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Ebay - mit Vollgas bergab?

Ich hatte es mir geschworen: Keine Werbung auf die TD-Seiten. Und ohne Gegenleistung schon gar nicht. Trotzdem prangen da jetzt die Banner von Hood und Auvito - beides kostenlose Auktionshäuser. Wie konnte es dazu kommen?

Alles begann am Anfang des Jahres 2008. Da hatte man bei ebay eine Vision. Sicherer sollte der Marktplatz werden. Und käuferfreundlicher. Angeblich hatte man festgestellt, daß Käufer wegrennen. Weil sie rachebewertet wurden. Darunter versteht man bei ebay, das ein Verkäufer nach Erhalt einer negativen Bewertung zurückschlägt - also ebenfalls eine negative Bewertung abgibt. Wie weit es dazu belastbare Zahlen gab, weiß keiner zu sagen. Viele der angeblichen Rachebewertungen entpuppten sich bei genauerem Hinsehen jedenfalls als Ergebnis des Wirkens automatischer Bewertungssysteme (ein Roboter gibt eine Bewertung ab wie die, die der Kunde abgegeben hatte) oder als berechtigte Kritik des Händlers am Kunden. Solche Kleinigkeiten jedoch stören einen Weltkonzern nicht. Die Vision mußte irgendwie umgesetzt werden. Natürlich ohne eigene Arbeit zu investieren. Was also tun?

Schritt 1: Man erhöht die Gebühren

Natürlich nennt ebay das anders - es heißt Gebührenanpassung. Was nichts daran ändert, das die Gebühren im Februar 2008 um bis zu über 60% erhöht worden sind. Nun wird mancher sagen: Moment mal, es gibt ja die Volksauktion. Einstellen für private Verkäufer ab 1 Euro Startpreis für 0 Euro einschließlich Galeriebiild - also für lau. Na ja, ebay nimmt aber auch vom verkauften Artikel seinen satten Anteil. Die Preise sind im Vergleich zur eher bescheidenen Leistung von ebay nicht als niedrig zu bezeichnen und stehen in keiner Relation zum Service.

Schritt 2: Man erfindet die Detailbewertungen

Der Käufer kann anonym (=braucht er ja nicht verantworten) den Käufer in folgenden Kategorien bewerten:

Dazu kann er 1 bis 5 Sterne verteilen - deren Bedeutung nirgends so richtig erklärt ist. Der logische Menschenverstand sagt, wenn 5 Sterne sehr gut sind, dann wäre es bei 4 Sternen eben gut, bei 3 befriedigend etc. Nur - ebay sieht das anders,

Interessant auch die subjektive Fragestellung der Bewertung. Was ist beispielsweise eine angemessene Versandzeit? Oder warum bewertet der Käufer nun plötzlich die Gebühren für Versand und Verpackung?? Denen hat er doch mit Gebotsabgabe zugestimmt! Warum sollen die nun plötzlich unangemessen sein?

Das wäre einfach nur ärgerlich, aber: Die Detailbewertung führt, falls man in einer Rubrik unter 4 Sternchen fällt, zu einer schlechteren Listung in den ebay-Suchergebnissen. Und damit wird man nicht mehr gefunden, was zu Umsatzrückgängen führt. Etliche Verkäufer beklagten durch dieses System Umsatzeinbußen von 30%. und warnten vor den langfristigen Folgen. Es wurden auch Stimmen laut, die ebay vorwarfen, die Detailbewertungen zu manipulieren. Vieles spricht dafür...

Schritt 3: Man ändert des Bewertungssystem und führt Sanktionen für Verkäufer ein

Am 22.05.2008 schritt man bei ebay zur Tat und verzapfte den größten Blödsinn der letzten Zeit. Das Bewertungssystem wurde grundlegend geändert, private wie gewerbliche Händler mit Sanktionen überzogen. Grundlage aller Betrachtungen ist dabei der Zeitraum der letzten 12 Monate. Was davor war, interessiert bei ebay nicht mehr.

Einige Eckpunkte der genialen Neuerung ohne Anspruch auf Vollständigkeit:

Wozu das alles? Ganz einfach. Ebay möchte wohl mit all den Änderungen das vergleichsweise teure und damit gewinnträchtige hauseigene Bezahlsystem paypal durchsetzen. Böse Stimmen behaupten auch, man möchte sich zu einer Art Amazon entwickeln und kleine Anbieter einfach rausgraulen. Für den amerikanischen Markt hat ebay das bereits bestätigt. Dazu ist jedes Mittel recht, schließlich müssen die Aktionäre zufrieden sein. Und das sind sie in Anbetracht der Entwicklung der ebay-Aktie im Moment nicht.

