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Berzdorf - das letzte zu besichtigende Stollensystem der Ostlausitz (Sachsen)

Die unter diesem Beitrag befindlichen Fotos zeigen ein sehr ausgedehntes und mehrere km langes Entwässerungsstollensystem auf dem Gelände des ehemaligen Braunkohlentagebaues in Berzdorf bei Görlitz, nahe der deutsch / polnischen Grenze.

Diese Anlage läßt sich nach entsprechender telefonischer Anmeldung bei der zuständigen Betreiberfirma des Tagebaugeländes kostenlos besichtigen, vorausgesetzt, es findet sich eine Gruppe von mindestens 6 Leuten, da sich ansonsten der Aufwand nicht lohnt. Leider wird dies nur noch bis Mitte 2001 möglich sein, dann wird der daneben liegende Tagebau geflutet, es entsteht ein riesiger See in einem rekultivierten Erholungsgebiet und die Stollen laufen damit ebenfalls voll Wasser.

Ausgestattet mit Grubenlampe und am Gürtel zu tragenden Sauerstoff-Grubenrettern für den Notfall (Methan in Braunkohlengruben), fährt man mit einem kleinen Förderkorb ca. 80 m in die Tiefe. Neben dem stählernen Schachtausbau verlaufen zusätzlich Leitern in die Tiefe.
Mit Tiefbrunnen allein war die Wasserhaltung der Abraumkippenbereiche nicht möglich, es bestand die akute Gefahr einer Hangrutschung der Kippenböschungen. Aus diesem Grunde beschloß man in den 60iger Jahren den Bau eines unterirdischen Entwässerungssystems. Die entsprechenden Stollen befinden sich in oben bereits genannter Tiefe neben und unter der riesigen Abraumkippe des benachbarten Tagebaus. Sie sind alle in relativ lockerer Braunkohle aufgefahren und deswegen mit hohem Aufwand gegen Verbruch mit Holzstempeln und Stahlbögen ausgebaut. Als Firstverbau kamen teilweise sogar alte Eisenbahnschienen von Krupp zum Einsatz. Eingeprägte Jahreszahlen
datieren die ältesten Schienen auf die Zeit um 1880.

Nachdem sich der Korb klirrend geöffnet hat, steht man im sogenannten "Bahnhof". Der Name rührt daher, daß hier in einer Weitung des Stollens durch ein Doppelgleis zwei Loren nebeneinander passen. Alle Einbauten in diesem Stollensystem sind noch vorhanden, wie z.B. Bewetterungs- und Gleisanlagen, Schaltschränke, Sicherheitseinrichtungen. Sie sind alle, außer den riesigen Entwässerungspumpen, noch voll funktionsfähig. Allein deren große Elektromotoren sind schon beachtlich. Diese mittlerweile abgestellten Pumpen, die auf Betonfundamenten in kleinen Hallen stehen, arbeiteten auf Rohrleitungen, die fast einen Durchmesser von 90 cm haben. Ein Hinweis darauf, welche gewaltigen Wassermengen hier zu bewältigen waren.

Neben tiefen Pumpensümpfen verliert sich ein breiter, wasserführender Stollen in der Finsternis, Wasser rauscht irgendwo in der Dunkelheit. Etwas weiter findet sich neben der Strecke ein Aufenthalts-und Umkleideraum. Über den Köpfen fauchen die Rohre der Bewetterung.
Die beiden uns begleitenden Bergleute erklären geduldig und redegewand den damaligen Streckenvortrieb, den Ausbau der Stollen und beantworten auch die ausgefallensten Fragen zu bergbautechnischen Problematiken.

Nachdem man sich wieder am Tageslicht befindet, kann man noch das flache Gebäude, in dem die Fördermaschine installiert ist, besichtigen. Langsam verbreitet sich bei allen Teilnehmern das Gefühl, daß es eigentlich jammerschade ist, diese in der Lausitzer Gegend einmaligen Anlage dem schnell steigenden Grundwasser zu überantworten.

Wer sich diese Stollenanlage noch anschauen möchte, der sollte sich also beeilen........die Zeit läuft........!!
PeMü

Der kleine Förderturm

Der sogenannte Bahnhof

Eine Streckenverzweigung

Eine kleine Halle, im Vordergrund eine Entwässerungspumpe

 

 

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