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Zu Besuch im Mittelwellensender - Teil 1

Antennen, Stromversorgung

Auf Einladung der Interessengemeinschaft Historische Fernmeldetechnik e.V., für die wir uns recht herzlich bedanken, hatten wir Gelegenheit, einen Mittelwellensender zu besichtigen. Freaks werden auf Grund der Angaben im Bericht unschwer erkennen können, um welche Sendeanlage es sich dabei gehandelt hat. Trotzdem möchten wir in der breiten Öffentlichkeit den genauen Standort nicht nennen.

Die Antennen

Ende 1952 begannen die Bauarbeiten zum Sendeobjekt. Auf einem bis dato unbebautem Gelände wurde neben den Betriebseinrichtungen und diversen Nebengebäuden ein 153 Meter hoher, selbststrahlender Röhrenmast errichtet. Der wird heute noch genutzt.

Der Durchmesser des Mastes beträgt 1,50 m, er ist innen begehbar. Das rechte Bild oben zeigt die Eingangsluke, hinter der man auf Treppen in die Mastspitze gelangt. Das von links an den Mast heranführende "Rohr" ist die Einspeisung. Unter dem Mast ist deutlich der Isolator zu erkennen, der für die elektrische Trennung von Mast und Erde sorgt und auf dem die gesamten 110 Tonnen des Mastes ruhen.

Der Mast ist in einer Höhe von 60 und 120 Metern über Grund nach jeweils drei Seiten abgespannt. Das Bild zeigt die Pardunen, die ihn halten. Im Hintergrund ist ein Wachturm zu erkennen. Bis in die 80- er Jahre waren solche Sendeanlagen aus politischen Gründen bestens geschützt und gesichert.

Blick auf das Sendehaus, auf dem der Mast steht. Zu erkennen sind die Abluftführung eines modernen Senders sowie jede Menge Stahlstäbe außen am Gebäude. Dabei handelt es sich nicht um einen Blitzschutz oder eine Einrichtung zur Verhinderung von HF- Anbstrahlung. Diese Stäbe sind unter der Erde noch 120 Meter weit radial vom Antennengebäude weggeführt und bilden das sogenannte Gegengewicht. Bei Rundstrahlern, wie bei diesem selbststrahlende Mast, wird damit die Reichweite verbessert.

Die Zuführung der hochfrequenten Energie erfolgt über sogenannte Reusenleitungen. An der Abstandshalterung auf dem Bild ist deutlich die Erdungseinrichtung zu sehen (der rote Stab). Die Zuleitungen sind heute nicht mehr in Betrieb, weil sich die derzeit benutzten Sender unmittelbar im Antennnenhaus befinden.

Oben das senderseitige, unten das antennenseitige Ende der Zuleitung nebst PeMü als Größenvergleich.

Auf dem Gelände befinden sich weitere eindrucksvolle Antennen.

Eine Dreieckflächenantenne K1 besteht aus drei 50 Meter hohen Masten und verkraftet ebenfalls eine Sendeleistung von 250 kW. Wie bei der Mastantenne oben erfolgt die Speisung über eine Reusenleitung. Die Antenne ist in einem schlecht gewarteten Zustand.

Eine weitere Antenne, eine K2 Vertikalantenne Tesla mit Dachkapazität, befindet sich auf einem 51 Meter hohen Mast und läßt Sendebetrieb mit maximal 20 kW auf der Frequenz 1431 kHz zu.

Netzersatz

Für den Fall eines Ausfalls der Hauptstromversorgung wurde eine Maschinenhalle aufgebaut. Auf 100 qm Fläche stehen hier zwei Schiffsdiesel sowie die entsprechenden Nebenanlagen.

Das Gebäude wird als Dieselhaus bezeichnet.

Im Dieselhaus finden wir zwei Schiffsdiesel des Typs 8V44 aus dem Görlitzer Maschinenbau, Baujahr 1953. Jeder wiegt 22 Tonnen und liefert bei 428 Umdrehungen/ Minute 760 PS. Unter Vollast verbrauchen sie 220 Liter Diesel in der Stunde.

Die im Bild erkennbare Krananlage diente der Wartung der Diesel.

Die Treibstoffleitungen fallen deshalb auch ein bißchen größer aus als im Kleinwagen...

Außerhalb des Gebäudes befinden sich 2 Tanks mit je 33.000 Liter Fassungsvermögen. Das war ausreichend, um einen Sendebetrieb über ca. 10 Tage netzunabhängig aufrecht zu erhalten.

Angelassen wurden die Diesel mit Druckluft. Oben auf dem Bild ist die entsprechende Anlage zu sehen.

An die Diesel gekoppelt sind die Generatoren des Typs SEE 1411-14. Sie wurden ebenfalls 1953 im Elektromotorenwerk Dessau gebaut. Jeder Generator liefert 650 kW bei 400 Volt und wiegt 7,2 Tonnen. Die Spannung wurde anschließend auf 20.000 Volt transformiert.

Leider ist es heute nicht mehr möglich, die Diesel anzulassen, da der TÜV zugeschlagen und die Druckluftanlage gesperrt hat.

Im zweiten Teil des Berichtes werden die Sender vorgestellt.

(c) Dieter TD/ PeMü 2002

 

 

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