Schritt 4: Man deckelt Versandkosten

Vorläufiger Schlußpunkt der traurigen Angelegenheit. Ebay will ja Käufer zurückhaben, die angeblich oder tatsächlich vergrault worden sind. Also legt ebay die Obergrenze für Versandkosten in einigen Kategorien fest. Das betrifft mit 8 Euro beispielsweise Computergehäuse oder 5 Euro für Zahnpflege. Die Liste wurde mittlerweile schon wieder entgegen der ursprünglichen Verlautbarung verändert. Ursprünglich war im Bereich Business und Industrie ein maximaler Wert von 8 Euro angegeben. Nun heißt es, der Wert dort wird individuell geprüft. Selbst in den ebay- Grundsätzen heißt es, das sich die Kosten aus den Portokosten sowie tatsächlichen Kosten für Verpackungsmaterial und -aufwand zusammen setzen können. Und?? Habt ihr mal ein Computergehäuse verpackt und verschickt? Für 8 Euro mit der Post? Aber ebay hat gute Ratschläge:

Die maximalen Versandkosten decken nicht meine Ausgaben für Verpackung und Versand. Was kann ich tun? Wir haben einige Tipps zur Verringerung Ihrer Kosten für Verpackung und Versand zusammengestellt:

[Quelle: http://pages.ebay.de/help/sell/maximum_shippingcosts.html]

Das ist natürlich eine Frechheit sondersgleichen, denn beim Anbieten von paypal MUß der VK versichert versenden, und das kostet bei der Post nun mal im Minimum 6,90 Euro Porto. Bei anderen Anbietern geht das billiger, allerdings arbeiten sie auch teilweise unzuverlässiger bzw. langsamer und sind nicht flächendeckend vertreten. Aus gutem Grund kommen meine Conrad-Pakete mit der Post. Der versicherte Versand ist auch für gewerbliche Anbieter ein Muß, denn die haften für Verluste auf dem Postweg.

Was kann man tun?

Die Entwicklung bei ebay in den letzten Jahren ist ein schönes Beispiel dafür, welche Auswirkungen Monopole haben. Es gibt, sieht man von Nischenbereichen ab (egun für Waffen, terrino für Tiere und Tierbedarf) keine ernsthafte Konkurrenz. Es ist wie ein Kreislauf. Der Käufer ist bequem. Er geht dahin, wo er das größte Angebot vorfindet. Der Verkäufer versucht auf der Plattform zu verkaufen, wo sich die meisten potentiellen Käufer aufhalten. Damit wird das Angebot noch größer, es kommen noch mehr Käufer... Aber es entsteht auch die Monopolstellung. Der Plattformbetreiber kann diktieren, zu welchen Kosten und unter welchen Bedingungen verkauft wird. Daneben entstehen Abhängigkeiten. Der Verkäufer schluckt die Kröte und wird sich überlegen müssen, wie er die Kosten auf die Kunden umlegen kann.

Der Kreislauf kann durchbrochen werden, wenn Käufer und Verkäufer sich verstärkt und bewußt anderen Anbietern zuwenden. Wenn Ihr etwas sucht, dann bitte nicht zuerst bei ebay, sondern bei der Konkurrenz. Bei Hood, Auxion oder Auvito. Wer Neuware haben möchte, kann auch entsprechende Webshops besuchen. Die Zeiten, wo es dort teurer war als auf ebay, sind dank ebays Gebührenpolitik in den meisten Fällen vorbei. Auch wenn Ihr etwas verkaufen möchtet, sind Hood und Auvito nützlich. Am Anfang wird es etwas mühseliger werden, beide Auktionshäuser verlangen eine Identprüfung. Man kann grundsätzlich nur einen Account eröffnen, was natürlich erheblich zur Sicherheit beiträgt. Im Gegensatz zu ebay weiß man in beiden Häusern, wer da mit einem handelt. Man muß sich umstellen, gerade bei höherpreisigen Produkten lohnen Auktionen ab 1 Euro in den seltesten Fällen. Der Mindestpreis sollte realistisch, aber auch nicht zu niedrig sein. Beide Häuser sind für Anbieter und Käufer kostenfrei. Gezahlt werden muß nur für Zusatzoptionen, und auch die sind viel billiger als bei ebay.

Wählt Eure Auktionshäuser mit Bedacht aus! Es hilft uns allen!

Dieter TD 07/2008

 

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