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Zu Besuch im Mittelwellensender - Teil 2

Die Sendeanlagen

Im wesentlichen finden sich im beschriebenen Objekt vier Sendeanlagen:

Der Sender SM4

Sender des Typs SM4 wurden im Funkwerk Köpenick hergestellt. Es handelt sich um einen AM- Sender mit 250 Kw Trägerleistung. Er war durchstimmbar in einem Frequenzbereich von 600 bis 1680 kHz.

Der Blick in den Sendesaal zeigt, dass der SM4 in offener Bauweise hergestellt wurde. Endstufen und Abstimmmittel befinden sich im abgesperrten Raum zwischen Fensterfront und Bedienschränken.

Hier geht noch nichts mit Computern - entsprechend groß das Bedienpult. Die Handräder im Hintergrund dienen dem Anpassen von Abstimmmitteln.

Blick auf die Röhre in einer Vorendstufe. Sie befindet sich in den Schränken, die auf dem Bild mit dem Bedienpult im Hintergrund zu sehen sind.

Hier schlägt das Herz jedes Funkinteressierten höher: Rechts im Vordergrund zwei der vier Endstufenröhren des Typs SRW 357. Sie sind wassergekühlt. Bis zu 10.000 Volt Anodenspannung und bis 200 A Heizstrom verdeutlichen die Dimensionen, mit denen wir es hier zu tun haben. Die bunten Scheiben sind hochspannungsfeste Kondensatoren geringer Kapazität zu Abstimm- und Anpaßzwecken.

Hochreines Wasser zu Kühlzwecken für die Sender wurde im Erdgeschoß in einer selbst konstruierten Anlage gewonnen.

Nein, das sind keine Kühlrohre, das ist eine Abstimmspule. Eine EOS 33 zum Größenvergleich.

Teile der Kunstantenne. Hier wurde zu Meß- und Prüfzwecken die Sendeenergie über einen rein ohmschen Widerstand in Wärme umgesetzt. Die Kunstantenne ist hier wassergekühlt.

Über solche Trennschalter werden Anlagengruppen geerdet. Damit war ein sicheres Arbeiten an ihnen möglich.

Ein Meßplatz

Der hier beschriebene SM4 war von 1953 an fast durchgängig in Betrieb. Er sendete bis 1978 auf 1043 kHz, dann auf 1044 kHz. Am 18.09.93 ging er endgültig vom Netz.

 

Der Sender SM4E

Der Sender SM4E wurde ebenfalls im Funkwerk Köpenick hergestellt und 1959 in Betrieb genommen. Mit seinen 20 kW Sendeleistung diente er vor allem als Reservesender. Es wurden aber auch reguläre Programme abgestrahlt.

Der Senderraum fällt natürlich kleiner aus als beim großen Bruder.

Das Bedienpult.

Luftgekühlte Röhren des SM4E in Funktion. Der Sender ist heute noch voll betriebsbereit.

Die neuen Sender

Eigentlich galt unser Interesse bei der Besichtigung der Sendeanlage ja den alten Dingen. Aber natürlich haben wir auch einen Blick auf die neuen Sender geworfen. Es ist faszinierend, wie sich die Technik seit den Zeiten von SM4 verändert hat. Was damals noch ganze Gebäude füllte, hat bei gleicher Leistung und mehr Bedienkomfort auf geringstem Raum Platz.

Oben der L- förmig aufgestellte 250 kW- Sender von Telefunken. Er besteht aus zwei zusammengeschalteten 125 kW- Sendern des Typs TRAM 100.

Auch die Bedienelemente sehen etwas anders aus als oben dargestellt.

Die zeitgemäße Notstromversorgung.

Die Abstimmelemente mußten neu berechnet werden und einige Änderungen vorgenommen werden, denn der Mast wird heute sowohl auf 1044 kHz und 1431 kHz betrieben.

Die Gitter haben ihren Sinn. Hier bringt die Hochfrequenz der Abstimmeinheit eine Leuchtstoffröhre zum Leuchten. Die dicken Röhre sind die Einspeisung zum Antennenfuß.

Vom 20 kW- Sender Thomcat Typ TMW 2020 - M2W haben wir gar keine Fotos, er belegt nur 1,4 qm...

Fazit dieser Besichtigung: Wir haben beeindruckende technische Meisterleistungen gesehen, sowohl aus der Vergangenheit als auch aus der Gegenwart. Wir glauben, dass trotz aller finanziellen Probleme die alten Sender der Nachwelt als technisches Denkmal erhalten werden sollten. Damit noch andere nach uns die Gelegenheit haben, die oben gezeigten Bilder in natura zu sehen.

Wir bedanken uns nochmals bei der Interessengemeinschaft Historische Fernmeldetechnik e.V. für die Einladung zur Besichtigung.

(c) Dieter TD/ PeMü 2002

Alle Fotos (c) by Team Delta 2002!

 

 

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