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Zu Besuch auf Festung Königstein

 

240 Meter über dem Flußlauf der Elbe thront in der Sächsischen Schweiz die Festung Königsstein. Von hier aus hat man bei guter Sicht einen hervorragenden Ausblick in alle Himmelsrichtungen. Ob das Osterzgebirge oder die Berge der Böhmischen Schweiz, die Reste des Uranabbaus der Wismut- AG oder die charakteristischen Tafelberge des Landstriches wie den Lilienstein - der Königstein ist der ideale Ausschtspunkt.

Erreichen kann man die Festung Königstein aus Richtung Dresden kommend über die B 172 in Richtunng Schmilka; mit der S- Bahn Dresden - Königstein - Schmilka oder (besonders reizvoll) mit dem Elbdampfer.

Wir hatten an einem herbstlichen Nachmittag nichts besseres zu tun und beschlossen, der Festung einen Besuch abzustatten.

Blick auf das Horn und den Steigerturm

Wann der Tafelberg das erste Mal besiedelt wurde ist heute nicht mehr nachzuvollziehen. Von den benachbarten Bergen liegen Nachweise aus der Bronzezeit bzw. aus der frühen Eisenzeit vor. Es wird vermutet, das auf dem Königstein bereits eine slawische Burganlage stand. Die erste urkundliche Erwähnung fand er am 07.05.1241 in der sogenannten Oberlausitzer Grenzurkunde. Wenige Jahre später entwickelte sich direkt an der Elbe unterhalb des Königsteins der gleichnamige Ort. Beginnend als Marktflecken, wuchs er schnell auf Grund der sehr günstigen strategischen Lage an der alten Salzstraße (Prag - Pirna - Magedeburg), der großen Lausitzer Straße (Nürnberg - Zittau) und der Elbe als Wasserstraße. Folgerichtig ließ Kaiser Karl IV. die ersten nachgewiesenen Anlagen auf dem Königstein errichten.

Im Jahre 1563 schließlich begann Kurfürst August vorsichtig mit dem Ausbau des Königsteins als Festung. Er ließ den Brunnen abtäufen (siehe unten). Erst Chrsitian I. nahm es jedoch in die Hand, ab Frühjahr 1589 einen umfassenden Umbau der Residenz zur Festung zu beginnen. Bis zu seinem Tod im September 1591 entstanden wesentliche Gebäude und Verteidigungsanlagen, die wir heute noch bewundern können. Einige Beispiele: Christiansburg (später Friedrichsburg genannt), neuer Aufgang an der Westseite mit Torhaus, Streichwehr an der Nordseite, Alte Kaserne, kasemattiertes Sperrwerk (Ravelin) am Tor... Allerdings fehlten 1591 noch einige wesentliche Festungsbauten, die Kampfhandllungen über eine längere Zeit ermöglicht hätten - Magazine, weite Strecken Streichwehr, weitere Versorgungsanlagen. Mit der Veränderung der politischen Situation wurden die Bauarbeiten nach dem Tod Christians I. vorläufig eingestellt. Dafür kam im November 1591 Kanzler Krell - der maßgeblichen Anteil am Aufbau der Festung Königstein hatte - als einer der ersten Staatsgefangenen auf dem Königstein an und verbrachte dort zehn Jahre. Er wurde 1601 in Dresden öffentlich enthauptet.

Der Baustopp dauerte nicht allzu lange. Schon 1594 entstanden weitere Wehrbauten.

Anfang des 17. Jahrhunderts entdeckte man den Königstein als Ort größerer höfischer Festlichkeiten und damit höfischer Repräsentation. Besonders August der Starke gab auf dem Königstein rauschende Feste. Doch nicht nur Feste feierte man im 17. Jahrhundert, sondern die Festung Königstein hatte auch ihre erste größere militärische Bewährungsprobe zu bestehen. Im Dreißigjährigen Krieg zogen die Schweden durch die Ortslage Königstein - ohne das man daran von der Festung aus daran etwas ändern konnte. Die Festung selbst wurde nicht eingenommen, der Ort Königstein jedoch geplündert und niedergebrannt.

Nach dem Tod August des Starken im Jahre 1733 erfolgten weitere militärische Verstärkungsbauten. Pulvermagazine wurden bombenfest überwölbt, das Brunnenhaus neu gebaut, Handwerkerunterkünfte und Werkstätten wurden errichtet.

