann die Organisation Todt mit 1000 Mann im Schloß, da die Anlage als Residenz für Adolf Hitler umgebaut werden sollte. Fast alle früheren Bewohner wurden ausgesiedelt. Innerhalb des Schloßes wurden gravierende Eingriffe in die Bausubstanz vollzogen. Das neu einzubringende Mobiliar, über 300 Schlafzimmer und die gesamte Einrichtung des Berliner Schloßes Bellevue, lagerte man bis zur Fertigstellung der Baumaßnahmen in Salzbrunn ein.

Im Baubüro waren 35 Architekten beschäftigt. Das Gobelinzimmer und das Italienische Zimmer des Schloßes baute man speziell für Adolf Hitler um und versah es außerdem mit einem Bad.

Weiterhin wurden unter dem Schloß durch die Organisation Todt große Stollensysteme in zwei verschiedenen Ebenen, 15 und 50 Meter unterhalb des Schloßhofes, aufgefahren. Von diesem Schloßhof teufte man einen gewaltigen Fahrstuhlschacht mit einem Durchmesser von 6 Metern bis in 50 Meter Tiefe ab. Das oben erwähnte, für Hitler vorgesehene Gobelinzimmer, wurde ebenfalls mittels eines Fahrstuhlschachtes an das untertägige Stollensystem angebunden.

Es existierte damals auch eine Bahnverbindung mit Nieder-Salzbrunn. Die Zahl der Arbeiter und Häftlinge für den Stollenbau war bis auf ca. 2000 angewachsen, später kamen nochmals 1000 weitere Arbeitskräfte hinzu. Davon stammten allein 800 jüdische Häftlinge aus dem KZ Groß-Rosen und dem dazugehörigen Außenlager AL Riese. Für die Zeitdauer der Arbeiten wurden etliche KZ-Häftlinge in einem Lager interniert, dessen Reste sich in der Nähe des heutigen Parkplatzes vor den Mauern des Schloßes finden lassen. In diesem Lager waren mindestens 1000 Menschen untergebracht.

Das obere Stollensystem auf 15 Metern Teufe ist voll betoniert und mittels eines MG-Wachraumes gesichert. Die Breite der Hohlgänge beträgt ca. 1, 50 Meter, die Höhe liegt bei 2, 80 Metern. Dieses System ist durch ein unvollendetes rundes Treppenhaus mit dem Erdgeschoß des Schloßes verbunden. Über einen zusätzlichen Aufzug konnte man außerdem alle Etagen des Schloßes erreichen. Das obere Stollensystem verbindet das Schloß mit der Terrasse und dem großen Hauptschacht vor dem Portal auf dem Schloßhof.

Das untere Stollensystem befindet sich dagegen, wie schon oben erwähnt, in 50 Metern Teufe. Es verfügte über drei Eingänge auf der nördlichen Seite des Schloßberges, sowie einen Eingang auf der südlichen Seite. Nachstehendes Foto zeigt den gesprengten Eingangsbereich von Stollen 3 des unteren Stollensystems.

Die Stollen unter dem Schloß Fürstenstein sind heutzutage nicht öffentlich zugänglich, da in diesem Kammersystem hochempfindliche Gravimetriemeßgeräte und teure seismologische Apparaturen des Geophysikalischen Institutes PAN untergebracht sind. Team-Delta wurde aber eine offizielle Möglichkeit zur Besichtigung und zum Fotografieren der Anlage eingeräumt.

Das Mundloch von Stollen 2 ist mit einem neuen, massiven Betonverbau versehen, durch den die Mitarbeiter des Geophysikalischen Institutes Zugang zu den gewaltigen Tunneln unter dem Schloß Fürstenstein haben. Alle Stollen und Eingangsbereiche sind verständlicherweise mittels aufwändigen Alarmsystemen entsprechende gesichert, so daß im Notfall sofort die polnische Polizei vor Ort sein kann.

Folgende beiden Bilder zeigen den Eingangsbereich von Stollen 2.

Die vier schmalen Zugangsstollen zu den Haupttunneln sind nicht betoniert. Diese Stollen besitzen eine Länge von ca. 60 bis 90 Metern, die Breite beträgt ca. 2, 50 bis 4, 00 Meter, die Höhe beläuft sich auf ca. 2, 20 bis 3, 00 Meter.

Folgendes Bild zeigt ein Detail aus dem Schleusenbereich des Stollenmundloches 2. Hinter der erkennbaren massiven Stahlgittertür beginnt der eigentliche Stollen 2, der in das Hauptsystem unter dem Schloß führt.

Das nachstehende Foto gewährt einen Blick in diesen ca. 60 Meter langen, unbetonierten Zugangsstollen. Die eingebrachte Firstsicherung aus folieverblendeten Netzen dient dem Schutz der Institutsmitarbeiter.

Nach dem Passieren des Zugangsstollens gelangt man in den ausbetonierten Bereich des Stollensystems. Der gesamte Betonausbau ist noch auf die Organisation Todt zurückzuführen. An vielen Stellen der Stollen sieht man lange Stalaktiten aus Kalk, der durch das Grundwasser im Laufe der Zeit aus dem Beton gelöst wurde.

Die Bereiche des Kammersystems, in denen sich die geophysikalischen Meßinstrumente befinden, sind mit einem Verbau aus robuster, durchsichtiger Plastikfolie vor dem Grubenwetter geschützt. Auf nachfolgendem Bild öffnet gerade ein Institutsmitarbeiter eine vertikale Schiebetür, durch die man in den geschützten Bereich eintreten kann.

