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Reuster Turm und Landesvermessung

Fährt man von Ronneburg aus nach Süden, fallen einem zwei Dinge auf: Bergbauüberreste wie Fördergerüste und Spitzhalden sowie ein Turm.

Neugierig geworden, hatte ich beschlossen, bei der nächsten sich bietenden Gelegenheit von der Hauptstraße abzubiegen und zu ergründen, was es mit diesem gut erhaltenen Turm in der Landschaft so auf sich hat.

Bei dem Turm handelt es sich um einen sogenannten Bismarckturm. Anfang des letzten Jahrhunderts wurden zu Ehren von Reichskanzler Bismarck viele solcher Türme in Deutschland und anderen Ländern errichtet. Eine Feuerschale auf der Spitze der Türme konnte bestückt und entfacht werden. Weithin waren diese Feuer zu sehen.

Ein Verein sorgt für die Öffnung des Turmes an den Wochenenden von Ostern bis Ende Oktober. Weithin erkennbares Zeichen der Öffnung ist die auf dem Turm wehende Thüringenfahne. Wer Besichtigungen außerhalb dieser Zeiten plant, muß sich unter 036602/34814 an den Verein oder an die Gemeinde Rückersdorf wenden, die auch weiterhelfen.

Gelohnt hat sich der außerplanmäßige Besuch dennoch, denn auf dem Hügel dicht beim Turm findet sich noch ein Kleinod der Landesvermessung: Die Station Reust der Europäischen Gradmessung und Königlich- Sächsischen Triangulierung 1874.

 

Im September 1874 wurde die 2,1 m hohe Säule aus Rochlitzer Porphyr für 272 Mark errichtet. Nach einer Informationstafel vor Ort, die Herr Götz zusammengestellt hat, kamen noch 45 Mark Grunderwerbskosten für 64 qm und rund 41 Mark an Gerichtskosten hinzu.

Von dieser Säule aus wurden Winkel zu 7 anderen Stationen (und auch zurück) gemessen, die sich auf Bergen in 20 bis 45 km Entfernung befanden. An der Säule selbst konnten dazu Lampen aufgehangen werden - dazu diente der Ring mit den Haken, die auf dem linken Foto unter der Abdeckplatte erkennbar sind.

Die gewonnenen Daten wurden in ein Koordinatensystem übertragen und bildeten die Grundlage der Landvermessung - europaweit. Auch wenn heute Laser, Sat und Vollstationen dominieren - diese Vermessungen sind die Grundlagen derjenigen Karten, die wir noch heute nutzen.

Es gibt nicht mehr viele erhaltene Stationen aus dieser Phase des Vermessungswesens. Jedem technisch interessierten Leser, der sich in Ronneburg befindet, sei ein Ausflug zum Reuster Turm empfohlen! Wer die bereits genannte Infotafel sucht: Sie befindet sich unglücklicherweise nicht unmittelbar bei der Säule, sondern ca. 20 Meter nördlich davon auf der Wiese. Hier sind auch Infos zu finden, nach wo gemessen wurde.

© by Team Delta 6/04 Dieter/ Annett unter Verwendung von Materialien der Infotafel vor Ort, die durch B. Götz gestaltet wurde.

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