Während des Siebenjährigen Krieges mußte man von der Festung tatenlos zusehen, wie am Füße des Liliensteines die Hauptkräfte der Sächsischen Armee gefangen genommen wurden. Nach der Kapitulation Sachsen lagerten auf Königstein u.a. die Werke der Dresdener Gemäldegalerie.

Zwischen 1766 und 1832 wurden die heute noch zu besichtigenden Kasematten an der Westseite errichtet. Dabei handelt es sich um miteinander verbundene bombensichere und beheizbare Gewölbe, die Proviant und Soldaten aufnehmen konnten und letztlich auch zur Verteidigung dienten.

Es folgten in den Napoleonischen Kriegen weitere militärische Bewährungsproben. Die Festung wurde nicht eingenommen, verblieb aber als einzigste sächsische Landfestung. 1813 nahm Königstein übrigens erneut den sächsischen Staatsschatz, Archive und Kunstsammlungen auf.

1817 erhielt die Festung Königstein das erste Depressionsgeschütz, dem später weitere folgen sollten.

In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts erlangte die Festung traurige Berühmtheit als Ort, an dem politische Gefangene untergebracht wurden. Es handelte sich vorrangig um bürgrliche Demokraten um Moßdorf und Bertholdi sowie um die Gefangene nach dem sogenannten Maiaufstand vom 03.05.1848. Auch Theodor Heine und Frank Wedekind zählten zu den Gefangenen auf der Festung.

1851 wurde die sächsisch - böhmische Eisenbahnverbindung im Elbtal unterhalb der Festung eingeweiht. Unterhalb der Festung wurde die Bahnlinie über eine sogenannte strategische Brücke geführt. Nahte der Feind, konnte diese Verbindung sehr schnell unterbrochen werden. Die Brücke war dann durch die Festungsgeschütze leicht zu bestreichen.

Im Jahr 1866 erfüllte die Festung im preußisch - österreichischen Krieg ihre Funktion als Sperrwerk. Zu Kampfhandlungen kam es jedoch nicht, preußische Truppen umgingen die Festung über Zittau. Im Schatzhaus lagerten zu dieser Zeit 250.000 Taler aus dem sächsischen Staatsschatz. Während des deutsch- französischen Krieges 1870/ 71 nahm Königstein erstmals Kriegsgefangene auf. Sie hatten die Aufgabe, die sogenannten Batteriewälle zu errichten - als Antwort auf die Weiterentwicklung der Flachfeuergeschütze. Auch im Brunnenhaus hielt neue Technik Einzug. Das Tretrad wurde durch eine Dampfmaschine ersetzt; Pulvermagazine wurde ummantelt und beschußfeste Neubauten errichtet. Munitionsladesysteme wurden installiert, ein Kriegslazarett errichtet.

Anfang des 20. Jahrhunderts konnte der Ausbau der Festung dem raschen Fortschritt in der Militärtechnik nicht mehr standhalten. Eine Anpassung erfolgte nicht mehr, denn die Festung hatte auch ihre strategische Bedeutung verloren. Im Sommer 1920 wurde die Festung in Folge der Bestimmungen des Versailler Vertrages desarmiert und verlor damit jegliche Bedeutung als Festung. In der Folgezeit diente die Festung als Gefängnis sowie als Lazarett. Darüber hinaus kamen immer mehr Touristen zur Besichtigung der Festung.

Mit Beginn des Zweiten Weltkrieges diente Königstein als Kriegsgefangenenlager für polnische Offiziere, ab 1941 als Oflag IV B als Unterbringungsort für französische Offiziere. Auch ein Teil der Dresdener Kunstschätze wurde in den Westkasematten eingelagert.

Ab 1945 wurde die Festung Lazarett der russischen Armee, ab 1949 Jugendwerkhof. Hier sollten kriminell gewordene Jugendliche "gebessert" werden.

Am 29.05.1955 übernahm das Ministerium für Kultur die Festung und baute sie in der Folgezeit als Museum aus. Auch die Bezirksleitung der SED Dresden baute aus - auf dem Areal befindet sich ein Führungsbunker.

Das Medusentor, im Hintergrund ist die Zugbrücke zu erkennen. Das Wappen ist königlich - polnisch und kurfürstlich - sächsisch; auf der Rückseite Rampe zum Transport von Kanonen in die Festung.

Der sogenannte dunkle Aufgang (Appareille). In der Mitte ist schwach eine Fallpalisade erkennbar. Am oberen Ende Vorrichtungen, um schwere Lasten nach oben zu befördern.