Der Institutsmitarbeiter erläutert uns auf dem folgenden Bild einen unter Wasser stehenden, unbetonierten und im Auffahrungszustand befindlichen Stollen, der an der gezeigten Stelle beginnt und diese Querkammer mit dem Zugangsstollen 1 verbindet. Hinter der im Vordergrund befindlichen Folienabsperrung wird demnächst ein neues geophysikalisches Meßgerät installiert.

Auch andere Tunnelbereiche sind mit einem entsprechenden Folienverbau getrennt, um negative Effekte auf die Meßapparaturen durch das ziehende Grubenwetter zu vermeiden. Die beiden nachstehenden Fotos gewähren einen Blick auf einen weiteren Folienverbau und auf den Bereich des Tunnels, der sich dahinter erstreckt.

In einer Seitenkammer mündet im First eine große Kernbohrung, durch welche die entsprechenden Elektrokabel zur Versorgung der elektrischen Installationen des Stollensystems von der Erdoberfläche hinabgeführt werden. Auch die Telefonkabel und die Signal- und Steuerleitungen des Alarmsystems wurden durch diese Kernbohrung verlegt, wie folgende beiden Bilder veranschaulichen.

Aufgrund der Aussagen von deutschen Zeitzeugen, die während des Krieges in Waldenburg wohnten, geht hervor, daß die Hauptarbeiten im Stollensystem zwischen dem 12. und 26. Februar 1945 zum erliegen kamen. Nach dem 26. Februar sollen in den untertägigen Bereichen umfangreiche, geheimgehaltene Tarnmaßnahmen durchgeführt worden sein. Für diese Arbeiten gibt es leider keine entsprechenden Zeitzeugen.

Ein ehemaliger Häftling, ein Herr Jahn Weiß, war bis Februar 1945 beim Vortrieb der Stollen unter dem Schloß Fürstenstein eingesetzt. Er wurde dann in das KZ Buchenwald überstellt und überlebte aufgrund der Befreiung des Lagers durch die amerikanischen Truppen. Nach dem Krieg siedelte er nach Philadelphia in die USA über. Dieser Herr besichtigte im Jahr 1991 noch einmal die Stollen seiner vergangenen Zwangsarbeit. Dabei fiel ihm auf, daß die Tunnelbereiche, die damals im Februar 1945 noch nicht betoniert waren, mittlerweile einen Betonausbau besaßen. Diese Betonierarbeiten wurden nachweislich nicht nach Ende des Krieges durchgeführt und gehen
offenbar auf die damals durchgeführten Tarnmaßnahmen zurück.

Herr Weiß ist der Meinung, daß sich an einer bestimmten Stelle hinter der meterdicken Betonwand noch eine große Kammer oder Halle verbirgt. Diese Aussage wird von einem anderem Zeitzeugen, einem Herren Sitkowski aus Warschau, bestätigt. Er arbeitete damals als Tischler in diesem Stollensystem und erinnert sich ebenfalls noch an diese Halle.

Offenbar führten die Deutschen in den letzten Kriegsmonaten doch eine Reihe von umfangreichen Tarnmaßnahmen in dem Tunnelsystem durch. Der Sinn dieser Arbeiten ist völlig unklar, die Vermutungen reichen von der Verbringung von Kunstschätzen bis hin zur Einlagerung von Geheimdokumenten. Entsprechende Forschungsarbeiten, wie z.B. Kernbohrungen oder ähnliches, sind leider aufgrund der Anwesenheit des Geophysikalischen Instituts in diesem Kammersystem völlig unmöglich. Die hochempfindlichen Meßapparaturen würden durch diese Arbeiten irreparabel beschädigt werden.

Folgendes Bild zeigt einen hohen, betonierten Stollen mit einem Querschnitt, der sich von den anderen Stollen gravierend unterscheidet. Dieser Stollen führt in Richtung des Schloßes, da Teile des Stollensystems außerhalb des Schloßareals liegen.

Durch einen Anwohner aus der Ortschaft Walim, die im Gebiet der eigentlichen Riese-Anlagen liegt, wurde uns folgendes mitgeteilt: Alte Anwohner der Stadt Waldenburg sprechen davon, daß es angeblich auch einen untertägigen Eisenbahnanschluß von einer nahegelegenen Bahnlinie in die Stollen unter dem Schloß Fürstenstein gegeben haben soll. Beweise gibt es allerdings für diese Behauptung nicht. Falls Fürstenstein doch ein FHQ werden sollte, so macht aber die untertägige Einstellung des Führerzuges durchaus Sinn.

Nachstehendes Foto bietet noch einmal einen Blick in einen Stollen mit dem normalen Querschnitt, wie er sonst in diesem untertägigen System Verwendung fand. Interessant sind auch die aus der seitlichen Stollenwandung herausragenden Armierungsstähle.

Das letzte Bild zeigt erneut den Bereich des Mundloches von Stollen 2 am Ende unserer Befahrung. Alle eisernen Verschlußtüren sind besonders stabil ausgeführt, um Unbefugten ein Betreten dieses Stollensystems unmöglich zu machen. Diese Maßnahmen sind verständlich, da durch ein unbefugtes Eindringen die laufenden Forschungsarbeiten völlig zunichte gemacht würden. Die Fläche des heute noch bekannten und erreichbaren Teils dieses untertägigen Kammersystems beträgt ca. 3200 Quadratmeter, das Volumen liegt bei ca. 13 000 Kubikmetern.

Abschließend möchte ich mich bei den Mitarbeitern des Geophysikalischen Institutes PAN für die Ermöglichung der Befahrung dieses Stollensystems und die dabei erfolgte freundliche Unterstützung recht herzlich bedanken.

PeMü

Alle Fotos Copyright PeMü!!

Vielen Dank auch an unsere Ulli, die diesen Beitrag freundlicherweise kontrollgelesen und korrigiert hat!

 

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