Im Brunnenhaus.

Blick in den Brunnen. Er wurde zwischen 1563 und 1569 in de Sandstein geschlagen. Mit 152,5 Metern Tiefe ist er der zweittiefste Brunnen einer deutschen Burganlage. Der obere Durchmesser beträgt 3,5 Meter, in 139 Meter Tiefe strömt das Trinkwasser aus zwei seitlichen Strecken. Die Belüftung erfolgt durch einen Schacht in der Brunnenwand.

Niedergang in der Magdalenenburg.

Im Keller der Magdalenenburg. Die heute hier herumstehenden Fässer sind natürlich nichts gegen das 238.000 Liter fassende Weinfaß von August dem Starken, das hier von 1725 bis 1818 herumstand. Vollständig gefüllt war es allerdings nur ein mal...

Verstärkungen an der Rückseite des Brunnenhauses.

Im Schatzhaus heute. Wände und Deckengewölbe sind bis zu 1,8 m stark, as Gebäude ist unterkellert. Hier wurde der sächsische Staatsschatz in unruhigen Zeiten gelagert. Architektonisch interessant ist die Lösung der Belüftung.

Kriegskaserne II. Erbaut ab 1880 als erste Kasemattenanlage der letzten Bauperiode, dient der Unterbringung der Artilleriekriegskommandantur. Die Deckung besteht aus ein Meter starkem Ziegelgewölbe, darüber ein Meter Sandpolster, darüber ein Meter Granitbeton und eine Erdschicht.

 

 

Kanonen vor dem Zeughaus.

Blick über die südliche Streichwehr auf Höhe Kriegskaserne II.

Die Magdalenenburg.

Das alte Zeughaus aus SO- Richtung. Hier befindet sich eine interessante Sammlung zur Waffentechnik.

 

Landschaftlich reizvoll - auch außerhalb der "normalen" Reisezeiten lohnt sich ein Ausflug zur Festung Königstein.

Herbstliche Abendstimmung an der Georgenburg.

Der Hungerturm. Wozu er diente, ist bis heute unklar. Es wird vermutet, er wurde in der Zeit der Burganlage als Beobachtungsturm genutzt. Auch eine Verwendung als Gefängnis ist denkbar.

Die Friedrichsburg. Ursprünglich 1589 als Beobachtungs- und Flankierungsturm errichtet, wurde sie 1731 zu einem barocken Pavillon umgebaut. Der wurde 1744 durch Blitzschlag zerstört.

Blick auf die Elbschleife südwestlich der Festung.

Auf der gegenüberliegenden Seite der Lilienstein; am Elbufer der Ort Königstein. Hier verläuft auch die Bahnlinie.

Etwas neuere Einbauten, die die offiziellen Führer leider verschweigen :-)

Wachtum im Bereich der Königsnase.

Übrigens:

Sollte jemand erzählen, Burg und Festung Königstein seien niemals in Feindeshand gefallen - er lügt. Um Martini 1401 benahm sich Burggraf Jeschke von Dohna auf dem Adelstanz in Dresden etwas daneben. Er tanzte mit der Gattin des Ritters Rudolph von Köbitz auf Meusegast derart intim, das ihm letztgenannter ein Bein stellte, was im Gegenzug eine Ohrfeige zur Folge hatte. Markgraf Wilhelm I. von Meißen versuchte zu schlichten, was jedoch gründlich danebenging. Wilhelm I. ließ daraufhin Burg Dohna belagern und eroberte sie 1402. Jeschke floh nach Wesenstein und von dort auf Königstein. Nach vierjähriger Belagerungszeit wurde die Burg eingenommen und Meißen einverleibt. Jeschke entkam jedoch vorher und fand Unterschlupf bei König Sigismund von Böhmen. Der erinnerte sich jedoch wenig an Freundschaft und ließ Jeschke hinrichten. Ähnlichkeiten zu manchen heutigen Ereignissen sind rein zufällig und nicht beabsichtigt :-(

Öffnungszeiten:

April bis September: 09.00 Uhr bis 20.00 Uhr
Oktober: 09.00 Uhr bis 18.00 Uhr
November bis März: 09.00 Uhr bis 17.00 Uhr
Am 24.12. ist Schließtag!
Alle Angaben ohne Gewähr, bitte unter 035021/ 64607 nachfragen.

 

Literatur:

Festung Königsstein, Edition Leipzig, ISBN 3-361-00510-8

Alle Fotos (c) Team- Delta.

 

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